Durchgehendes Tempolimit für Unna überzeugt nicht jeden, „Rennstrecken“ aber auch nicht

dzStraßenverkehr

Die Geschwindigkeitsregelungen auf Unnas Straßen stoßen an einigen Stellen auf Kopfschütteln. Wäre es sinnvoll, noch mehr durchgehende Tempo-30-Strecken einzurichten? Nicht jeder ist dafür.

Unna

, 16.11.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Warum hier ein Tempolimit gilt und dort nicht, ist an bestimmten Stellen für Bürger besonders schwer nachvollziehbar. Das für Unna ungewöhnlichste Maximaltempo gilt seit Kurzem an der Viktoriastraße. Dort konnte ein Anwohner gerichtlich erzwingen, dass die Stadt Unna etwas unternimmt gegen Erschütterungen durch Schwerverkehr, der Schadstellen passiert.

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Tempo 20 gilt für schwere Lastwagen, und nur nachts. Nicht immer erschließen sich in Unna die Hintergründe der jeweiligen Regelungen. Auch am Afferder Weg schütteln Anwohner inzwischen den Kopf. So erreichten unsere Redaktion gleich zwei Hinweise, die sich auf das kurze Stück zwischen der Friedrich-Ebert-Straße und der Kornstraße beziehen. Die eigentlich in Ortschaften üblichen 50 Stundenkilometer dürfen dort ausgereizt werden, wenn es die Verkehrslage zulässt. Wer so „um die Ecke“ auf der Kornstraße weiterfährt, riskiert mitunter ein Knöllchen. Dort gilt 30. Ebenso am anderen Ende: Auch das Tempo auf der Friedrich-Ebert-Straße ist inzwischen gedrosselt. Dort soll auf diese Weise für Lärmschutz gesorgt werden.

Afferder Weg als „Minirennstrecke“

30 hier, 30 dort, und dazwischen? Das kurze Verbindungsstück Afferder Weg werde „oft als Minirennstrecke“ benutzt, schreibt Anwohner Klaus Frubrich. Eine Folge für ihn wie für Nachbarn: Sie kämen sehr schlecht aus ihren Hauseinfahrten heraus. „Es wäre gut, diese Strecke auch auf 30 zu setzen, dann ist es der durchgehende logische Verkehrsfluss“, resümiert Frubrich.

„30“ geplant aber nicht umgesetzt

Angedacht ist das sogar. Das Straßenstück bis zur Kornstraße fällt wie die Friedrich-Ebert-Straße in das Projekt „Lärmaktionsplanung“. Tempo 30 wird dort von Unnas Lärmgutachter vorgeschlagen. Die Stadt kann das aber bisher nicht durchsetzen. Es fehlen am Afferder Weg Sozialeinrichtungen wie Kitas, Schulen oder Altenheime, die zusätzlich zum Lärmschutz-Argument noch das der Sicherheit stützen würden.

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Mehr Aggression durch Tempolimits

Zumindest also gibt es den Plan, die Geschwindigkeit an dieser Stelle etwas einheitlicher zu regeln. Nicht jeder aber ist mit der Ausweitung von Tempolimits einverstanden. Detlef Filthaus etwa weist auch auf die Nachteile hin. „Die Stadt Unna sollte endlich aufhören, Hauptverkehrsstraßen auf Tempo 30 herunter zu würgen“, schrieb er unserer Redaktion. Es sei bekannt, dass solche großflächigen Maßnahmen lediglich den gefährlichen Effekt hätten, dass die Akzeptanz insgesamt zurückgeht. Auch an sinnvollen, ausgesuchten Punkten wie vor Kindergärten oder Schulen würde dadurch schneller gefahren. Emissionen würden durch Tempolimits nicht eingespart, der Gesamtverkehr nicht ruhiger, es würden nur Aggressionen aufgebaut.

Chaos durch Verkehrswende?

Der Leser geht ohnehin davon aus, dass es eine Verkehrswende in absehbarer Zeit nicht geben werde, „ohne dass unser aufgebautes Wirtschafts- und Geschäftsleben völlig auf den Kopf gestellt wird und dies zu einem Chaos führen würde“. Auch „unqualifizierte Verbote unserer selbst ernannten Umweltschützer“ nützten nichts.

Ein anderer Leser spricht den Verantwortlichen für den Verkehr angesichts der unterschiedlichen Regelungen gar „die Ernsthaftigkeit, eine integrierte Stadtentwicklungspolitik zu betreiben“, ab. Es müsse nicht sektoral, sondern ganzheitlich geplant werden, meint Harald Pieper. In Unna würden, wenn überhaupt, Insellösungen installiert. „Es dominieren Partikularinteressen, auf die dann mit Aktionismus reagiert wird.“

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