Trinkwasser kommt in Unna bald von den Stadtwerken

dzNeues Geschäft

Seit über 130 Jahren beziehen die Unnaer ihr Trinkwasser von Gelsenwasser. Ab 2021 bekommen sie einen neuen Vertragspartner: Die Stadtwerke Unna treten auch in diesen Versorgermarkt ein.

Unna

, 18.11.2019, 16:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Unter der Dusche, beim Wäschewaschen oder einfach bei akutem Durst wird in Unna auch in Zukunft alles beim Alten bleiben: Das Wasser aus der Leitung wird in Unna auch ab Anfang 2021 aus derselben Aufbereitung stammen wie heute und die seit über 130 Jahren bewährte Qualität von Gelsenwasser besitzen. Anders sieht es bei den Rechnungen aus.

Die Stadtwerke Unna sollen und wollen auch in den Versorgermarkt für frisches Wasser eintreten. Weil der Wassermarkt anders als die Stromversorgung noch nicht wirklich liberalisiert ist, wären die Stadtwerke ab Anfang 2021 der einzige Anbieter am Markt, also alternativlos. Stadt, Stadtwerke und Gelsenwasser haben darüber bereits ausgiebig verhandelt, und auch in der Politik in Unna zeichnet sich Rückhalt ab für ein neues Kooperationsmodell.

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Ausgehandelt wurde es mit Blick auf das Ende des derzeitigen Konzessionsvertrages, der Gelsenwasser bis Ende 2022 das Recht zugesteht, Unna mit Wasser zu versorgen. Unna hätte zu diesem Stichtag kündigen können, um die Wasserversorgung in der Stadt selbst zu übernehmen oder an einen Dritten zu vergeben. Das wäre für Unna ein riskanter Weg gewesen, für Gelsenwasser aber auch kein gewünschtes Szenario. Und so beteiligt sich der traditionsreiche Wasserversorger an einem neuen Modell, das vor allem den Stadtwerken Vorteile bringen wird.

Komplexes Modell mit neuer Gesellschaft für „Wasser und mehr“

Stadtwerke und Gelsenwasser würden darin eine neue, gemeinsame Gesellschaft gründen: die „Unnawasser & mehr GmbH“. Sie wäre eine firmenrechtliche Hülle ohne eigenes Personal und mit dem Auftrag, die Trinkwasserverteilung in Unna zu betreiben.

Netzeigentümerin bliebe Gelsenwasser. Das Unternehmen würde weiterhin jährliche Konzessionsabgaben in Höhe von 800.000 Euro für die Nutzung von Grundstücken an die Stadt abführen, der „Unnawasser & mehr GmbH“ aber Rechnungen für technische Dienstleistungen und die Einspeisung von frischem Wasser ins Netz schreiben.

Die Stadtwerke Unna wären kaufmännischer Dienstleister für die neue Gesellschaft, würden die Wasserverträge mit den Endkunden abschließen und abrechnen, ihre Dienste natürlich ebenfalls von der „Unnawasser & mehr GmbH“ bezahlen lassen.

Auf diese Weise würden Stadtwerke und Gelsenwasser von den Margen profitieren, die in der neuen Gesellschaft durch den Weiterverkauf von Wasser entstehen.

Sechsstelliger Betrag bliebe zusätzlich bei den Stadtwerken

Um wie viel Geld es sich dabei konkret handelt, lassen Stadt und Stadtwerke offen. Die Rede ist von einem relevanten Beitrag zur Absicherung der Stadtwerke. Dem Vernehmen nach geht es um einen mittleren sechsstelligen Betrag, der zusätzlich bei den Stadtwerken landen würde – und demnach nicht mehr bei Gelsenwasser.

Was zunächst nach einem Modell klingt, in dem sich die Stadt mit ihrem Versorger ein größeres Stück vom bestehenden Kuchen sichert, soll aber auch neue Vorteile für alle beteiligten Partner bringen. Stadtwerke und Gelsenwasser sind beide erfahrene Netzbetreiber, ebenso wie Unnas Stadtbetriebe im Bereich des Kanalnetzes. Dies verspreche Synergien im Netzmanagement, die über Ausbildungskooperationen und eine gemeinsame Netzdatenbank bis zur Zusammenarbeit bei Bereitschaftsdiensten und der gemeinsamen Auftragsvergabe für Tiefbaufirmen reichen kann, wenn mal eine Leitung freigelegt oder neu verlegt werden muss.

Stadtwerke Unna wollen Kunden binden und zurückgewinnen

Verbraucher in Unna hätten die Chance, alle Versorgungsangebote aus einer Hand zu erhalten. Die Stadtwerke würden dann Strom, Gas, in Teilen der Stadt auch Fernwärme und Datenverbindungen sowie ab Anfang 2021 eben auch Wasser verkaufen. Stadtwerkechef Jürgen Schäpermeier sieht darin auch eine Chance, in den liberalisierten Märkten für Strom und Gast Kunden zu binden oder sogar zurückzugewinnen.

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