Mehr Tempo-30-Zonen bremsen die Feuerwehr aus

dzFeuerwehr

Freiwillige Feuerwehrleute sind ein Fundament für die Gesellschaft. Sie opfern viel Freizeit, um anderen Menschen zu helfen. Dabei kämpfen sie auch mit Tücken wie Tempo-30-Zonen.

Unna

, 06.01.2020, 15:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Piepen des Melders ist für den Feuerwehrmann das Signal: Er lässt das Büro Büro sein, wirft sich schnell die Jacke über, eilt zu seinem Auto. Er weiß, dass jede Sekunde zählt, wenn es darum geht, Menschenleben zu retten und Feuer einzudämmen.

Endlich im Auto, steuert der Ehrenamtler das Feuerwehrhaus an, von dem aus seine Löschgruppe in den Einsatz starten wird. Im Idealfall ist er in drei bis vier Minuten da, doch das ist längst nicht immer möglich: Die Verkehrslage und die Tatsache, dass er durch eine Siedlung muss, setzen ihm Grenzen.

Mehr Tempo-30-Zonen bremsen die Feuerwehr aus

Das Feuerwehrhaus an der Mittelstraße in Massen (rechts) liegt nahe an einer unübersichtlichen Kreuzung. Der Verkehr auf der Mittelstraße selbst wird durch sogenannte „Krefelder Kissen“, also Bremsschwellen auf der Fahrbahn, beruhigt. © Udo Hennes

„Die privaten Fahrzeuge sind von anderen Verkehrsteilnehmern ja nicht als ,im Einsatz befindlich‘ zu erkennen“, weiß Hendrik zur Weihen, Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Unna. „Eine Zone 30 mit vielen Einmündungen und Engstellen erschwert natürlich dann das Erreichen des Feuerwehrhauses erheblich.“

Sonderrechte für Feuerwehrleute

Zwar gelten auch für ehrenamtliche Feuerwehrleute, die mit privaten Autos zum Feuerwehrhaus fahren, Sonderrechte: Sie müssen sich nicht an Tempobegrenzungen halten, dürfen allerdings auch niemanden gefährden. Gerade in Wohnsiedlungen ist also Vorsicht angesagt. Und auch die Feuerwehrhäuser selbst liegen in Unna zum Teil in verkehrsberuhigten Bereichen.

Eine zügige Anfahrt und das schnelle Besetzen eines Feuerwehrfahrzeugs sind aber erforderlich, will die Feuerwehr die gesteckten Schutzziele erreichen.

Jetzt lesen

Unnas Rechtsdezernent Matthias Immick hatte zuletzt im Ausschuss für Feuerschutz, Sicherheit und Ordnung auf aktuelle Diskussionen zu Geschwindigkeitsreduzierungen und Tempo-30-Zonen im Unnaer Stadtgebiet verwiesen: „Die unterschiedlichen Maßnahmen führen im Ergebnis dazu, dass es für die Feuerwehr immer schwerer wird, Einsatzorte zeitnah zu erreichen.“

Warnsignale

Blaulicht und Martinshorn

  • Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr- und des Rettungsdienstes können unter Verwendung von blauem Blinklicht und Einsatzhorn allen Verkehrsteilnehmern ihren Einsatz anzeigen.
  • Hendrik zur Weihen weiß: „Oft beschweren sich Bürger über die Verwendung des Einsatzhornes, weil sie sich in ihrer Nachtruhe oder Freizeit dadurch belästigt fühlen. Der Gesetzgeber schreibt dem Fahrer aber diese gemeinsame Verwendung vor.“
  • Auch bei der Verwendung von blauem Blinklicht und Einsatzhorn gelte, dass der Fahrer höchste Sorgfalt wahren müsse, um keine Verkehrsteilnehmer zu gefährden. Die richtige Verwendung der Sonder- und Wegerechte für Einsatzfahrten wird in Unna jährlich in den einzelnen Einheiten geschult.

Gerade im Ehrenamt führten die Geschwindigkeitsreduzierungen und Tempo-30-Zonen dazu der Problematik, dass Einsatzkräfte ihr Feuerwehrgerätehaus nicht mehr schnell genug anfahren könnten. Immick erklärte, dass zukünftig bei Entscheidungen über Geschwindigkeitsreduzierungen und Tempo-30-Zonen in Unna die Schutzzielerreichung der Feuerwehr beachtet werden müsse. Das könnte also bedeuten, dass nicht jeder Ruf nach Tempo 30 auch erhört wird.

Verschlechterung der Werte

Laut Hendrik zur Weihen stellt die Feuerwehr über ihre Auswertungen fest, dass die Tempolimits Einfluss darauf haben, wie schnell die Einsatzkräfte an einem Einsatzort sind. Klagen die Feuerwehrleute denn über die Tücken bei der Anfahrt? „Im Regelfall nicht, denn unsere Einsatzkräfte haben ja auch keine Alternative“, sagt Hendrik zur Weihen. Wenn so eine Beschränkung eingeführt werde, habe die Feuerwehr diese „natürlich zu akzeptieren“.

Mehr Tempo-30-Zonen bremsen die Feuerwehr aus

Ein Einsatz an der Grillostraße, der zum Glück glimpflich endete: Das Ziel der Feuerwehr ist es immer, binnen acht Minuten mit einer ersten Einheit am Einsatzort zu sein. © Michael Neumann

Sind die Einsatzfahrzeuge zu einem Unglücksort unterwegs, gelten für sie die bekannten Ausnahmen. Wenn sie mit Blaulicht und Martinshorn fahren, haben alle anderen Verkehrsteilnehmer sofort freie Bahn zu schaffen. „Trotzdem gilt auch bei der Verwendung von blauem Blinklicht und Einsatzhorn, dass der Fahrer höchste Sorgfalt gelten lassen muss, um keine Verkehrsteilnehmer zu gefährden“, erklärt der Feuerwehr-Leiter.

Es ist also ein schmaler Grat, auf dem Feuerwehrleute tagtäglich wandeln, wenn sie für die Menschen im Einsatz sind. Und die Politik hat einen Einfluss, diesen Grad nicht weiter zu verschmälern.

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Verkehr
Mit Karte: Warum das LKW-Durchfahrtverbot auf der B1 in Dortmund für Unna wichtig ist
Hellweger Anzeiger Tag der offenen Tür
Ernst-Barlach-Gymnasium greift Plänen der Landesregierung mit Informatikunterricht vor