Unnas Supermärkte werden zur Baustelle: Neue Räume und zum Teil völlig neue Standorte geben dem Handel mehr Platz. Übergangsweise bedeutet dies Einbußen – trotz kurioser Provisorien für die Bauzeit.

Unna

, 09.01.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 4 min

Für die Supermärkte in Unna wird 2020 zu einem Jahr des Um- und Aufbruchs. Fünf bereits bestehende Einkaufsstätten erhalten neue oder runderneuerte Gebäude. Und dann gibt es noch die Pläne für zwei gänzlich neue Standorte von Edeka in der Mühle Bremme und Aldi in Massen.

Bevor die Wege zum nächsten Supermarkt kürzer werden oder die Wege durch den Supermarkt komfortabler, müssen sich Kunden mitunter umorientieren. Discounter Norma etwa wird zeitweilig nicht mehr in Unna vertreten sein. Aldi sucht für die Übergangsphase eines Neubauvorhabens ein ausreichend großes Grundstück, um ein Verkaufszelt aufzubauen.

Hauptziel der Pläne ist auch bei den bestehenden Märkten, mehr Platz zu schaffen. Dabei beteuern die Betreiber, dass es nicht unbedingt darum gehe, den Kunden noch mehr Auswahl zu bieten. Stattdessen sollen die Sortimente übersichtlicher präsentiert werden und die Laufwege in den Märkten breiter.

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Aldi plant an drei Standorten

Das größte bereits absehbare Vorhaben von Aldi in Unna ist ein Ersatzbau für den heutigen Markt an der Kamener Straße. Die derzeitige Immobilie soll durch einen deutlich größeren Laden abgelöst werden. Die Verkaufsfläche würde dabei von 855 auf 1400 Quadratmeter anwachsen.

Architektenpläne gibt es bereits und nach dem Kauf des Nachbargrundstücks mit Spielothek und Autoglaserei hat der Discounter auch genügend Platz. Was nun noch fehlt, ist die Genehmigung durch die Stadt Unna. Die Änderung des Bebauungsplanes ist bereits in Arbeit. Aldi hofft auf Baurecht im September, will dann noch in diesem Jahr mit den Bauarbeiten anfangen.

Kunden könnten in der siebenmonatigen Übergangsphase bis zur Neueröffnung in einem Zeltsupermarkt einkaufen, wenn der Discounter in der Nähe ein geeignetes Grundstück findet. Mindestens 800 Quadratmeter sollten es schon sein – Angebote vermittelt unsere Redaktion.

Schneller umzusetzen wäre ein Ausbau des noch relativ jungen Marktes an der Weberstraße. Dort will Aldi die Verkaufsfläche von derzeit 800 auf dann 1000 Quadratmeter erweitern und das Ladenkonzept „Aniko“ in Gänze zur Umsetzung bringen.

Wirklich neu angebaut werden müssen aber nur Flächen für eine Backstube und den Leergutraum. Aldi hatte beim Bau des Marktes schon die Lagerflächen großzügig dimensioniert, um sie später teilweise dem Verkauf zuschlagen zu können.

Aktuell liegt im Rathaus eine Bauvoranfrage vor. Wenn die Verwaltung keine größeren Hürden ausmacht, sollte auch dieser Neubau noch 2020 erfolgen.

Das dritte Eisen im Feuer ist für Aldi ein gänzlich neuer Markt in Massen. Er würde zu dem Supermarktdoppel gehören, das Entwickler Robert Löer aus Bergisch-Gladbach westlich der Massener Bahnhofstraße plant. Bislang gab es vor allem viele Gespräche darüber auf der Arbeitsebene mit der Stadtverwaltung – und vorsorgliche Proteste aus der Bevölkerung, die auf eine zusätzliche Verkehrslast hinweist.

Löer hofft, dass der Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan in Kürze auf die politische Agenda kommt. Am Ende des Verfahrens würde Aldi einen dritten Markt in Unna bekommen: mit 1200 Quadratmetern Fläche.

Unnas Supermarktketten stillen ihren Flächenhunger

Das Doppel aus Aldi und Edeka in Massen hat nach seiner Vorabvorstellung auch Ablehnung erfahren. Bald soll die offizielle Planungsphase anlaufen. © Archiv

Edeka zieht es nicht nur auf Mühle Bremme

In Massen wäre Edeka der zweite neue Supermarkt im Löer-Projekt an der Massener Bahnhofstraße. Der Neubau mit 1400 Quadratmetern Fläche gilt als Nachfolgestandort für den heutigen Markt an der Friedenskirche. Wer die Flächenbilanz des Einzelhandels nachrechnet, muss dann natürlich auch den ehemaligen Laden berücksichtigen, der bei einem Auszug Edekas für andere Anbieter frei würde.

