Die vier wegen des Verdachts einer möglichen Infektion mit dem Coronavirus unter häuslicher Quarantäne stehenden Personen haben sich nicht angesteckt. In Unna und Lünen werden Teststellen eingerichtet. Ein Update zum Coronavirus im Kreis Unna.

Kreis Unna

, 04.03.2020, 14:35 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein bestätigter Fall. Mehr ist es nicht im Kreis Unna. Selbst die vier unter häuslicher Quarantäne stehenden Kontaktpersonen der mit dem Coronavirus infizierten Unnaerin scheinen sich nicht angesteckt zu haben. Ihre Testergebnisse liegen seit Mittwoch vor, sie fielen allesamt negativ aus.

Coronavirus löst Hysterie im Kreis Unna aus

Trotzdem: Seit am Montag bekannt wurde, dass bei einer 61-jährigen Frau aus Unna-Massen das neuartige Virus SARS-CoV-2 nachgewiesen wurde, ist im Kreis Unna eine unheimliche Hysterie ausgebrochen. „Jeder hat Angst, dass es das Virus sein könnte, wenn er Symptome hat“, berichtet Fachbereichsleiter Josef Merfels von einer emotionalen, aufgeregten Stimmung; messbar an den Telefonen der Infohotline, die der Kreis Unna am Montag eingerichtet hat.

„Jeder hat Angst, dass es das Virus sein könnte, wenn er Symptome hat.“
Josef Merfels, Fachbereichsleiter Kreis Unna

Die stehen nicht mehr still. „Wir sind nicht mal mehr in der Lage, heraus zu telefonieren.“ Die Angst der Menschen reiche buchstäblich über zehn Ecken. Die Leute rufen an, wenn das eigene Kind im Sandkasten mit einem anderen gespielt hat, dessen Eltern mit irgendwem bekannt sind, der jemanden aus einem Risikogebiet kennt“, sagt Merfels. „Menschlich alles nachvollziehbar.“ Und doch treibt es die Behörde an ihre Belastungsgrenze.

Hausärzte haben Angst vor Praxisschließungen

Und nicht nur die. Auch die Hausärzte im Kreis Unna haben laut Gesundheitsdezernent Uwe Hasche einen unendlichen Druck. Der Hinweis, bei Symptomen in den Praxen anzurufen und keineswegs unangemeldet dort aufzulaufen, um einen Coronatest machen zu lassen, sei „gut gemeint“ gewesen, so Hasche. „Das funktioniert aber grundlegend nicht mehr, weil viele Hausärzte die Befürchtung haben, diese Aufgabe mit ihren Bordmitteln nicht mehr bewältigen zu können.“ Zudem lehnten viele Hausärzte die Durchführung der Tests in ihren Praxen aufgrund fehlender Schutzkleidung ab, sagt Merfeld. Die haben Sorge, dass sie anschließend die Praxis dicht machen können.“ So, wie es dem Hausarzt der infizierten Frau aus Unna-Massen ergangen ist.

Kreis führt Corona-Tests in Unna und Lünen durch

Die Hysterie der Menschen auf der einen, die Sorgen und Nöte der Hausärzte auf der anderen Seite veranlassen die Kreisverwaltung nun dazu, zentrale Stellen für den Test auf das Coronavirus einzurichten. „Es geht nicht darum, irgendwem den schwarzen Peter zuzuschieben“, so Hasche, „sondern darum, mit solidarischen Kräften etwas auf die Beine zu stellen.“ Er und Fachbereichsleiter Merfels sagen aber auch ganz klar: Die Menschen sollen nicht einfach kommen – sondern unbedingt vorher anrufen. Denn nur, bei wem ein Test auch Sinn macht, soll er durchgeführt werden.

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Für den Test werden Abstriche aus dem Rachen entnommen. Zentrale Anlaufstellen dafür sind ab Donnerstag, 5. März:

  • Gesundheitsamt Unna (Raum 029), Platanenallee 16, Unna
  • Kreishaus Lünen (2. OG, Raum 212/213), Viktoriastraße 5, Lünen

Und zwar montags bis samstags in der Zeit von 10 bis 14 Uhr – und nur nach vorheriger, telefonischer Terminvereinbarung. Die Telefone sind mit Ärzten besetzt, die anhand gezielter Fragen bewerten, ob ein Test auch wirklich Sinn macht. Das ist nämlich nur nach Risikokontakten der Fall. Die Rufnummern lauten:

  • für Unna: (02303) 275253
  • für Lünen: (02306) 100555

Besetzt sind die Telefone montags bis samstags in der Zeit von 9 bis 13 Uhr. Ferner weist der Kreis Unna auf wichtige Verhaltensregeln im Zusammenhang mit der Entnahme von Proben in Unna und Lünen hin:

  • Nur nach Terminabsprache: Niemand soll ohne Anmeldung die zentralen Teststellen aufsuchen
  • Wer einen Termin hat, soll die ausgeschilderten Nebeneingänge nutzen und nicht die Haupteingänge benutzen
  • Patienten müssen zu dem Termin zwingend einen Personalausweis mitbringen
  • Wer einen barrierefreien Zugang benötigt, sollte im Telefonat darauf hinweisen.

Grundsätzlich gilt aber weiterhin: Erster telefonischer Ansprechpartner für Patienten mit verdächtigen Symptomen bleibt der Hausarzt.

„Bei dem, was im Moment da draußen los ist, wäre uns ein Start nächste Woche einfach zu spät gewesen.“
Josef Merfels, Fachbereichsleiter Kreis Unna

„Wir bieten diese Tests lediglich vorübergehend zur Entlastung an, das ist nicht als Dauerlösung gedacht“, betont denn auch Merfels. „bei dem, was im Moment da draußen los ist, wäre uns ein Start nächste Woche einfach zu spät gewesen“, sagt er. Anfang der Woche war zunächst die Rede davon, dass möglicherweise unter Einbeziehung der Krankenhäuser im Kreis Unna zentrale Stellen für die Coronatests eingerichtet werden.

Kontaktpersonen der infizierten Frau bleiben unter Quarantäne

Derweil bleiben die vier Kontaktpersonen der infizierten Frau aus Unna-Massen trotz der negativen Testergebnisse vorerst weiter unter häuslicher Quarantäne. Sie sollen nochmal getestet werden. „Eine reine Sicherheitsmaßnahme“, sagt Merfels. Unklar bleibt, wo die 61-jährige Frau sich angesteckt hat. Es ist offen, ob dies bei einem in Dortmund lebenden Enkelkind geschehen sein könnte. Die Familie des Kindes ist nach Informationen dieser Redaktion zwischenzeitlich wieder Zuhause in Dortmund, steht dort unter häuslicher Quarantäne. Das Ergebnis des am Dienstag durchgeführten Coronatests liegt offenbar noch nicht vor.

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