Zirkus Morsa: Poetische Bewegungen auf dem Platz der Kulturen

dzSummertime

Unmögliche Bewegungen in einer poetischen Darbietung lockten das Publikum am Donnerstag auf den Platz der Kulturen. Der Zirkus Morsa präsentierte mit „Rohöl“ ein Gesamtkunstwerk zwischen Zirkus und Theater.

von Sebastian Pähler

Unna

, 02.08.2019, 12:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Brett und ein zylindrisches Rohr, mehr braucht es nicht, um den Zirkusklassiker „Rola Bola“ zu bauen, der für unzählige Generationen von Akrobaten zum täglich Brot gehörte. Wie man aus diesem beeindruckenden, aber eigentlich simplen Balance-Akt ein beachtliches, abendfüllendes Programm zaubert, demonstrierte am Donnerstag der Zirkus Morsa mit seiner Aufführung von „Rohöl“ im Rahmen der „Summertime“ auf dem Platz der Kulturen.

Begegnung der Gegensätze

Die Begegnung von Widersprüchen, Industrialisierung und Natur, Aufbau und Zerstörung, Ordnung und Chaos setzte der Zwei-Personen-Zirkus Morsa in seinem Stück „Rohöl“ in Szene. Oder war es am Ende doch die Geschichte einer Beziehung, mit ihren Höhen, Tiefen, Verliebtheit und Krisen? Vielleicht gibt es da aber auch keinen Unterschied, befindet sich der Mensch doch mit seiner Umwelt in eben so einer verrückten und dann eben doch wieder ganz normalen Beziehung, wie Liebende, die sich gegenseitig tragen, aber auch fallen lassen können.

Bewusst ließen die Akrobaten Rosa Wilm und Moritz Böhm einen Interpretationsspielraum, doch einig sein kann man sich darüber, dass ihre Darbietung auf dem Platz der Kulturen ihr hohes Können eindrucksvoll unter Beweis stellte.

Unmögliche Bewegung

Als zwei Schiffbrüchige, gestrandet auf der Bühne, inmitten von Rohren und Brettern, erwachten die beiden Protagonisten zu Beginn der Vorstellung. Was folgte, war ein rund 80 Minuten langer Wirbel aus unmöglichen und poetischen Bewegungen, Balance-Kunststücken und Hebefiguren.

Mal hob er sie hoch oben über den Köpfen der Zuschauer am Ende eines langen Mastes über die Bühne, mal tänzelte sie ein Stück über dem Boden durch die Luft, während er immer gerade noch so seine Hand unter ihre Füße hielt, um einen Absturz zu verhindern.

Und dann gab es immer wieder Momente, in denen beide eine nicht zu trennende Einheit bildeten, vor allem wenn sie aus den Rohren und Brettern die erwähnten „Rola Bolas“ bauten und auf diesen gemeinsam oder gegeneinander balancierten.

Publikum war begeistert

Das Publikum zeigte sich jedenfalls begeistert und während der Vorstellung füllte sich der Platz der Kulturen, da immer wieder Passanten fasziniert stehen blieben und sich das Spektakel bis zum Ende anschauten.

„Für uns ist das ein besonderer Tag“, stellte Rosa am Ende fest und lud die Zuschauer zum Nachgespräch ein. Denn die Aufführung in Unna war nicht nur die Deutschlandpremiere von „Rohöl“, sondern auch das erste Mal, dass das zweite Stück des Zirkus Morsa unter freiem Himmel zu sehen war.

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