Trotz neuer Schulden: Tätowierer Olaf Kraus fiebert dem Neustart entgegen

dzCorona-Lockerungen

Er hat große Verluste gemacht und musste einen Kredit aufnehmen, freut sich nun aber, dass er sein Tattoostudio in Unna wieder öffnen darf: Olaf Kraus wird ab Freitag wieder Tattoos stechen.

Unna

, 20.05.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwischenzeitlich fragte sich Olaf Kraus schon, ob Tätowierer Menschen zweiter klasse seien. Ihm fehlte das Verständnis dafür, dass Frisöre, Nagelstudios und Kosmetiksalons wieder öffnen durften, Tattoostudios aber nicht – zumal er gleich nach der Schließung umfangreiche Hygienekonzepte bei den Ordnungs- und Gesundheitsämtern der Kreise Unna und Soest sowie des Märkischen Kreises eingereicht hatte. Tatsächlich drängt sich der Eindruck auf, dass die Tätowierer in Nordrhein-Westfalen in der Corona-Krise zu den Vergessenen zählten.

Am Dienstagabend dann gab es aber die für Olaf Kraus erlösende Nachricht. Die Landesregierung teilte mit, dass Tattoostudios schon tags darauf wieder öffnen dürften – also am 20. Mai. Sie verwies dabei auf verschiedene Auflagen.

„Das, was da gefordert wird, ist für mich seit 27 Jahren ganz normaler Standard“, sagt Kraus. Desinfektion, Mundschutz – all das sei in seinen drei Studios in Unna-Königsborn, Soest und Iserlohn selbstverständlich. Und weil er immer auf Vorrat bestellt hat, fehlen ihm diese wichtigen Arbeitsutensilien jetzt auch nicht. „Das mit dem günstigen Einkauf hat sich allerdings erledigt“, weiß Kraus.

Das Unternehmen

Seit 27 Jahren erfolgreich

  • Olaf Kraus machte sich vor 27 Jahren mit einem Tattoostudio selbstständig. Unter dem Namen „Hot Flesh Team by Olaf“ führt er inzwischen drei Studios in Unna (Kamener Straße 71), Soest (Niederbergheimerstraße 84) und Iserlohn (Hövelstraße 2).
  • Zum Team gehören sieben Tätowierer, zwei Piercer und eine Person am Empfang. Das Team besteht aus Männern und Frauen.
  • Informationen gibt es auch im Internet unter http://hotflesh.bplaced.net.

Am Freitag werden in den drei Studios, die den Namen „Hot Flesh Team by Olaf“ tragen, wieder Tattoos gestochen. „Das Telefon steht seit heute früh nicht mehr still“, berichtet er. Hätte die Landesregierung die Entscheidung früher bekannt gegeben, hätte er Termine möglicherweise auch noch auf diesen Mittwoch legen können. Doch so müssen er und sein Team eben warten – und mit ihm seine Kunden.

Unzählige Termine musste das Tätowier-Team absagen, die meisten Kunden reagierten mit Verständnis. Schließlich waren Olaf Kraus die Hände gebunden. Wie viele Tattoos in den zwei Monaten der Schließung nicht gemacht werden konnten, lässt sich nur erahnen.

Kreditaufnahme und Kurzarbeit

Fest steht hingegen, dass der Verlust für Olaf Kraus riesig ist. „80.000 Euro sind das“, sagt der Tattoostudio-Betreiber. In normalen Monaten betrage der Umsatz in den drei Studios etwa 40.000 Euro. Dabei ist das natürlich noch nicht der Gewinn, schließlich müssen auch Mieten, Gehälter und Abgaben gezahlt werden. Irgendwann waren die Ersparnisse des Tätowierers weg, er musste einen Kredit aufnehmen. Und er meldete Kurzarbeit an.

„Wir werden keine Mehrarbeit machen, denn darunter leidet letztlich die Qualität.“
Tattoostudio-Besitzer Olaf Kraus

Die entgangenen 80.000 Euro wird Kraus nicht mehr aufholen können. „Wir werden keine Mehrarbeit machen, denn darunter leidet letztlich die Qualität“, kündigt Kraus an, dass sein Studio auch weiter für fünf Stunden am Tag geöffnet sein wird.

Seinen Kundinnen und Kunden verspricht er, dass Tattoos trotz der jüngsten Probleme nicht teurer würden. Ein Corona-Aufschlag, wie ihn etwa Frisöre teilweise verlangen, kommt für ihn nicht in Frage: „Da zählt mein Leitspruch: Ein Tattoo muss preiswert, aber seinen Preis wert sein.“

Der Empfangsbereich wurde in der Corona-Pause umgebaut. Neu ist nicht nur die Plexiglasscheibe. Auch die Wand hinter Olaf Kraus wurde neu eingezogen.

Der Empfangsbereich wurde in der Corona-Pause umgebaut. Neu ist nicht nur die Plexiglasscheibe. Auch die Wand hinter Olaf Kraus wurde neu eingezogen. © Dirk Becker

Das Studio in Königsborn hat er in der Corona-Pause renoviert – dazu gehört auch, dass es im Eingangsbereich eine Plexiglasscheibe gibt. Wer Tattoos oder Piercings macht, wird entweder mit Mundschutz oder mit einer Plexiglasmaske arbeiten. Auch für die Kundinnen und Kunden ist der Mundschutz Pflicht. Außerdem bittet Kraus darum, auf Begleitpersonen zu verzichten.

Alte Tattoowünsche haben Vorrang

Wie immer können Interessierte ins Studio kommen oder unter Tel. (02303) 66564 dort anrufen und einen Termin vereinbaren. Zunächst werden jedoch die Tattoowünsche erfüllt, die wegen der Corona-Krise abgesagt werden mussten.

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