Corona-Frust bei Lesung mit Joe Bausch in der Synagoge in Unna

dzKultur in Unna

Offenbar ist es um das Nervenkostüm einiger Menschen in Corona-Zeiten nicht besonders gut bestellt. Bei der Lesung von Joe Bausch in der Synagoge in Unna-Massen gab es jedenfalls Unmut.

Massen

, 26.10.2020, 12:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie können kulturelle Veranstaltungen noch durchgeführt werden, wenn die Corona-Fallzahlen in Unna in die Höhe schnellen? Diese Frage müssen sich alle Organisatoren und Gastgeber stellen – und die Antwort geben sie in Hygienekonzepten. Zu der AHA-Regel (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske) und der App ist mit dem Lüften nun eine weitere Vorsichtsmaßnahme in den Fokus gerückt – und die sorgt für Ärger.

„Sie wollen es hier doch wohl nicht noch kälter machen?“ Ein Besucher der Lesung mit Joe Bausch, die am Sonntagabend in der Synagoge als eine von nur zwei Veranstaltungen im Rahmen von „Mord am Hellweg“ durchgeführt wurde, war sichtlich genervt, als ein Mitglied des Freundeskreises der Jüdischen Gemeinde die Fenster im hinteren Bereich der Synagoge ganz öffnete.

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Das Problem: Lüften ist Teil des Hygienekonzeptes. Ähnlich wie in Schulen sollen Aerosole durch Stoßlüften beseitigt werden, um das Infektionsrisiko mit dem Coronavirus zu senken. Wolfram Kuschke, 1. Vorsitzender des Westfälischen Literaturbüros und zugleich Ehrenvorsitzender des Freundeskreises, hatte vor dem Beginn der Lesung erklärt, wie froh er sei, dass die Veranstaltung in Massen überhaupt stattfinden könne.

Veranstaltungen in Corona-Zeiten durchzuführen, ist für die Organisatoren eine riesige Herausforderung. Abstandsregeln und die Notwendigkeit des Lüftens sorgen teilweise für Frust.

Veranstaltungen in Corona-Zeiten durchzuführen, ist für die Organisatoren eine riesige Herausforderung. Abstandsregeln und die Notwendigkeit des Lüftens sorgen teilweise für Frust. © Marcel Drawe

Dass am anderen Ende die frische Luft für Kälte sorgte, war eine Begleiterscheinung, die nicht zu verhindern war. Deswegen zogen sich auch mehrere Gäste ihre warmen Jacken wieder an oder rückten auf weiter vorne gelegene Plätze vor.

Einladung in den Garten kaum angenommen

In der Pause der mehr als zweistündigen Veranstaltung wurden die Besucher dann auch noch in den Garten der Jüdischen Gemeinde eingeladen – eine Chance, die nur relativ wenige Menschen nutzen wollten.

Einer von ihnen war Joe Bausch. Der Mann, der Gefängnisarzt in der JVA Werl war, aber vor allem als Schauspieler im Kölner Tatort bekannt und zudem Autor ist, trug Abschnitte aus zwei Büchern vor. Was beide Bücher gemein haben, ist die Tatsache, dass Rabbis Ermittlern helfen, der Lösung von Kriminalfällen auf die Spur zu kommen. Nebenbei erfahren die Leser – oder am Sonntag die Zuhörer – viel über das jüdische Leben.

Die Bücher

Ermittelnde Rabbis im Mittelpunkt

Beide Bücher, aus denen Joe Bausch las, befassen sich mit Rabbis, die sich als Ermittler in Mordfällen beweisen:
  • Alfred Bodenheimer: Kains Opfer, Taschenbuch, Heyne Verlag, 9,99 Euro, ISBN 978-3-453-41929-2
  • Harry Kemelman: Am Sonntag blieb der Rabbi weg, Unionsverlag, 9,95 Euro, ISBN 978-3-293-20711-0

Zunächst trug Bausch Szenen aus „Kains Opfer“ von Alfred Bodenheimer vor. Das Buch ist 2014 erschienen – und es hat Joe Bausch gepackt, weil der Rabbi Klein eine besondere Eigenschaft hat. „Mit den ausgesuchten Stellen wollte ich den analytischen Verstand zeigen, mit dem der Rabbi vorgeht – auch bei der Deutung der Bibel. Das hat mir besonders imponiert“, erklärte Bausch.

Analytisches Vorgehen beeindruckt Joe Bausch

Dieses analytische Vorgehen findet sich auch in dem anderen Roman vor, aus dem Bausch vortrug. Der Unterschied: „Am Sonntag blieb der Rabbi weg“ von Harry Kemelman ist bereits 1961 erschienen und spielt in den USA. Rabbi Small befasst sich mit dem Tod zweier junger Männer.

Joe Bausch wurde bei seiner Lesung in der Synagoge in Unna-Massen von einer Band unterstützt. Diese zeigte, wie vielfältig jüdische Musik ist.

Joe Bausch wurde bei seiner Lesung in der Synagoge in Unna-Massen von einer Band unterstützt. Diese zeigte, wie vielfältig jüdische Musik ist. © Marcel Drawe

Jüdische Musik gab der Lesung einen besonderen Rahmen. Bausch wird sie schon deshalb nicht vergessen, weil die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Alexandra Khariakova ihm nicht nur koscheren Wein, sondern ach eine Kippa aus Jerusalem schenkte.

Die Jüdische Gemeinde und das Westfälische Literaturbüro als Veranstalter des Festivals „Mord am Hellweg“ haben auch für das nächste eine gemeinsame Veranstaltung vor Augen. „Wir hoffen, dass dann auch wieder mehr Gäste dabei sein können“, gab sich Khariakova gewohnt gastfreundlich.

Die nächste Veranstaltung der Jüdischen Gemeinde ist ein Konzert, das am Sonntag, 15. November, um 16 Uhr in der Katharinenkirche beginnt. Der Eintritt ist frei.
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