Seit 2017 hilft die personenzentrierte Lebensberaterin und Paartherapeutin Menschen, den Weg aus Beziehungs- und Ehekrisen zu finden und eine bessere Kommunikation herzustellen. © Udo Hennes
Singles in Dortmund und Unna

Tipps bei Beziehungsstreit oder Angst vor dem Alleinsein an Weihnachten

Es gibt Singles, die schon im Sommer Angst vor Weihnachten haben. Angst, das Fest der Liebe alleine zu verbringen. Und es gibt Paare, die im Januar keine mehr sind. Eine Expertin gibt Einblicke.

Weihnachten ist zum Greifen nah: Am Sonntag, 28. November, ist der erste Advent – und die Vorweihnachtszeit startet. Für viele Menschen ein Grund zur Freude, für einige aber auch der absolute Alptraum. Die Rede ist hier nicht von Weihnachtsmuffeln, sondern von Menschen, die Angst vor dem Alleinsein haben – oder mit dem Weihnachtsstress überfordert sind. Doch es gibt Hilfe.

In den Sesseln der Unnaer Lebensberaterin und Paartherapeutin Jennifer Angersbach sitzen im Dezember viele Singles. „Die Paare kommen dann eher im Januar“, sagt sie. Aber dazu später mehr. Wer sich ratsuchend an die Lebensberaterin wendet, hat in der Regel kein psychisches Problem. Denn dafür ist Jennifer Angersbach gar nicht ausgebildet. Sie hilft mit ihrer Beratung bei kleinen und größeren Lebenskrisen, gibt Tipps und Hilfestellung, diese zu überwinden. Denn wenn Menschen unglücklich sind, liege meistens keine klinische Ursache wie etwa eine Depression zugrunde.

Mit dem ersten Advent startet für einige Menschen auch eine einsame Vorweihnachtszeit. © dpa © dpa

„Einmal habe ich mich mit einer Frau unterhalten, die schon im Juni Bauchschmerzen mit Blick auf Weihnachten hatte,“ sagt Jennifer Angersbach. „Vielen Menschen schießen beim Gedanken an Weihnachten die Tränen in die Augen.“ Die Idealvorstellung, die von Weihnachten vorherrscht, trage viel dazu bei, dass das Fest als eine so große Sache wahrgenommen wird. „Aber sind wir doch mal ehrlich? Wer hat schon die perfekte Familie?“, weist die Lebensberaterin dann immer darauf hin, dass auch ein Weihnachtsfest mit dem Partner oder der Familie oft gänzlich unperfekt verläuft.

Situation bewusst annehmen

Wer Weihnachten tatsächlich alleine verbringen muss oder möchte, sollte sich dieser Herausforderung ganz bewusst stellen. Es helfe nicht, sich nur um den Heiligen Abend in Gesellschaft zu verbringen, etwa mit Personen zu treffen, zu denen man ein zerrüttetes Verhältnis hat. Was Jennifer Angersbach immer wieder vermittelt, ist Selbstachtsamkeit, Selbstliebe und Selbstrespekt: „Man sollte sich auf keinen Fall abwerten lassen, oder selbst abwerten.“

„Vielen Menschen schießen beim Gedanken an Weihnachten die Tränen in die Augen.“

JENNIFER ANGERSBACH, PERSONZENTRIERTE LEBENSBERATERIN

Und warum sollten Gefühle wie Traurigkeit nicht auch oder gerade an Weihnachten erlaubt sein? Fürs Fest ohne Partner und Familie sollten sich Menschen vorbereiten, eindecken mit leckerem Essen und schönen Dingen, die ihnen guttun. Und sie sollten an den Feiertagen auch machen, was ihnen guttut. Es gehöre auch dazu, sich eventuell bewusst auf ein „trauriges Weihnachten“ einzustellen.

„Guttun“ sollte man dabei keineswegs mit „gesund sein“ verwechseln. Schokolade, Heizdecke und Netflix oder Beauty-Produkte aus der Drogerie können fürs Wohlbefinden zuträglicher sein, als Meditation und Yoga. Weil man dabei auf sich selbst hört, sich zu nichts zwingt.

Nicht an den anderen orientieren

Statt auf Instagram zu schauen, wie das perfekte Weihnachten der anderen aussieht, sei es übrigens wesentlich hilfreicher für die Psyche, mit einer Filmfigur mitzufühlen – zum Beispiel bei einem kitschigen Drama oder einer Liebenskomödie. Das habe einen reinigenden Effekt. „Wer sich auf seine Traurigkeit einlässt, lernt, keine Angst mehr davor zu haben.“

Mit ganz anderen Problemen hätten es Paare zu tun: „Die sehe ich in der Weihnachtszeit eher selten.“ Und zwar, weil Paare und Familien in dieser Zeit wenig Luft haben. Feiern in zwei Freundeskreisen, Familientreffen, die Kinder, die Geschenke, die Weihnachtsdeko, das Essen, die Plätzchen. Klassischerweise bleibe da vieles an der Frau hängen. Sie fühlt sich nicht gesehen, vermisst Anerkennung – und es ist keine Zeit, das Problem aufzuarbeiten.

Konflikte entladen sich erst später

Der Konflikt entlade sich meist erst im Januar, wenn die Feiertage schon eine Weile zurückliegen. Auch für den Weihnachtsstress sei Achtsamkeit der richtige Weg. Es lohne, sich immer wieder selbst die Frage zu stellen, was man wirklich schaffen kann und auch möchte. Und im ganzen Trubel sollte der Partner nicht aus den Augen verloren werden.

Für Paare, Familien oder Singles gelte eines gleichermaßen: „Weihnachten ist ein Katalysator für Probleme.“ Ob man sich nun ungeliebt fühlt, Angst vor dem Alleinsein hat, oder zu hohe Ansprüche an sich selbst und andere stellt. Die Probleme treten im Advent nur deutlicher zu Tage.

Über die Autorin
Redaktion Fröndenberg
Jahrgang 1988, aufgewachsen in Dortmund-Sölde an der Grenze zum Kreis Unna. Hat schon in der Grundschule am liebsten geschrieben, später in Heidelberg und Bochum studiert. Ist gerne beim Sport und in der Natur.
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Dagmar Hornung

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