Klaus Tibbe und die Stadtwerke Unna weisen Vorwurf der „Amigo-Wirtschaft“ weit zurück

dzKritik an Göldner

Klaus Tibbes Wechsel zu den Stadtwerken bringt Ärger – zunächst aber für FLU-Mann Klaus Göldner. Unterdessen äußern sich jetzt auch jene, die es unmittelbar angeht: Tibbe und die Stadtwerke.

Unna

, 13.11.2019, 15:22 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ob der Wechsel des SPD-Ratsherrn Klaus Tibbe zu den Stadtwerken zu beanstanden ist, bleibt vorerst eine offene Frage. Bereits auf Vorwürfe einstellen muss sich dagegen der Mann, der diese Frage aufgeworfen hat: FLU-Fraktionschef Klaus Göldner gerät in die Kritik dafür, einen Vorgang in die Öffentlichkeit getragen zu haben, den die Verwaltungsspitze und Teile der Politik dort gar nicht gerne sehen.

Göldner erhält nun den Vorwurf des Geheimnis-Verrats

Denn mit der Veröffentlichung seiner Anfrage an Bürgermeister Werner Kolter hat Göldner ein Thema angeschnitten, das Kolter den Mitgliedern des Stadtrates in nicht-öffentlicher Sitzung zur Kenntnis gegeben hat. Kolter hatte kurz darüber informiert, das Klaus Tibbe, Ratsherr für die SPD und Ortsvorsteher in Hemmerde, seinen Sitz im Aufsichtsrat der Stadtwerke-Mutter WBU niederlegen werde, da er Anfang 2020 eine Stelle beim Kommunalversorger antritt.

Göldner wirft die Frage auf, ob Tibbe nicht vielleicht auch sein Ratsmandat und seine Ortsvorsteherfunktion aufgeben müsste, weil Tibbes künftiger Hauptberuf und das Ratsmandat unvereinbar sein könnten. Den Namen Tibbes hatte er in seiner Veröffentlichung zwar nicht ausdrücklich genannt, aber die Beschreibung eines Ratsmitgliedes mit Ortsvorsteherfunktion und bisherigem Sitz im WBU-Aufsichtsgremium reicht aus, um eindeutig auf den Hemmerder SPD-Mann Tibbe zu kommen.

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Tibbe: Göldner geht es nur um die Aufmerksamkeit

Jener meldet sich nun erstmals selbst zu Wort und erhebt seinerseits Vorwürfe an Klaus Göldner. „Dass Göldner Dinge aus einer nicht-öffentlichen Sitzung breit tritt, um seiner Zwei-Mann-Fraktion Aufmerksamkeit zu verschaffen, finde ich sehr bedenklich und traurig“, erklärt Tibbe gegenüber unserer Redaktion. Und er ergänzt: „Ich selbst muss ja bis zur Rente nur noch drei Jahre arbeiten, aber es kann in so einer Geschichte ja auch mal um Existenzen gehen. Ich bin froh, dass ich meinem bisherigen Arbeitgeber die Kündigung schon geschickt habe und er nicht aus der Zeitung davon erfahren muss.“

Bislang nur Nachteile durch Ratsarbeit für die SPD

Tibbe kritisiert aber nicht nur Göldners Vorgehen, sondern er zeigt auch Unverständnis für dessen Bedenken. Ratsmitglieder sollten sich grundsätzlich dafür einsetzen, die Eigenbetriebe und Tochtergesellschaften der Stadt zu stärken – auch ohne eine Stelle dort zu bekleiden. „Ich würde ihm Recht geben, wenn ich aufgrund meines Parteibuches bevorzugt worden wäre. Das wäre schlecht. Mir persönlich hat die Ratsarbeit aber eigentlich eher Nachteile im Beruf gebracht, und bei meinem Wechsel zu den Stadtwerken haben rein berufliche Kontakte eine Rolle gespielt.“

Stadtwerke: Haben Tibbe nicht abgeworben

Letzteres bestätigten nun auch Stadtwerke-Geschäftsführer Jürgen Schäpermeier und Personalchef Roland Flack. „Uns wird zwar öfter vorgeworfen, Leute abzuwerben, aber wir sprechen niemanden von uns aus an“, erklärt Schäpermeier. Tibbe habe durch seine Tätigkeit für den Stadtwerke-Kooperationspartner Helinet in regelmäßigem Kontakt zu den Stadtwerken Unna gestanden und sich Anfang 2019 auf eine Stelle beworben, die öffentlich ausgeschrieben worden war.

Im Januar hätten die Stadtwerke zunächst einen Vertriebsprofi für Energie- und Telekommunikationsangebote gesucht, dann aber im Laufe der Verfahrens festgestellt, dass es sinnvoller sein könnte, die beiden Sparten mit zwei ausgewiesenen Experten zu besetzen.

Stellenprofil nach erster Ausschreibung noch einmal umgeschrieben

Zunächst sei dann die Stelle für den Energievertrieb besetzt worden. Tibbe habe auf seine Bewerbung zunächst eine Absage erhalten, sei aber zugleich gefragt worden, ob man seine Unterlagen behalten könne. Als es später im Jahr um die Vertriebsposition für den Telekommunikationsbereich ging, habe es dann noch eine interne Ausschreibung bei den Stadtwerken gegeben. Am Ende entschied man sich für Tibbe.

Schäpermeier bewertet diesen Ablauf als ein „völlig normales Verfahren“, das auch nicht die Kooperation mit Tibbes aktuellem Arbeitgeber Helinet infragestelle. „Wir haben eine Stelle ausgeschrieben, Tibbe hat sich beworben und wir ihn genommen“, so Schäpermeier.

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