Tönnies darf wieder schlachten: Unnas Bauern „vorsichtig optimistisch“

dzFleischindustrie

Seit Donnerstag, 16. Juli, darf der Fleischbetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück wieder schlachten. Entspannt ist die Lage in den Schweineställen deshalb noch nicht, wie Unnas Landwirte berichten.

Unna

, 16.07.2020, 18:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Meinen Sie, Tönnies macht auf, und alles ist wieder toll?“ – die Frage, wie sich die Öffnung des Fleischfabrikanten Tönnies auf den landwirtschaftlichen Betrieb von Tobias Clodt in Lünern auswirkt, löst bei dem Landwirt noch nicht die pure Euphorie aus. Im Gegenteil: „Ich bin da noch sehr vorsichtig“, sagt er.

Denn nur, weil der Schlachthof am Standort Rheda-Wiedenbrück wieder geöffnet ist, bedeute dies nicht, dass der Betrieb auch wieder auf 100 Prozent hochgefahren wird. „Es sollen zunächst nur 6000 bis 8000 Schweine pro Tag geschlachtet werden. Das ist etwa ein Viertel der sonstigen Kapazitäten“, sagt Clodt. Deshalb werde der Landwirt seinen „Überschuss“ an 200 Schweinen auch nicht so schnell los: Die Abholung der Tiere wird verschiebt sich weiterhin, im Stall bleibt es vermutlich noch eine Weile eng.

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Zudem sei Clodt nicht der einzige Landwirt, der seine Schweine abgeben möchte. Daher erfolge der Abtransport auch nicht schlagartig, sondern anteilig bei mehreren Bauernhöfen aus der Umgebung.

„Kurze Transportwege für alle Beteiligten am besten“

Etwa bei Landwirt Heiner Filthaut aus Unna. Seine Schweine werden ebenfalls zu Tönnies geliefert – bis zu dessen Schließung vor vier Wochen ausschließlich an den Standort Rheda-Wiedenbrück, dann nach Sögel in Niedersachen und Weißenfels in Sachsen-Anhalt. Dass die Schlachtung ab heute wieder in Rheda möglich ist, sei eine Erleichterung, nicht nur für den Landwirt selbst: „Es ist für alle Beteiligten, auch für die Schweine, am besten, wenn es keine langen Transportwege gibt“, sagt Filthaut.

Tobias Clodt, Schweinebauer aus Lünern, hofft auf eine schnelle Abnahme seiner Schweine.

Tobias Clodt, Schweinebauer aus Lünern, hofft auf eine schnelle Abnahme seiner Schweine. © Vivien Nogaj

Er selbst freue sich auch, „dass der Absatz der Tiere nun flüssiger vonstatten geht“. Denn obwohl diese in den vergangenen Wochen konstant abgeholt wurden, sei die Ungewissheit über Menge und Datum des Abtransports stressig für den Landwirt gewesen: „Normalerweise kam der LKW immer alle sieben Tage, dann aber nur alle zehn. Das hat den Rhythmus schon verschoben.“

Dass dieser sich langsam wieder einpendelt, ist nun die Hoffnung von Unnas Landwirten, auch wenn diese sich bewusst sind, dass das nicht von heute auf morgen passiere. „Das braucht sicher vier Wochen“, sagt Clodt, „vorausgesetzt die Lage in Rheda-Wiedenbrück bleibt stabil und der Betrieb fährt schnell wieder hoch.“ Solange – das hat sich Clodt vorgenommen – blickt er „vorsichtig optimistisch“ in die Zukunft.

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