Abzockmasche: Telefonterror aus Kolumbien trifft Ehepaar in Unna

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Betrugsmaschen am Telefon gibt es reichlich – und trotzdem werden immer wieder neue erfunden. Ein Ehepaar aus Unna wurde nun von Kolumbien aus behelligt. Vielleicht handelte es sich um „Ping Calls“.

Unna

, 14.01.2020, 14:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ziel dubioser Anrufe aus Kolumbien ist am Dienstag ein Ehepaar aus Unna geworden. Drei Anrufe im 30-Minuten-Takt am Morgen, dann noch einer in Abwesenheit – das war die vorläufige Bilanz der Rufliste. Immer war es dieselbe Nummer, die im Display stand. Und bei den drei zustandegekommenen Verbindungen war es immer wieder der gleiche Ablauf.

„Ein Mann sprach uns auf Englisch an und gab uns zu verstehen, dass wir irgendetwas mit unserem Computer machen sollten. Ich habe ihm dann gesagt, dass wir nur Deutsch sprechen, aber das hat ihn wohl nicht interessiert“, erklärt der Unnaer.

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Er selbst engagiert sich viel für die Städtepartnerschaften Unnas und hat dementsprechend auch Kontakte im Ausland, aber eben nicht in Kolumbien. Dass die Länderkennung „0057“ von Deutschland in das südamerikanische Land führt, ergab schnell eine Recherche im Internet.

Erstaunlich viele Ergebnisse zu dieser Suchanfrage beschäftigen sich aber auch mit einem Thema, das möglicherweise den wahren Grund der Anrufe aufdeckt: Es handelt sich um eine neue Abzockmethode, die gar nichts mit dem Computer der Angerufenen zu tun haben muss.

„Ping Calls“ provozieren Rückrufe auf Bezahlnummern

Bei den sogenannten „Ping Calls“ geht es darum, Rückrufe zu provozieren. Diese vermeintlich freiwillig getätigten Anrufe laufen dann auf eine Bezahlnummer im Ausland, die dem Anrufer hohe Eurobeträge in Rechnung stellt.

Dass bei den Anrufen ein Gespräch zustandekommt, ist allerdings eher unüblich, wie Unnas Polizeisprecherin Vera Howanietz erläutert: Bei dieser Masche lässt der Anrufer es in der Regel nur kurz durchklingeln.

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Insofern mochte bei dem aktuellen Anruf aus Kolumbien auch etwas anderes dahinter stehen: Die Frage nach dem Computer zielt womöglich auf eine Betrugsmasche, bei der vermeintliche Microsoft-Partner per Fernleitung Zugang zum Rechner eines Privatmannes erreichen, um diesen dann aber erst einmal zu sperren und nicht mehr nutzbar zu machen.

Die eingeblendete Telefonnummer kann auch gefälscht sein

„Was genau hinter der Sache gestanden hat, lässt sich wirklich nur vermuten. Durch das Call-ID-Spoofing ist es ja sogar möglich, jede beliebige Nummer einzublenden. So könnte auch der Anrufer aus Kolumbien in Wahrheit direkt neben einem stehen“, zeigt Polizeisprecherin Howanietz die Probleme des Telefonbetruges aus.

Schutz böten allgemeine Verhaltensempfehlungen wie die, grundsätzlich nicht auf Handlungsaufforderungen unbekannter Anrufer zu reagieren und auch keine unbekannten Telefonnummern zurückzurufen. „Selbst wenn es wirklich für Sie bestimmt war: Wenn es wirklich wichtig ist, wird derjenige doch noch einmal anrufen.“

Ratgeber

Maßnahmen gegen Telefonbetrug

Wer dubiose Anrufe aus dem In- und Ausland erhält, kann entsprechende Nummern der Bundesnetzagentur melden, die dafür ein Formular im Internet bereithält. Hilfreich ist eine Art Beweissicherung: Telefonnummer notieren, gegebenenfalls ein Foto oder ein Screenshot vom Display machen, Anrufdetails merken und notieren. Allgemeine Empfehlungen: Niemals unbekannte Nummern zurückrufen, niemals Handlungsaufforderungen in unerbetenen Anrufen folgen. Selbst vermeintliche Polizisten können echte Betrüger sein.

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