Sturmtief Sabine legt alte Zeitungen frei – als Dichtungsmaterial auf Hof Meininghaus

dzZufallsfund

Vier Monate ist es her, dass Sturmtief Sabine über Unna fegte. Der Wind legte auch längst vergessene Nachrichten frei – Lisa Meininghaus fand sie jetzt durch Zufall auf ihrem Dachboden.

Lünern

, 21.06.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich wollte sie nur sauber machen, oben auf dem Boden des langgestreckten Nebengebäudes ihres Hofes. Doch dann machte Lisa Meininghaus eine unerwartete Entdeckung: Zwischen den Holzrahmen eines alten Fensters steckte eine Zeitungsausgabe des Hellweger Anzeigers von 1932.

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„Wieso die ausgerechnet da steckte, frage ich mich“, sagt Meininghaus, „dass man Zeitungen hinter Tapeten machte, das kenne ich, aber dass man sie auch an Fensterrahmen klebt?“ Genau das scheint aber an dem Fenster gemacht worden zu sein – und zwar im Oktober 1932. Auf den 19. Oktober 1932 datiert nämlich die Zeitung, die Lisa Meininghaus hinter dem Rahmen hervorgeholt hat – in vielen, vielen Einzelteilen. Bis sie das Datum lesen konnte, war einige Puzzle-Arbeit vonnöten: Die Zeitung war zusammengeknüllt worden und im Laufe der Jahrzehnte nicht nur vergilbt, sondern auch porös geworden.

Das Fenster war durch den Sturm im Februar aus seinem Rahmen gefallen - so konnte Lisa Meininghaus die Zeitungsfragmente entdecken.

Das Fenster war durch den Sturm im Februar aus seinem Rahmen gefallen – so konnte Lisa Meininghaus die Zeitungsfragmente entdecken. © Anna Gemünd

„Ich bin an Pfingsten hoch auf den Boden gegangen, um dort sauber zu machen“, erzählt Lisa Meininghaus, wie sie die Zeitung entdeckt hat, „und da lag das komplette Fenster mitsamt des Rahmens und der intakten Scheibe auf dem Boden. Das hat offenbar der Sturm im Februar rausgedrückt.“ Die 82-Jährige wischte die Spinnweben ab und wollte das Fenster wieder einsetzen, als sie die Fragmente der Zeitung entdeckte. „Da war ich ja dann neugierig.“

Putzreste, die deutlich dunkler als der Rest der Fenstereinfassung sind, lassen darauf schließen, dass das Fenster irgendwann mal neu eingefasst wurde – und an diesem Putz klebten die Zeitungsreste. „Vielleicht sollte damit das Fenster zusätzlich abgedichtet werden“, mutmaßt Meininghaus.

Weitere Zeitungsfragmente sind noch immer an der Einfassung des Fensters zu erkennen.

Weitere Zeitungsfragmente sind noch immer an der Einfassung des Fensters zu erkennen. © Anna Gemünd

Der Boden des 1879 gebauten Gebäudes auf dem Hof Meininghaus diente lange Jahre der Hühnerhaltung, steht aber jetzt leer. Lisa Meininghaus ist nicht nur neugierig, warum die Zeitung ausgerechnet an den Rahmen dieses kleinen Fensters gekommen ist, sie ist auch „von Beruf“ wegen schon interessiert an dem, was in der Zeitungsausgabe von 1932 steht. Als Ortsheimatpflegerin von Lünern kennt sie sich mit alten Schriftstücken aus.

„Die Zeitung war aber schwierig zu entziffern, weil sie so porös und zerknüllt war“, sagt Meininghaus. Ein bisschen hat sie aber doch entziffern können: „Von einem Bankeinbruch in Chicago ist die Rede, da haben die Täter offenbar einen Tunnel gegraben.“ Dass ihre Diebestour auch 88 Jahre später noch Schlagzeilen auf einem Hof in Lünern machen würde, werden sich die Täter damals wohl kaum haben träumen lassen.

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