Triebwerkslärm käme den Unnaern näher

dzFlughafen Dortmund

Nach der Genehmigung für längere Betriebszeiten will die Flughafengesellschaft das Thema „Pistenausbau“ in den Vordergrund rücken. Mehrere Szenarien sind dabei denkbar. Den Menschen in Unna werden die Quellen des Lärms dabei näher kommen.

Unna

, 25.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Die Betreibergesellschaft des Flughafens hat auch bislang kein Geheimnis daraus gemacht, dass sie an einem Ausbau der Piste um 300 Meter festhält. Das Thema war zuletzt lediglich zurückgestellt, weil die Verlängerung der Betriebszeiten Vorrang genoss. Nun allerdings scheint Flughafen-Geschäftsführer Udo Mager keine Zeit verlieren zu wollen. Wenn die Betriebzeitenregelung „gerichtlich final entschieden ist“, will Mager den Pistenausbau angehen.

Wenn Mager vom Ausbau spricht, beschreibt er die „reale Verlängerung der Start- und Landebahn von 2000 auf 2300 Meter Länge“, also tatsächlich eine Verlängerung des Asphaltbauwerkes. Es sei ein langfristiges Projekt, dessen Verfahren aber noch in diesem Jahrzehnt anlaufen soll. Ein internes Strategiepapier des Flughafens geht von einem Ausbeschluss des Dortmunder Stadtrates im Jahr 2019 aus.

Landeschwelle bleibt

Andere Szenarien, die zwischenzeitlich einmal diskutiert worden sind, scheinen keine Rolle mehr zu spielen. Erst im vergangenen Jahr gab es Gedankenspiele für eine Verschiebung der sogenannten Landeschwelle: Der Flughafen hätte Piloten einen geringeren Sicherheitspuffer zugewiesen und den Punkt, an dem ein landender Flieger frühstens auf der bereits vorhandenen Piste aufsetzen darf, um 300 Meter nach Osten verschoben – also nach Unna. Warum diese Idee zurzeit nicht weiterverfolgt wird, darüber lässt sich nur spekulieren. Dem Vernehmen nach hat die Bezirksregierung in Münster verdeutlicht, dass auch für diesen Schritt ein kompliziertes Planfeststellungsverfahren nötig ist. Aus Sicht des Flughafens ist das Verschieben der Landeschwelle also keineswegs schnell und einfach zu verwirklichen. Für ein Projekt, das ohnehin nur als Übergangslösung galt, ist der Aufwand dann zu hoch.

Der Flughafen rechtfertigt die Ausbaupläne unter anderem damit, dass Fluggesellschaften auf einer längeren Start- und Landebahn größere Flugzeuge einsetzen können, die eine höhere Wirtschaftlichkeit bieten. Damit wäre der Flughafen für die Anbieter schlicht attraktiver.

1700 Meter Landebahn nutzbar

Derzeit ist das Asphaltbauwerk des Dortmunder Flughafens exakt 2120 Meter lang. Zweimal 60 Meter verbleiben an jedem Ende als Sicherheitsbereich, der absolut tabu ist. Das ergibt die offizielle Pistenlänge von 2000 Metern. Weil die Landeschwelle erst nach 300 Metern ein Aufsetzen zulässt, beträgt die tatsächlich nutzbare Länge nur 1700 Meter.

Für ein Flugzeugmodell, das die Flughafengesellschaft als sehr bedeutsam einstuft, kann diese Pistenlänge zumindest bei schlechtem Wetter zu kurz sein. Für den Airbus A321neo ist eine Mindestlänge der Landebahn von 1630 Metern bei Trockenheit und 1875 Metern bei Regen angegeben. Das heißt: Bei stabilem Wetter dürfte dieser Flieger in Dortmund landen. Bei Nässe aber müsste er über Dortmund hinweg fliegen, um an einem anderen Flughafen zu landen. Das wäre für Fluggäste und -gesellschaften ärgerlich.

Es waren auch andere Wege diskutiert worden, die Landestrecke des großen Vogels zu verkürzen. Eine Zertifizierung des rutschfesten Asphalts oder auch das nachträgliche Einfräsen von Rissen für den Regenablauf waren zwischenzeitlich diskutiert worden.

Flugzeuge über Unna tiefer

Im Ausbauszenario, das Flughafenchef Mager nun wieder auf die Agenda führt, würden die Flieger 300 Meter näher an Unna landen. Einen Ausbau nach Westen lässt das Geländeprofil nicht zu. Und es steht vermutlich auch eine Überlegung dahinter, den Fluglärm lieber über der Nachbarstadt erschallen zu lassen als über den Köpfen der eigenen Bürger. Mit der Pistenverlängerung würde sich auch die sogenannte „Gleitlage“ des Instrumentenanfluges nach Osten verschieben. Sie führt die Flieger computergeführt mit einem Gefälle von fünf Prozent zum Aufsetzpunkt. Fünf Prozent, das bedeutet bei einer um 300 Meter längeren Piste, dass die Flieger 15 Meter tiefer über Unna hinweg fliegen als heute. Beim Überflug über die Kleistraße wären die Flugzeuge dann 131 Meter über dem Boden statt 146. An der Bergstraße, die die Bebauungsgrenze markiert, wären es 99 statt 114 Meter. Zum Vergleich: Der Kölner Dom misst an seiner höchsten Stelle 157 Meter, Big Ben in London 96 und der Turm der Evangelischen Stadtkirche in Unna 88.

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