Der neue Markt in Massen wäre von stattlicher Größe und doch ein kompaktes Handelshaus gegenüber den Plänen, die Edeka für die ehemalige Mühle Bremme schmiedet. Die Supermarktkette ist als Ankermieter des neuen Einkaufszentrums bestätigt, dürfte laut bisheriger Planung bis zu 2240 Quadratmeter besetzen.

Unnas Supermarktketten stillen ihren Flächenhunger

Fast 7500 Quadratmeter Handelsfläche bekommt das neue Einkaufszentrum auf dem Gelände der Mühle Bremme. Das größte Stück davon erhält Edeka. © Architekturbüro Deterding

Die Projektentwickler kündigen dafür mehr als einen reinen Verkaufsplatz an: Elemente der Erlebnisgastronomie sollen Edeka zu einem Marktplatz für den Stadtbummel unter Dach machen. Nachdem die Baugenehmigung für das Mühlencenter kurz vor Weihnachten erteilt wurde, soll im Februar oder März der Abriss der alten Mehlfabrik anlaufen.

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Bei Rewe wird David zum Goliath

Edekas großer Gegenspieler ist in Unna Rewe. Im Verbund der Händler wird nun eine bemerkenswerte Übernahme wirksam: Carsten Engel, Betreiber des kleinen Rewe-Marktes an der Massener Straße, wird zum 1. April auch Inhaber der 1500 Quadratmeter großen Rewe-Niederlassung an der Kamener Straße in Königsborn.

Für den Kaufmann ist die Übernahme der Ersatz für einen Ausbau an seinem Stammhaus, dem die Einzelhandelsplanung der Stadt wenig Raum einräumt. An Platz mangelt es Carsten Engel an der Kamener Straße nicht. Dennoch kündigt er große Investitionen an – und betont dabei, auch den kleinen Markt an der Massener Straße weiterzuführen.

Unnas Supermarktketten stillen ihren Flächenhunger

Für Norma bedeutet der Neubau im Kastanienhof einen großen Sprung: Der Discounter bekommt mit seinem Neubau fast dreimal so viel Platz wie heute. © Norma

Norma hat den extremsten Wachstumsschub

Mit derzeit 450 Quadratmetern Fläche ist Discounter Norma im Kastanienhof einer der kleinsten Supermärkte weit und breit. Dabei biete auch dieser Markt das vollständige Norma-Sortiment, wie das Unternehmen betont. Kunden wissen, was dies bedeutet: Hoch aufgetürmte Waren und enge Gänge. Nach dem Neubau wird dies Vergangenheit sein, denn der künftige Markt würde 1200 Quadratmeter bieten.

Dafür wird der heutige Gebäuderiegel, in dem früher auch einmal Schlecker untergebracht war, zunächst einmal abgerissen. Sofern die Baugenehmigung nicht zu lange auf sich warten lässt, könnte dies im Sommer geschehen. Eine Neueröffnung plant Norma für Ende 2020 oder Anfang 2021.

In der Zwischenzeit wird Norma in Unna nicht vertreten sein. Stammkunden finden die nächste Anlaufstelle in Holzwickede. Für die unmittelbare Nahversorgung im Kastanienhof und der Gartenvorstadt hält Edeka die Fahne hoch.

Unnas Supermarktketten stillen ihren Flächenhunger

Mit 1000 Quadratmetern Verkaufsfläche ist der Lidl-Markt am Wohnpark Unna-Süd keineswegs ein Winzling. Der Nachfolger soll aber ein Viertel mehr Fläche bieten. © Marcel Drawe

Lidl wird größer und grüner

Mit Expansionsplänen für den Markt an der Hansastraße war Discounter Lidl bei der Stadt auf eisernen Widerstand gestoßen. Für die Iserlohner Straße legen die Entwickler nun ein Konzept vor, das in Zeiten des Klimawandels auch ökologisch punktet: Eine Solaranlage auf dem Dach, eine Ladestation für Elektroautos und eine bemerkenswerte Anzahl von Fahrradstellplätzen versprechen die Neckarsulmer für einen Neubau.

Entscheidend aber ist: Am Wohnpark Unna-Süd hält auch das neue Einzelhandelskonzept der Stadt einen Ausbau von derzeit 1000 auf dann 1250 Quadratmeter für vertretbar. Die politische Bewertung einer B-Plan-Änderung war Ende 2019 emotionslos. Der Rest ist nun Arbeitsalltag der Bauverwaltung.

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