Stromausfall: So funktioniert das Krisenmanagement des Kreises Unna

dzStromausfall in Unna

Fast wäre der Stromausfall für Unna zur Krise geworden. Doch was macht eine Krise wirklich zur Krise? Wir erklären, wie das Krisenmanagement des Kreises Unna funktioniert.

von Jennifer Freyth

Unna

, 30.08.2019, 15:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hätte der großflächige Stromausfall in Unna, den ein Brand im Umspannwerk an der Heisenbergstraße ausgelöst hatte, auch nur eine Minute länger angedauert, hätte das Krisenmanagement des Kreises gegriffen, wäre der Krisenstab einberufen worden. „Wir wollten uns eigentlich gerade ins Auto setzen, als der Strom wieder anging“, berichtet Max Rolke. Auch Stunden später ist dem Pressesprecher des Kreises Unna die Erleichterung in der Stimme noch anzuhören. „Das hätte einen arbeitsreichen Tag für uns bedeutet“, sagt er.

Was macht eine Krise für den Kreis Unna zu einer Krise

Wann wirklich eine Krise vorliegt und der Krisenstab zusammenkommen muss, obliegt dem Landrat zu entscheiden. Doch was macht eine Krise zu einer Krise? „Im Grunde sind das alle Katastrophen, die direkte Auswirkungen auf die Bevölkerung haben und überregional registriert werden“, erklärt Rolke. Zum Beispiel bei Hochwasser, Sturm oder auch wenn die Feuerwehr nicht mehr allein zurechtkommt und weitere Hilfe benötigt. Dann sei der Krisenstab gefordert.

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Im Falle des Stromausfalls am Freitagmorgen wäre es fast dazu gekommen. Landrat Michael Makiolla hatte die Situation über eine Stunde lang genauestens im Auge behalten. „Es gibt ja bestimmte Zeiten, die man mit Notstromaggregaten gut überbrücken kann“, erklärt Rolke. Die im Hinterkopf gehabt, blieb die Kreisverwaltung zunächst gelassen. Doch je länger der Strom wegblieb, desto näher rückte der Ernstfall für den Kreis Unna. Im Grunde war der großflächige Stromausfall in der Kreisstadt schon zur Krise erklärt worden, nur noch nicht offiziell als solche kommuniziert worden – da gingen in Unna wieder die Lichter an.

Der Finger war quasi schon auf dem Krisen-Knopf

Eine Minute später und der Chef der Leitstelle hätte auf den Knopf für den Sammelanruf gedrückt. „Dann wäre der ganze Apparat angelaufen“, sagt Rolke. Das heißt, sämtliche für den Krisenstab wichtige Personen wären per Anruf mit einer automatischen Ansage über die Krise informiert worden.

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„Das ist eine Krise“, bekommen sie dann von einer Computerstimme gesagt. Per Ziffer können sie sogar mitteilen, ob sie sofort zur Lagebesprechung an der Florianstraße eilen, erst in einer Stunde eintreffen oder verhindert sind.

Mit Fachwissen helfen, die Krise zu bewältigen

Zum Krisenstab gehören im Grunde alle wichtigen Leute von Kreisverwaltung, Feuerwehr und Polizei. Alle betroffenen Fachbereiche entsenden je einen Vertreter. „So kann jeder mit seinem spezifischen Fachwissen dazu betragen, die Krise zu bewältigen“, erklärt Rolke.

Stromausfall: So funktioniert das Krisenmanagement des Kreises Unna

Vertreter aus der Kreisverwaltung sowie von Polizei und Feuerwehr gehören zum Krisenstab. © picture alliance / dpa

Im Falle des Stromausfalls zum Beispiel hätten Mitarbeiter des Fachbereichs Planung und Mobilität genau im Blick, wo im Kreis Menschen mit Behinderungen ein besonderes Augenmerk erfordern. Mitarbeiter aus der Öffentlichkeitsarbeit hätten überlegt, an welchen Stellen im Stadtgebiet sie Informationspunkte einrichten können, um die Bürger mit Informationen zu versorgen. Schließlich war auch die Telefon- und Internetverbindung lahmgelegt – mit Ausnahme der Leitstellen, die erreichbar geblieben sind. Auch Fragen nach überörtlicher Hilfe, etwa die Versorgung mit weiteren Notstromaggregaten oder die Verlegung von Patienten, können so in großer Runde geklärt werden.

Was nach viel Aufregung klingt, packt der Kreis Unna aber schon fast routiniert an. „Wir sind da recht gut in der Übung“, sagt Rolke selbstbewusst. Nicht nur, weil der Krisenstab im Kreis Unna regelmäßig gefordert sei, sondern auch, weil es regelmäßige Schulungen für den Ernstfall gebe.

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