Die Notlösung für die Notdurft ist für gebrechliche Menschen keine Hilfe

dzCoronavirus

Einschränkungen für Gastronomie und Kulturbetriebe dünnen auch das Angebot öffentlich verfügbarer Toiletten aus. Trotz der Behelfslösung am Markt bedeutet das oft lange Wege - insbesondere für Behinderte.

Unna

, 18.11.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Problem ist erkannt und auch schon bis an die Stadt herangetragen worden: Wohin soll ich, wenn ich muss? Auf diese Frage gibt es in Unnas Innenstadt derzeit weniger Antworten als sonst.

Normalerweise bietet Unna durchaus genügend Möglichkeiten, sich zu erleichtern, wenn es bis nach Hause nicht mehr reicht. WC-Anlagen in öffentlichen Gebäuden der Stadt, aber auch Kooperationen mit Partnern stellen dies sicher. Aber angesichts der Corona-Beschränkungen bleiben vor den Toilettentüren schon viele Außentüren geschlossen.

Toilettenwagen für Gehbehinderte keine Lösung

Ein Toilettenwagen, den das Stadtmarketing nach Hinweisen des City-Werberings auf dem Alten Markt aufgestellt hat, ist ein erster Beitrag zur Lösung des Problems. Doch er hilft nicht jedem. Problem des Klocontainers: Er ist nicht barrierefrei.

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Wer im Rollstuhl sitzt, auf den Rollator angewiesen ist oder zumindest zu schwach auf den Beinen, um den eingehängten Tritt zur Tür emporzusteigen, für den ist dieser Behelf nichts. Eine Leserin unserer Zeitung wies nun auf die Notlage hin: Für Rollstuhlfahrer sei vom Besuch der Innenstadt derzeit abzuraten. Für alle anderen gebrechlichen Menschen dürfte sie es genauso meinen.

Man kann, wenn man weiß, wie und wo

Die Stadt räumt das Problem ein, weist aber auch darauf hin, dass es durchaus nicht völlig unmöglich ist, jene Verrichtungen in einer barrierefreien Anlage zu erledigen. Man müsse allerdings wissen, wo sie sich befinden – und wie man sie in Corona-Zeiten erreichen kann.

Das ist allerdings ein grundlegendes Problem: Kritik daran, dass Unna zu wenig öffentliche Toiletten habe, gab es auch vor dem Lockdown immer wieder. Aber eigentlich zeigt sie, das die Toiletten nicht leicht genug zu finden sind.

Eine Übersicht der offiziellen öffentlichen Toiletten in Unna zeigt immerhin acht Standtorte in der Innenstadt. Tatsächlich sind die meisten davon während des Lockdowns gar nicht oder nur schwer zu erreichen. Vorm Café Extrablatt steht ersatzweise jener Container, das Gasthaus Agethen, das Fässchen, der Schalander und das ZIB fallen ebenfalls aus. Der Innenstadtstandort des Christlichen Klinikums Unna ist schon für Patienten nur mit größerem Aufwand zugänglich als sonst.

Doch im Rathaus könnten Behinderte natürlich auch die Coronaschleuse passieren, um das Klo zu benutzen. Jederzeit frei zugänglich ist überdies die Toilette am Busbahnhof.

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