Plötzlicher Austritt: Tetzner lässt „Wir für Unna“ kurz nach der Wahl stolpern

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Der neue Stadtrat ist noch gar nicht zusammengetreten, schon muss sich eine Fraktion neu sortieren: Christoph Tetzner tritt bei „Wir für Unna“ aus. Jetzt sind einige Fragen offen.

Unna

, 24.09.2020, 10:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Paukenschlag beim Verein „Wir für Unna“: Das Bündnis war aus der Kommunalwahl mit beachtlichem Erfolg als viertstärkste Kraft hervorgegangen. Jetzt tritt überraschend ein Gründungsmitglied aus: Christoph Tetzner kehrt WfU den Rücken.

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Tetzner bestätigte im Gespräch mit unserer Redaktion, dass er aus dem Verein ausgetreten sei. Zu den Gründen will er sich nicht äußern. Mit der Positionierung zur Stichwahl zwischen Katja Schuon (SPD) und Dirk Wigant (CDU) habe die Entscheidung nichts zu tun. Die WfU-Kandidatin Ingrid Kroll hatte sich wie andere in den vergangenen Tagen für Wigant ausgesprochen. Sah Tetzner das anders? Er sagt nein: „Ich bin ein Unterstützer von Dirk Wigant.“

Was hinter dem Austritt Tetzners steckt, dürfte zumindest für ihn schwerwiegend gewesen sein. Tetzner gehörte zu den Gründungsmitgliedern von „Wir für Unna“.

Tetzner für WfU zu wenig vor Ort

Die WfU-Vorsitzende Margarethe Strathoff erklärt, sie wisse nicht, warum Tetzner so plötzlich ausgetreten sei. Sie beschreibt allerdings eine Entfernung Tetzners von WfU und Unna insgesamt. Er halte sich zunehmend in Griechenland auf, habe offenbar einen anderen Lebensweg eingeschlagen und habe zuletzt nicht mehr an Sitzungen teilnehmen können. Strathoff betont, man hege bei WfU keinen Groll gegen Tetzner. Nach der Wahl habe WfU ihn aber um eine Stellungnahme gebeten. „Es ist ja legitim, dass wir fragen, wie es weitergehen soll. Wir müssen jemanden hier vor Ort haben.“

Tetzner sollte Mandat an WfU abtreten

Man habe Tetzner gebeten, fair zu sein und sein Mandat WfU zu überlassen, damit der Verein diesen Platz im Rat mit einem anderen Mitglied besetzen kann. Daraufhin habe Tetzner seinen Austritt erklärt. Strathoff will Tetzners Vereinsaustritt nicht als Anzeichen dafür verstanden wissen, dass sich Wir für Unna „zerlegt“. „Wir werden weiterhin zusammenarbeiten und für unsere Bürgerschaft da sein. Wir freuen uns alle auf die kommenden Aufgaben“, erklärte die Vorsitzende.

Bleibt Tetzner im Rat oder nicht?

Im Oktober soll mit den Vereinsmitgliedern über den politischen Weg ohne Tetzner gesprochen werden. Wie sich die WfU-Fraktion nun bildet, ist bisher ebenso offen wie die politische Zukunft Tetzners. Es geht vor allem um die Frage, ob er sein Ratsmandat ausüben wird oder seinen Verzicht erklärt. Tetzner ist über die WfU-Reserveliste in den Stadtrat gewählt worden. Wenn er Mitglied des Rates bleibt, der sich Anfang November konstituiert, dann könnte er wie bisher fraktionslos sein. Auch über eine Annäherung an die Linkspartei wird bereits spekuliert. Für WfU würde Tetzners Verbleib im Rat bedeuten, dass sich die Stärke der neuen Fraktion direkt um 25 Prozent reduziert: Aus einer Vierer- würde eine Dreier-Fraktion.

Tetzner sagt, er habe in der vergangenen Woche zunächst dem Ratsbüro mitgeteilt, er werde sein Mandat annehmen. Ob er nun doch verzichtet, habe er noch nicht entschieden. Das müssten nun weitere Gespräche mit WfU ergeben.

Christoph Tetzner war einst über die Liste der Piratenpartei in den Stadtrat gekommen.

Christoph Tetzner war einst über die Liste der Piratenpartei in den Stadtrat gekommen. © Marc MW. Wahlhäuser

Start in Unna 2014 als Pirat

Christoph Tetzner ist als streitbarer Politiker bekannt, wobei er in jüngster Zeit tatsächlich in Unna weniger in Erscheinung getreten war. Er hat im aktuellen Rat den Status eines fraktionslosen Ratsmitgliedes. In den Unnaer Stadtrat eingezogen war er 2014 für die Piratenpartei. Deren Zwei-Personen-Fraktion, zuletzt mit Christian Roß, entzweite sich, sodass die Piraten in Unna nun keine Rolle mehr spielen. Der noch junge Verein „Wir für Unna“ hatte in diesem Frühjahr seine Kandidatur bei der Kommunalwahl bekannt gegeben. Fünf aktuelle Ratsmitglieder hatten zu dem Zeitpunkt dem Verein angehört.

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