Von Tempolimits gegen den Straßenlärm sollen demnächst ein paar mehr Unnaer profitieren. Wann, ist unklar. Wie wirkungsvoll die 30er-Schilder sind, wird inzwischen angezweifelt.

Unna

, 29.06.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

In Unna soll für weitere Straßen ein Tempolimit zum Schutz vor Lärm eingerichtet werden. Wann die Maßnahmen umgesetzt werden, ist noch unklar.

Die Stadt Unna kündigt eine Fortschreibung ihrer Lärmaktionsplanung an. Das Verfahren gibt es seit einigen Jahren. Greifbare Ergebnisse waren bisher nur Tempo-30-Anordnungen für ein kurzes Stück der Iserlohner Straße, je einen Abschnitt von Kleistraße und Massener Hellweg in Massen sowie die gesamte Länge der Friedrich-Ebert-Straße zwischen dem großen Kreisverkehr und der Bahnunterführung in Königsborn.

Tempo 30 auch für die Hertingerstraße

Nun soll der Verkehr auf weiteren Strecken im Stadtgebiet ausgebremst werden. Aus einer Rathaus-Drucksache geht hervor, dass für diese Straßenabschnitte Tempo 30 angeordnet werden soll: Hertingerstraße zwischen B1 und Südring, Uhlandstraße zwischen Morgenstraße und Hellweg, Hammer Straße zwischen Viktoria- und Parkstraße sowie Kamener Straße zwischen der Bahnunterführung und dem Ortsausgang.

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Schon bei früher umgesetzten Maßnahmen war es mitunter schwer vermittelbar, warum Unterschiede gemacht werden. Die nun vorgesehenen Temporegelungen sind sogar noch etwas komplizierter: Hertinger- und Uhlandstraße sollen 24 Stunden beruhigt werden, Kamener und Hammer Straße hingegen nur nachts. Die Stadt hat den Straßenlärm berechnen lassen und mit Lärmschutz-Richtwerten abgeglichen. Eine Absenkung des Lärmpegels nachts sei bei den infrage kommenden Straßen wichtiger, da die Überschreitung der Lärmgrenzwerte bisher nachts höher ist als tagsüber, erklärt die Pressestelle des Rathauses. Für die Nachtstunden gelten niedrigere Grenzwerte als für den Tag.

Beteiligung

So können Bürger sich einschalten

  • Bürger können versuchen, auf die Lärmaktionsplanung Einfluss zu nehmen. Da das Verfahren nur fortgeschrieben wird und keine grundlegend neuen Erkenntnisse oder Maßnahmenvorschläge vorliegen, soll es keine Bürgerversammlung geben. Die Öffentlichkeitsbeteiligung sei aufgrund der Corona-Einschränkungen ohnehin eingeschränkt, teil das Rathaus mit.
  • Die Planunterlagen sollen offen gelegt werden, voraussichtlich ab Ende der Sommerferien. Wer möchte, kann dann Fragen oder Hinweise an die Stadt richten. Die Unterlagen können dann von der städtischen Internetseite heruntergeladen werden. Die Stadt erklärt, sie könne sie auch per Post verschicken, aber nur in begründeten Fällen.
  • Details sollen vor der Offenlage im Amtsblatt der Kreisstadt Unna rechtzeitig bekanntgemacht werden, auch die Medien sollen informiert werden.

Zu wenig Betroffene

In einem aktuellen Schreiben des städtischen Lärmgutachters heißt es außerdem zu Hammer- und Kamener Straße: „Am Tag ist an beiden Straßenabschnitten keine ausreichende Anzahl von Gebäuden ermittelt worden, die die Reduzierung der zulässigen Geschwindigkeit auf 30 km/h rechtfertigt.“

Eine wesentliche Lärmquelle in Unna sind auch die Autobahnen. Hier verweist die Stadt auf die Ausbauplanungen: Die A44 in Unna, ein Stück der A1 und das Autobahnkreuz dazwischen sollen umfangreich erweitert werden, damit der Verkehr sich künftig weniger staut. Wenn das passiert, müssen Bund und Land Lärmschutzwände errichten lassen. Wann dieses Millionenprojekt in Angriff genommen werden kann, ist aber bisher unklar.

Bisher keine Zuschüsse für Gebäudesanierungen

Für weitere Landes- und Bundesstraßen sieht die Lärmaktionsplanung andere Maßnahmen vor: Sanierung. Dabei geht es darum, dass Hausbesitzer an ihren Gebäuden beispielsweise stärkere Fenster einbauen lassen können. Sie bekommen dann bis zu 75 Prozent der Kosten vom Land erstattet. Das gilt für den restlichen Verlauf der Hammer Straße, den Verkehrsring, die Strecke vom Ring über die Massener- und Feldstraße zur B1 sowie für die B1 in Höhe der Innenstadt und teils entlang der Ostdörfer.

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Die Möglichkeit, Lärmsanierung bezuschusst zu bekommen, gibt es seit 2017, wie die Stadt bestätigt. Bisher ist aber an keinem der infrage kommenden Gebäude etwas passiert. Es gebe bisher nur drei Anträge auf Zuschüsse, heißt es aus dem Rathaus. Die Prüfung dieser Anträge sei noch nicht abgeschlossen.

Zeitplan unklar

Hier ist also offen, wann Anwohner mit Zuschüssen rechnen können. Wann die zusätzlichen Tempolimits eingeführt werden, ist auch noch unklar. Die Stadtverwaltung dazu: „Die Verfahren zur Einrichtung weiterer Tempolimits werden nach Fertigstellung und Beschluss der Fortschreibung des Lärmaktionsplans begonnen bzw. wieder aufgenommen.“

Stadt Unna ist in Verzug geraten

In Verzug geraten ist die ganze Angelegenheit ohnehin schon. Seit 2008 läuft die Lärmaktionsplanung für Unna. Deren dritte Stufe sollte eigentlich Ende 2018 schon abgeschlossen werden. So erklärt es die Stadt selbst in ihrer Vorlage zum Thema. Grund für die Verzögerung seien „personelle Arbeitsauslastungen“ gewesen. Nicht nur die lärmgeplagten Bürger müssen warten: Es bestehe auch schon Verzug bei der Übermittlung von Daten an das zuständige Ministerium in Düsseldorf. Um voranzukommen, hatte die Stadt deswegen wieder ein Gutachterbüro eingeschaltet, das nun die oben genannten Ergebnisse und Vorschläge geliefert hat.

Anwohner: Tempolimits ohne Blitzen sinnlos

Wenn die verschärften Tempolimits kommen, bleibt weiter unsicher, ob es tatsächlich leiser wird. Aktuell erreichte unsere Redaktion ein Bericht von Anwohnern des Bereich Parkstraße/Friedrich-Ebert-Straße. Sie hätten sich seinerzeit sogar bedankt bei der Stadt, als Tempo 30 eingeführt wurde. Doch leider habe sich „die Lärmbelästigung nach einer kurzen Eingewöhnungsphase wieder nahezu vollkommen regeneriert“, schreibt die Familie. Die wenigsten führen 30 km/h, so die Unnaer. Sie fordern Geschwindigkeitsmessungen, damit die Lärmminderungsmaßnahme wirkt.

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