Testlauf in Pflegeheimen: Gesundheitsnetz Unna führt elektronische Arztvisite ein

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Arztbesuch per Videochat? Was zuletzt noch nach ferner Zukunftsmusik klang, wird nun im Kreis Unna Realität: Das Gesundheitsnetz testet die elektronische Arztvisite in Pflegeheimen.

Unna

, 21.01.2020, 16:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Digitalisierung ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Viele Prozesse im täglichen Leben haben sich durch den Einsatz von Computer, Smartphone und Co. vereinfacht. Längst aber werden nicht alle Möglichkeiten und Vorteile der Digitalisierung ausgeschöpft: Auch im Gesundheitswesen ist der Einsatz von moderner, digitaler Technik noch nicht Gang und Gäbe. Das soll sich zukünftig ändern, auch im Kreis Unna.

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Das örtliche Gesundheitsnetz probiert daher in einer Testphase die elektronische Arztvisite aus. Per Videochat sollen hierbei Kommunikation und Datenaustausch von Arzt und Patient, aber auch von Ärzten untereinander vereinfacht werden. Dr. Thomas Huth, Geschäftsführer vom Gesundheitsnetz Unna, erklärt: „Wir möchten die Möglichkeiten, die die Digitalisierung bietet, nutzen. Die elektronische Arztvisite ist ein maßgeblicher Teil davon.“

Einsatz in Pflegeheimen

Diese soll zunächst in Pflegeheimen im Kreis zum Einsatz kommen. Statt einer Visite vor Ort kann der behandelnde Arzt sich dann per Videoübertragung mittels Smartphone oder Laptop zum Patienten schalten lassen, um so beispielsweise eine Wunde von Bettlägerigen zu begutachten.

„Gerade in ländlichen Gebieten bietet das eine enorme Arbeitserleichterung“, sagt Huth. „Der Hausarzt muss dann nicht 20 bis 30 Minuten im Auto sitzen, um einen kurzen Blick auf eine Wunde zu werfen, sondern kann die weitere Medikation einfach per Videochat bestimmen und an die Pfleger mitteilen.“

Testlauf in Pflegeheimen: Gesundheitsnetz Unna führt elektronische Arztvisite ein

Im Medical Center des Katharinen-Hospitals wurden Ärzte, Apotheker und Pfleger geschult. © Udo Hennes

Von den rund 15 Pflegeheimen im Kreis Unna habe sich ein Großteil bereits bereit erklärt, sich am Projekt zu beteiligen. Auch Krankenhäuser, niedergelassene Ärzte und Apotheker im Kreis Unna haben sich der Testphase, die auf kurz oder lang zum Standard werden soll, bereitwillig angeschlossen.

Das stößt bei Thomas Huth vom Gesundheitsnetz auf Begeisterung: „Die elektronische Arztvisite funktioniert letztlich nur, wenn sie flächendeckend eingesetzt wird. Das wiederum setzt die Bereitschaft voraus, alte Strukturen zu wandeln“, sagt er.

Programm und Förderung

Elektronische Arztvisite

  • Das Programm, das im Kreis Unna genutzt, wird heißt „Elvi“. Der Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben für „Elektronische Videosprechstunde“ zusammen.
  • Es ermöglicht den einfachen Kontakt zwischen Arzt und Patient sowie von Ärzten untereinander.
  • Für den Patient ist das Programm kostenfrei, der Arzt zahlt einen monatlichen Beitrag.
  • Das Projekt wird im Rahmen der Digitalisierung im Gesundheitswesen in NRW mit einer Millionen Euro gefördert.

Damit das gelingt, werden beteiligte Ärzte, Apotheker und Pfleger mit dem Programm, das im Kreis für die elektronische Arztvisite zum Einsatz kommt, in Schulungen vertraut gemacht. Innerhalb von sechs Monaten soll so herausgefunden werden, ob sich das ausgewählte Programm etablieren kann.

Programm vom Arzt entwickelt

Dieses wurde von einem Arzt entwickelt und ist laut Schulungsleiterin Claudia Beckmann besonders einfach in der Anwendung – für Patient und Arzt: „Es muss dafür keine Software installiert werden, sondern funktioniert browserbasiert ohne Login. Der Patient bekommt per SMS einen Link zugeschickt, klickt drauf, und hat direkt Kontakt mit dem behandelnden Arzt.“

So soll vermieden werden, dass sensible Daten gespeichert und und zurückverfolgt werden können. „Die Datensicherheit steht selbstverständlich im Vordergrund“, so Beckmann.

Wie gut das Projekt tatsächlich funktioniert und ob es letztlich flächendeckend im Kreis angenommen und genutzt wird, muss sich aber noch zeigen. Huth: „Die Testphase kann auch schiefgehen. Aber ich bin mir sicher, dass die positiven Aspekte überwiegen und die Digitalisierung im Gesundheitswesen keine ferne Zukunftsmusik ist.“

Am Ende stehe letztlich das Ziel im Vordergrund, Patienten besser versorgen zu können. Und dieses wird durch die Digitalisierung einfacher erreicht.

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