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Syrer und Afghanen hatten sich „komisch angeguckt“

dzSchlägerei am Unnaer Rathaus

Es war ein Kampf bis aufs Blut, der am vergangenen Mittwoch Augenzeugen am Unnaer Katharinenplatz erschüttert hat. Nun äußert sich die Pressestelle der Polizei zu den Hintergründen der Massenschlägerei – und zu der Kritik an ihrer Informationspolitik.

Unna

, 06.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Nach der Massenschlägerei in der vergangenen Woche am Rathaus ist der Ruf nach Aufklärung laut. Die Öffentlichkeitsarbeit der Polizei gerät dabei in die Kritik. Sie hatte zur Auseinandersetzung, bei der am Mittwochabend fünf Menschen verletzt wurden, keine Mitteilung herausgegeben. Reaktionen auf die erste Berichterstattung unserer Zeitung über den Vorfall sind von Unverständnis darüber geprägt.

Zumindest einige der offenen Fragen beantwortete die Pressestelle der Behörde am Montag auf Anfrage. Andere bleiben ungeklärt. Bei der Schlägerei handelte es sich demnach um eine Auseinandersetzung von Angehörigen zweier Nationalitätengruppen. Wie die Polizei bei der Aufnahme der Personalien am Mittwoch festgestellt hatte, bestand eines der verfeindeten Lager ausschließlich aus Syrern, das andere aus Menschen aus Afghanistan.

Offen: Verabredet oder spontan

Dass sich die beiden Gruppen zu einer Auseinandersetzung auf dem Katharinenplatz verabredet hätten, lässt sich zumindest nicht bestätigen. Nach Darstellung der Beteiligten vor Ort soll sich der Konflikt spontan ergeben haben, erklärte Polizeisprecherin Ute Hellmann. Angehörige beider Gruppen bezichtigen die jeweils andere der Provokation – sie hätten „komisch geguckt“ und daraus muss sich der Konflikt aufgeschaukelt haben. Ob es zwischen diesen beiden Gruppen bereits im Vorfeld Kontakte und Streit gegeben hat, ist nicht bekannt, lasse sich aber auch nicht ausschließen, so Hellmann. Einsätze, bei denen die Polizei Auseinandersetzungen von Gruppen aus Syrien und Afghanistan auflösen mussten, habe es grundsätzlich schon gegeben.

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Zu Ausmaß und Intensität der Gewalt liegen von mehreren Augenzeugen und der Polizei unterschiedliche Darstellungen vor. Mal war von 60 bis 70 Beteiligten und Unterstützern die Rede, mal von 20 bis 30. Die Polizei war um 21.30 Uhr zu einem Einsatz gerufen worden und traf vor Ort acht Beteiligte an, von denen fünf leicht verletzt waren, etwa durch blutende Platzwunden. Unter Bezug auf Zeugen erklärt die Polizei, dass „mehrere Personen die Örtlichkeit bereits vor Eintreffen der Polizei verlassen“ hätten. Schilderungen gegenüber unserer Redaktion sprechen allerdings von einem Anfang der Auseinandersetzung schon vor 21 Uhr.

Erschreckende Brutalität

Augenzeugen äußerten sich erschrocken über die Brutalität der Auseinandersetzung, die in einem belebten Teil der Innenstadt in unmittelbarer Nähe der Gastronomiebetriebe am Rathaus erfolgt ist. Unter Anfeuerungsrufen von Begleiterinnen und Begleitern hätten sich die Schläger einen Kampf geliefert, bei dem auch Messer und Ketten zum Einsatz gekommen sein sollen. Die Polizei aber erklärt, die Beteiligten vor Ort durchsucht und keine gefährlichen Gegenstände gefunden zu haben. Der Platzverweis, den die Beamten vor Ort ausgesprochen hatten, sei anschließend eingehalten worden. Nach Aufnahme der Personalien konnten die Beteiligten daher frei ihren Weg gehen.

Kritik daran, dass diese Schlägerei der Öffentlichkeit nicht mitgeteilt worden ist, weist die Polizei zurück: Gewalttätige Auseinandersetzungen im öffentlichen Raum seien insbesondere in den Sommermonaten nicht unüblich, so Behördensprecherin Ute Hellmann. Das interne Auswertungsschema der Polizei sehe nicht vor, diese Delikte grundsätzlich öffentlich zu melden. Es könne aber durchaus noch überprüft werden.

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