Unnas SPD-Fraktion muss über Klaus Tibbe die Hand halten

dzStadtwerke-Wechsel

Ratsherr Klaus Tibbe lehnt einen Rücktritt ab, weil „Amigo-Vorwürfe“ angesichts seines Wechsels zu den Stadtwerken unbegründet seien. Seine SPD hat aber noch einen anderen Grund, Tibbe zu halten.

Unna

, 14.11.2019, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Völlig unumstritten ist Klaus Tibbes beruflicher Wechsel auch innerhalb seiner Ratsfraktion nicht. Zwar mag seine neue Stelle bei den Stadtwerken im rechtlichen Sinne vereinbar sein mit dem Mandat im Stadtrat, doch dem guten Ruf der ohnehin gebeutelten SPD dient dieser Karriereschritt wohl nicht.

Und so hat es bei der Klausur der SPD-Ratsfraktion nun durchaus auch kritische Hinweise gegeben, dass Gegner der Sozialdemokratie diesen Vorgang für sich nutzen könnten. Und so geschah es dann auch mit einer Anfrage von FLU-Fraktionschef Klaus Göldner an den Bürgermeister.

Ungeachtet dessen beschreiben Tibbe und die Stadtwerke den Wechsel als normalen Vorgang. Konsequent weist Tibbe auch die Idee eines freiwilligen Rückzugs aus dem Stadtrat zurück, wie ihn FDP-Mann Martin Bick bei seiner Bestellung als Wirtschaftsförderer des Rathauses praktiziert hat.

Klaus Tibbe lehnt Rückzug aus dem Unnaer Stadtrat ab

„Martin Bick mag damals vielleicht auch froh gewesen sein, nicht mehr mit dieser FDP zusammenarbeiten zu müssen. Ich aber vertrete weiterhin gerne die Bürger von Hemmerde, die mich mit deutlicher Mehrheit in den Stadtrat entsandt haben. Das ist mit meiner neuen Stelle auch klar vereinbar“, sagt Tibbe.

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Auch seine Parteifreunde in der Fraktion zeigen wenig Ambitionen, Tibbe zu einem Rückzug zu bewegen. Das mag an ihrer Bewertung liegen, wie schwerwiegend die Kritik am Tibbe-Wechsel für die SPD ist, könnte aber auch etwas Vorausschauendes haben. Denn bei einem Rückzug Tibbes ist ein weiterer Verlust an Stimmgewicht für die SPD im Rat zumindest nicht auszuschließen.

Bei einem Tibbe-Rücktritt könnte Margarethe Strathoff nachrücken

Scheidet Tibbe aus dem Rat aus, würde zunächst seine frühere Ersatzkandidatin Brigitte Sondermann gefragt, ob sie in den Rat einziehen möchte. Haben sich ihre Lebenspläne gegenüber der Huckepackkandidatur im Jahr 2014 geändert, würde die Reserveliste der SPD greifen.

Dort steht als nächste Nachrückerin Margarethe Strathoff an erster Stelle – die Gründerin und Vorsitzende von „Wir für Unna“, die mit ihrem Verein nun über eine eigene Kandidatur bei der Kommunalwahl 2020 beraten will. „Strathoff als Nachrückerin, das wäre doch die nächste, die sich der Fraktion der Fraktionslosen anschließt“, kommentierte nun auch FLU-Fraktionschef Klaus Göldner die Situation der SPD.

Hintergrund: Nach einer Serie von Fraktionsaustritten hat die SPD inzwischen nur noch 17 Stimmen im Stadtrat. Die Häufung von Austritten aus der SPD-Ratsfraktion hatte selbst SPD-Parteichef Sebastian Laaser als möglicherweise nicht zufällig beschrieben.

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