Tipp für ein Ehrenamt: Eine Wochenstunde Plauderei baut Brücken zwischen Kulturen

dzSprach-Tandem

Sprache ist mehr als Grammatik und Vokabeln. Nur wer sich mit anderen unterhält, lernt eine fremde Sprache. Ein Projekt in Unna bringt Ausländer und Deutsch-Muttersprachler zusammen. Und beide profitieren.

Unna

, 11.03.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer Ewelina Tomczak erlebt, glaubt nicht unbedingt, dass sie erst seit knapp zwei Jahren in Deutschland lebt. Sie spricht mit Akzent, drückt sich aber gewählt und präzise aus. Die Polin hat Deutsch gelernt, aber erst Annegret Heß wird ihr Sicherheit geben.

Einmal pro Woche Unterhaltung

Die beiden Frauen treffen sich regelmäßig, einmal die Woche in Unna. Sie sind ein Sprach-Tandem. Die Idee: Deutsche Muttersprachler, die ein wenig Zeit übrig haben, treffen sich mit Menschen ausländischer Herkunft. Regelmäßige Gespräche sollen die Migranten in der deutschen Sprache sicherer machen.

Ehrenamt

Ideenbörse im ZIB am 28. März

  • Sprach-Tandems sind ein Projekt der Ehrenamtsagentur Unna, das von der VHS in Unna unterstützt wird.
  • Wer auf der Suche nach einem solchen oder einem anderen Ehrenamt ist, der bekommt bei der Ehrenamts- und Ideenbörse jede Menge Anregungen. Die Messe, bei der Ideen und Menschen zueinander finden, ist am Samstag, 28. März, von 10 bis 13 Uhr. Alle Interessierten sind im ZIB willkommen, jeder kann sich auch unverbindlich informieren.
  • Informationen über Ehrenamtsprojekte gibt es auch auf der Internetseite www.ehrenamt-unna.de.
  • Im ZIB gibt es zum Thema Ehrenamt zudem regelmäßige Beratungstermine: mittwochs von 16.15 bis 17.45 Uhr und freitags von 10.30 bis 12 Uhr.
  • Kontakt: Tel. (0 23 03) 103-711; info@ehrenamt-unna.de

Diese Saat der Ehrenamtsagentur ist in Unna prachtvoll aufgegangen, vielleicht auch, weil eine Wochenstunde Plaudern bei einer Tasse Kaffee ein einfach leistbares Ehrenamt ist. Rund 40 Einzelprojekte, also Sprach-Tandems, haben sich schon gebildet. Und das Beispiel Annegret Heß zeigt, dass beide Seiten voneinander profitieren. Die Unnaerin hatte vor Ewelina Tomczak einen jungen Mann aus Syrien als Tandempartner. Sie habe Interesse an Menschen und Kulturen, und die syrische Kultur sei ihr zuvor sehr fremd gewesen, erinnert sie sich. „Ich kann die Menschen jetzt besser verstehen“, sagt Heß.

Eher Plauderei als Unterricht

Sie und Ewelina Tomczak unterhalten sich über alles Mögliche - Familie, Kultur, ihre unterschiedlichen Interessen. Ewelina Tomczak möchte auch gern über Geschichte reden. Annegret Heß ist keine Lehrerin, sie war bis zu ihrer Pensionierung in der Verwaltung tätig. Sie kann und muss ihr Gegenüber aber auch nicht unterrichten. Denn parallel zur wöchentlichen Tandem-Stunde besucht Tomczak einen VHS-Sprachkurs.

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Mehr Sicherheit für die Stellensuche

Ewelina Tomczak kam vor fast zwei Jahren mit ihrer Familie aus Polen und lebt in Bergkamen. Ihr Mann habe Arbeit bei einer Firma in Deutschland gefunden. Die Firma in Polen, bei der sie gearbeitet hatte, habe Schwierigkeiten bekommen und Leute entlassen müssen. Tomczak hatte eine leitende Position in einem Softwareunternehmen. Nun würde sie in ihrer neuen Heimat gern etwas Ähnliches machen. „Aber ich habe Angst, einen Job zu suchen“, sagt die 43-Jährige. Deutsch zu lesen, bereite ihr inzwischen keine Schwierigkeiten mehr, aber in Gesprächen sei sie unsicher. Deutsche Nachbarn, mit denen sie sich unterhalten könnte, hat sie nicht. „Ich weiß dieses Projekt deswegen sehr zu schätzen. Es wird mich sicher selbstbewusster machen.“

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