Vorsicht vor „Terrassenhaien“: Dubiose Handwerker machen Unnaerin Wucher-Angebot

dzKriminalität in Unna

Die „Dachhaie“ sind bei der Polizei so geläufig wie die „britischen Teerkocher“. Kommen nun auch noch die Terrassenschnüffler hinzu? Erlebnisse einer Frau aus Unna geben Anlass zur Vorsicht.

Unna

, 04.06.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Sommer ist da, und wer seinen Balkon oder seine Terrasse nicht schon in Zeiten des Corona-Lockdowns mit neuen Augen sehen gelernt hat, der schaut vielleicht jetzt wieder genauer hin, wenn es einfach die Sonne ist, die zum Aufenthalt auf dem eigenen Freisitz ruft. Oft zeigt sich, dass die Bodenplatten etwas Patina angesetzt haben. So ist der Griff zum Kärcher dieser Tage nichts Außergewöhnliches. Oder der Griff zum Telefonhörer, wenn man derlei Arbeiten lieber den Profis überlässt.

So wollte es eine Dame aus Unna halten, die passend zur Jahreszeit auf die Werbekampagne eines Anbieters für Fassaden- und Terrassenreinigungen gestoßen war. Ein Anruf bei der Firma erweckte dort großes Interesse an einem Auftrag: Noch am Tag des Anrufes standen zwei Handwerker auf der Türschwelle, um sich den Fall einmal anzusehen und ein Angebot abzugeben.

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Jenes erschien der Dame des Hauses dann aber etwas hoch gegriffen: Für die Reinigung und Schmutzversiegelung von 25 Quadratmetern Bodenfläche hätten die beiden Herrn über 1100 Euro verlangt. Mit der Feststellung, sich dies einmal gründlich überlegen zu müssen, wollte die Unnaerin den Besuch dann galant aus ihrer Wohnung fegen. Aber dies erwies sich als zähe Prozedur.

Neugierige Blicke und die Frage nach Gold

Zunächst einmal wollten sich die beiden noch in ihren Räumen umschauen, um mögliche Wasseranschlüsse auszuspähen – oder vielleicht auch etwas anderes. Dann fragte einer der Männer unvermittelt, ob die Frau vielleicht Goldschmuck besitze, den sie verkaufen möchte.

Ihre Überraschung darüber, dass Reinigungsexperten auch mit Gold handeln, tat die Unnaerin durchaus kund. Ein Verwandter, so bekam sie zu hören, betreibe dieses Geschäft, und für ihn stelle man diese Frage – die danach wieder und wieder wiederholt wurde, bis die beiden Herren endlich aus dem Haus waren.

Besorgte Anrufe bei der Hausverwaltung

Weitere Nachforschungen der Unnaerin ergaben immer mehr Dubioses: Auch die Hausverwaltung erklärte, dass in letzter Zeit mehrere besorgte Bewohner Fälle solcher Art geschildert hätten. Zudem schien auch die angegebene Firmenadresse des Anbieters nicht zu stimmen. In dem Haus in der Unnaer Innenstadt finden sich eine Bäckerei und fünf private Wohnungen, aber nichts, was wie eine Gebäudereinigung oder ein Werkzeuglager aussieht.

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So ungewöhnlich und verdächtig der Fall auch wirkt: Die Polizei hat zurzeit noch wenig Handhabe, gegen so etwas vorzugehen. Die Abgabe eines – wenn auch hoch gegriffenen – Angebotes für einen Handwerkerauftrag ist nicht strafbar, erklärt Polizeisprecher Bernd Pentrop. Die Frage nach Interesse an einem Handelsgeschäft ist es auch nicht. Gleichwohl habe die Polizei den Fall aufgenommen, um das Werbeblatt besagter Firma in den Unterlagen zu haben.

Im Zweifelsfall: Sofort Polizei zu Rate ziehen

„So bleibt uns zunächst einmal nur, an die allgemeinen Sicherheitsempfehlungen zu erinnern“, erklärt Pentrop. Eine davon laute, vor der Vergabe von Aufträgen oder schon vor Einholen eines Kostenvoranschlages Informationen über mögliche Anbieter einzuholen.

Hilfreich seien dabei etwa Bewertungplattformen im Internet, persönliche Empfehlungen von Bekannten oder der Vorzug für einen etablierten Anbieter, der schon lange am Markt tätig ist. „Wenn es in einer konkreten Situation Anlass zur Sorge gibt, sollte man die Leute nicht einfach wegschicken, sondern die Polizei hinzuziehen. Wir können dann wenigstens die Personalien feststellen“, so Pentrop. Im Zweifelsfall solle der Bürger lieber einmal mehr anrufen.

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