NN Theater zeigt düstere Folklore und leichte Unterhaltung auf dem Platz der Kulturen

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Zugegeben, das Wetter hätte besser sein können. Aber das NN Theater ließ sich von ein paar Regenschauern nicht beeindrucken und zeigte in Unna eine heitere Gesellschaftskritik mit Grusel-Momenten.

von Sebastian Pähler

Unna

, 14.08.2019 / Lesedauer: 3 min

Tief in die dunkelsten Gefilde des Schwarzwaldes entführte am Dienstag das „NN Theater“ das Publikum auf dem Platz der Kulturen. „Das kalte Herz“ bot ein Stück düsterer Folklore und zugleich leichtherziger Unterhaltung in der Summertime. Nur das Wetter zeigte sich wenig sommerlich und machte den Besuch zur Herausforderung.

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Geister und Folklore

Kohlenbrenner Peter ist verzweifelt, denn als Köhler steht er ganz unten in der Hierarchie. Alle im Ort blicken auf ihn herab. Beim großen Fest machen sich alle über ihn lustig, alle außer Lisbeth, die ihn liebt, aber nichts mit ihm anfangen darf. Sie soll den Hannes heiraten, der ist der beste Tänzer im Schwarzwald und wohlhabend genug, um mit dem reichen Händler Ezechiel im Wirtshaus würfeln zu können. „Ich bin es so leid, Mutter“, erklärt Peter wütend, „leid, arm zu sein“. Da erinnert sich seine Mutter an die alte Geschichte der Schatzhauserin, einem Waldgeist, der Sonntagskindern Wünsche gewährt.

Gefährliches Tauschgeschäft

Peter kann es nicht erwarten und macht sich auf in den dunkelsten Teil des Schwarzwaldes, wo er der Sagengestalt begegnet. Doch seine ersten beiden Wünsche erweisen sich als wenig durchdacht und bringen ihn noch mehr Schwierigkeiten. Da tritt eine weitere Sagengestalt auf den Plan, der dämonische Holländer-Michel, der Peters Probleme löst, im Austausch dafür aber dessen Herz fordert. An dessen stelle setzt der Holländer-Michel ein kaltes Herz. Doch bald stellt Peter fest, dass er zwar nun weder Angst noch Schmerz verspürt, aber auch keine Liebe.

Beeindruckende Verwandlung

Einige Freiheiten hat sich das NN Theater aus Köln mit dem Märchen „Das kalte Herz“ aus der Geschichtensammlung „Das Wirtshaus im Spessart“ erlaubt. Aber dafür ist es ihnen gelungen, mit wenig sehr viel zu erreichen. So war etwa die Kulisse im Wesentlichen ein riesiger, dunkler Baum, den das Ensemble durch geschicktes Umdekorieren unter anderem in ein Wirtshaus, oder mal in eine Glashütte verwandelte.

Klassische Geschichte mit Gesellschaftskritik und Grusel

Auch die Schauspieler beeindruckten durch ihre Wandlungsfähigkeit. So gelang es dem fünfköpfigen Ensemble durch schnelle Kostümwechsel Dutzende von Charakteren darzustellen, die den Theater-Schwarzwald bevölkerten. Alles in allem überzeugte das NN Theater wieder einmal mit einer Aufführung, die eine klassische Geschichte und Gesellschaftskritik mit Grusel und kurzweiligem Humor verband. Das hätte auch ein größeres Publikum haben können, doch der Regen zu Beginn der Vorstellung schreckte viele ab, auch wenn einige Kulturfreunde der Witterung trotzten.

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