Tauben in der Innenstadt: Tierschutzverein Unna plädiert für Aufhebung des Fütterungsverbots

dzTierschutz

Wer in der Unnaer City Tauben füttert, muss mit einer Geldbuße von bis zu 1000 Euro rechnen. Der Tierschutzverein Unna hält das Fütterungsverbot für nicht tierfreundlich - und setzt sich für das Gegenteil ein.

Unna

, 02.02.2020, 16:21 Uhr / Lesedauer: 2 min

Unna könnte einer Stadttaubenplage anheimfallen. Das zumindest ist die unveränderte Sorge von Stadt und Ordnungsamt, die im vergangenen Sommer auf die durch Tauben verursachten Probleme aufmerksam gemacht haben. Eine Maßnahme gegen die Ausbreitung der Tiere war das ausgesprochene Fütterungsverbot. Der Tierschutzverein Unna arbeitet nun an einer Aufhebung des Verbots.

Jetzt lesen

Während die Stadt von einer unveränderten Lage spricht, was die Maßnahmen gegen Tauben in der Innenstadt angeht, hat der Tierschutzverein Unna ganz andere Pläne: Sein Ziel ist, dass das Fütterungsverbot schnellstmöglich der Vergangenheit angehört: Nicht aber etwa, um ein „wildes Rumfüttern“ zu fördern, das die Population der Tauben in die Höhe treibe, sondern um eine artgerechte Fütterung der Tauben zu ermöglichen, die dazu beiträgt, dass die Tauben sich nicht unkontrolliert verbreiten: „Wir würden es befürworten, wenn die freilebenden Stadttauben in einem festgesetzen Rahmen Nahrung bekommen“, sagt Stephanie Schmidt vom Tierschutzverein.

„Hungrige Tauben legen mehr Eier. Das ist automatisch von der Natur so angelegt, damit die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass mehr Junge überleben.“
Stephanie Schmidt, Tierschutzverein Unna

Ziel: Zwei Fütterungen am Tag

Das stellt sie sich so vor: Zwei Mal am Tag, außerhalb des regen Stadtbetriebes, werden die Tauben an einem festgelegten Ort in der Innenstadt gefüttert. Freiwillige Tierfreunde, die diesen Job gerne übernehmen wollen, gebe es genug, so die Tierschützerin. „Die Bürger sollen dadurch weniger durch die Tiere belästigt werden, und die Tauben erhalten gesundes Vogelfutter, statt Krümel und Abfälle von den Menschen zu fressen.“

Denn das, was nahe Bäckereien oder nach dem Markt auf dem Boden liegen bleibe, ist nicht sonderlich gesund für die Tiere: „Die Körner und Brotkrumen sind nährstoffarm. Davon werden die Tauben krank und bekommen Durchfall.“ Die dadurch entstehende Verschmutzung an Häusern und Autos sorge wiederum für Unmut bei den meisten Bürgern.

Tauben in der Innenstadt: Tierschutzverein Unna plädiert für Aufhebung des Fütterungsverbots

An der Bäckerei Niehaves finden die Tauben Futter und einen Nistplatz. Ihren Kot hinterlassen sie allerdings auch. © Vivien Nogaj

Andere jedoch füttern die Tiere gerne. Das bestätigt auch Bäckereifachverkäuferin Doris Kraus aus der Bäckerei Niehaves in der Innenstadt: „Manche Kunden muss ich extra darauf hinweisen, dass sie das Füttern unterlassen sollen. Die Tiere gewöhnen sich ansonsten daran und halten sich ständig vor unserem Geschäft auf“, sagt sie. Ab und an kämen sie sogar in die Bäckerei geflogen, etwa, wenn die Türe offen stünde und der Lieferant die Ware reinbringe. Ein Kunststoffrabe am Eingang soll die Tauben zwar davon abhalten in die Bäckerei zu kommen, allerdings gelinge das nur mit mäßigem Erfolg.

Maßnahme: Gelegte Eier austauschen

Denn nicht nur eine günstige Nahrungsquelle, sondern auch einen gemütlichen Nistplatz haben die Tauben am Gebäude der Bäckerei gefunden. Das ist üblich für die Tiere, weiß Stephanie Schmidt vom Tierschutzverein: „In Gemäuern von Häusern nisten die Tauben am liebsten, sie sind keine guten Nestbauer.“

Um die Population der Tiere geringer zu halten, sei eine weitere Maßnahme, die dort gelegten Eier gegen Gipseier auszutauschen. Auch darum würde sich der Tierschutzverein Unna gern kümmern, wenn eine entsprechende Maßnahmen seitens der Stadt unterstützt würde.

Tauben in der Innenstadt: Tierschutzverein Unna plädiert für Aufhebung des Fütterungsverbots

Ärgerlich für Unnas Bürger: Eine Mülltonne in der Innenstadt ist mit Taubenkot verdreckt. © Vivien Nogaj

In jedem Fall sei es keine tiergerechte Lösung, die Tauben mittels Fütterungsverbot aushungern zu lassen, wie es im vergangenen Jahr von der Stadt gefordert war. Im Gegenteil: Das könnte das Taubenproblem sogar noch verschlimmern, wie Schmidt weiß: „Hungrige Tauben legen mehr Eier. Das ist automatisch von der Natur so angelegt, damit die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass mehr Junge überleben.“ Eine gut und gesund gefütterte Taube lege automatisch weniger Eier. Und verunreinige die Stadt auch weniger durch ihren Kot.

Daher sei eine gezielte Fütterung die einzig wirksame Maßnahme, wenn es darum geht, Unnas Taubenproblem in den Griff zu bekommen, ist sich Schmidt sicher.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Coronavirus
Coronavirus: Kein Grund zur Panik – aber manche kaufen 40 Flaschen Desinfektionsmittel
Hellweger Anzeiger Gymnasium
Ein neuer demokratischer Staat in Unna: PGU-Schüler gründen das „Pestalonische Reich“