Die Telekom will Glasfaserkabel im Indupark verlegen, das wäre vor ein paar Jahren eine gute Nachricht für die Wirtschaft gewesen. Heute stößt der Vorstoß auf Unverständnis – in mehrfacher Hinsicht.

Unna

, 20.11.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Regelrecht freudvoll kündigt die Telekom nun eine Initiative für die Erschließung des Induparks Unna mit Glasfaserkabeln an. Rund 250 Unternehmen in Unna bekämen „die Chance, sich (...) ans Gigabit-Hochgeschwindigkeitsnetz der Telekom anschließen zu lassen“. Der Ausbau des Netzes erfolge, wenn sich bis Ende Januar 2021 rund 30 Prozent der ortsansässigen Firmen für das Angebot der Telekom entscheiden. Es gab einmal eine Zeit, da wäre die Telekom mit dieser Offerte offene Türen eingerannt.

Heute ist die Lage eine andere und für einen Markteintritt vielleicht auch eine schwierigere. Denn: Ein Datennetz aus Glasfaserkabeln gibt es bereits im Indupark. Die Stadtwerke Unna, selbst eines der Unternehmen im Indupark, haben es in den vergangenen Jahren aufgespannt. Ein Grund für die lokale Selbsthilfe war, dass sich die Telekom lange Zeit gescheut hat, im ältesten Industriegebiet Unnas zu investieren.

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Bei Stadtwerkechef Jürgen Schäpermeier schafft die Offerte der Telekom daher auch ein gewisses Unverständnis. Schon vor Jahren sei Unna an die Telekom herangetreten, um eine Situation zu verändern, die für viele Firmen mehr und mehr zum Standortnachteil geworden war. Anforderungen an eine moderne Dateninfrastruktur waren im Indupark nicht mehr erfüllt. Doch die Telekom blieb untätig. Ihr nun erfolgtes Umdenken komme überraschend und sei inzwischen wohl auch unnötig.

Stadtwerke bieten Telekom das eigene Netz zur Miete an

„Dieser Vorstoß erschließt sich mir nicht“, sagt Stadtwerkechef Jürgen Schäpermeier. „Inzwischen haben wir den Indupark selbst erschlossen. Und wenn die Telekom will, ist sie herzlich dazu eingeladen, ihre Produkte über unsere Leitungen anzubieten.“ Aktuell sind die Stadtwerke Unna tatsächlich nur Eigentümer und Vermieter des Netzes, während die eigentlichen Telekommunikationsverträge von anderen Firmen angeboten werden.

Schäpermeier führt allerdings noch andere Bedenken gegen die Pläne der Telekom an: „Ich weiß nicht, ob das wirklich sinnvoll ist in einem Gewerbegebiet, in dem gerade erst alle Straßen neu gemacht worden sind“, sagt er. Die Erneuerung des Straßennetzes war nicht nur ein Projekt mit immensen Kosten auch für die ansässigen Betriebe, sondern es war auch ein Bauvorhaben, das einige Unternehmen über längere Zeiten stark in ihren Abläufen beeinträchtigt hat.

Stadt hofft, dass Straßen unbeschädigt bleiben

Große Aufmerksamkeit lösten die Pläne der Telekom daher auch im Rathaus der Stadt aus. Das Unnaer Tiefbauamt zeigt wenig Bereitschaft, die gerade erst erneuerten Straßen wieder aufreißen zu lassen. Allerdings hat es dagegen auch entsprechend vorgebeugt: „Bei der Sanierung der Straßen sind immer auch Leerrohre verlegt worden, um etwaige Leitungen nachträglich einziehen zu können“, erklärt Rathaussprecher Christoph Ueberfeld. „Vermutlich bräuchte es dafür nur ein paar Kopflöcher, die in Gehwegen oder Grünstreifen gesetzt würden. Wenn es doch erforderlich würde, in den Asphalt zu gehen, müsste die Telekom dafür eine gesonderte Genehmigung bei uns beantragen.“

Eine Konzession braucht die Telekom nicht

Grundsätzlich allerdings spricht gar nichts dagegen, dass die Telekom dort Kabel verlegen lässt, wo bereits welche liegen. Sie braucht dafür werde einen Konzessionsvertrag, noch muss sie entsprechende Zahlungen an den Grundeigentümer leisten. Das Telekommunikationsgesetz sieht das so vor.

Bei der Telekom ist es offenbar durchaus bekannt, dass im Indupark bereits ein örtliches Netz vorhanden ist. Eine solche Situation gebe es an mehreren Orten in Deutschland. Als bundesweit tätiger Anbieter setzt und überdenkt das frühere Staatsunternehmen regelmäßig Prioritäten, wenn es um die Frage geht, ob irgendwo in neue Netze investiert werde.

Dort, wo bereits ein Netz verfügbar ist, entscheiden letztlich auch Nutzer und Interessenten. Wenn sich eine hinreichende Zahl an Anschlusswilligen bereit erklärt, doch noch zur Telekom zu wechseln, bekommt der Indupark zusätzliche Leitungen und bei manchen Neukunden würde wohl Glasfaserkabel gegen Glasfaserkabel getauscht. Bleiben die Anmeldezahlen unter den Mindesterwartungen der Telekom, wird das Projekt verworfen.

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Mit einer vergleichbaren Strategie haben Unnas Stadtwerke schon mehrere Teile der Stadt mit schnellen Datenleitungen versorgt, die bei der Telekom noch nicht auf der Agenda standen. Meist gingen Bedarfsabfragen voraus, und wenn sich genügen Anlieger für einen Vertrag mit einem regionalen Telekommunikationsanbieter entschieden haben, haben die Stadtwerke Kabel verlegt. Perspektivisch wollen die Stadtwerke Unna aber auch selbst Telekommunikationsverträge anbieten, also nicht nur mit der Bereitstellung der Netze Geld verdienen, sondern auch ins Endkundengeschäft einsteigen.

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