Stromausfall beschert dem Krisenstab der Sparkasse Unna-Kamen zum ersten Mal Arbeit

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Nichts ging mehr in ganz Unna. Fast nichts. Zwei Geldautomaten im Foyer der Sparkassen-Hauptstelle an der Bahnhofstraße spuckten Geld aus wie eh und je. Das ist der Grund.

von Jennifer Freyth

Unna

, 30.08.2019, 11:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit etwa acht Jahren gibt es bei der Sparkasse Unna-Kamen einen Krisenstab. Bislang kam das siebenköpfige Team stets nur testweise zusammen – offiziell musste der Krisenstab noch nie einberufen werden. Bis jetzt, als es im Umspannwerk Unna zu einem Brand kam.

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„Die Praxis hat gezeigt, dass alles funktioniert“, sagt Marco Bojda, stellvertretender Notfallbeauftragter. Eine halbe Stunde, nachdem in Unna wieder die Lichter angingen, kann auch er schon wieder schmunzeln.

Bojda zählte zu den ersten Mitarbeitern, die in der Hauptstelle mitten in der Unnaer Fußgängerzone vor Ort waren. In den Geschäftsräumen an der Bahnhofstraße ploppte zunächst eine Meldung des Rechenzentrums auf, dass die Filialen in Unna nicht erreichbar seien. Die Mitarbeiter wollten der Sache gerade auf den Grund gehen – da erwischte es auch schon ihre Hauptstelle. Nichts ging mehr. Das war um 8.40 Uhr. 20 Minuten später hätte die Sparkasse öffnen sollen. Doch so weit kam es an diesem Freitagmorgen nicht.

Zwei riesige Akkus halten zwei Geldautomaten am laufen

Die Sparkasse blieb zu. Ein Ergebnis, zu dem der kurzfristig einberufene Krisenstab kam, der das weitere Vorgehen besprach. Und das sah eben vor, die Hauptstelle geschlossen zu halten. Mit Ausnahme des Foyers. Dort fingen die Sparkassen-Mitarbeiter nicht nur jene Kunden ab, die einen Termin in dem Geldinstitut hatten. Hier gab es auch noch zwei von wenigen Geldautomaten in der Unnaer Innenstadt, die noch Bargeld ausspuckten.

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„Wir haben für solche Notfälle zwei riesige Akkus im Keller, die für eine USV sorgen“, erklärt Bojda – und meint damit eine unterbrechungsfreie Stromversorgung. 240 Minuten Restlaufzeit hätten die den beiden Geldautomaten noch gegeben – vorausgesetzt, die Bargeldvorräte hätten so lange ausgereicht. Vorgeschrieben ist die Gewährleistung der Bargeldversorgung nicht. „Wir haben das aber so für unser Haus entschieden“, sagt Bojda. Und damit nun das erste Mal gute Erfahrungen gemacht.

„Da kann im Vorfeld so viel planen wie man will, in so einer Situation ist man machtlos.“
Marco Bojda, stellvertretender Notfallbeauftragter der Sparkasse Unna-Kamen

Auch wenn Geldautomaten nicht zwingend am Netz sein müssen – insgesamt müssen Banken in Deutschland in solchen Situationen einen Notfallbetrieb gewährleisten. Um genau das sicherstellen zu können, hat die Sparkasse eben jenen Krisenstab gegründet. Und die riesigen Akkus im Keller. Die haben neben den beiden Geldautomaten auch noch etwa eine Handvoll Rechner mit Strom versorgt. „Im Prozessmanagement, also da, wo es wichtig ist“, sagt Bojda. Die übrigen knapp 200 Arbeitsplätze blieben hingegen dunkel. Wie überall in der Stadt.

Krisenstab sollte stündlich zusammenkommen

Jede Stunde und damit das nächste Mal um 10 Uhr hätte der Krisenstab wieder zusammenkommen sollen. Doch so weit kam es nicht. Gegen kurz nach halb zehn gingen in Unna bekanntlich allmählich wieder die Lichter an. Die Stadt erwachte aus ihrem kurzzeitigen Schlaf – und die Kunden strömten wieder in die Geschäftsräume. An den Geldautomaten und Schaltern bildeten sich lange Schlangen. Etwa viermal so viele Kunden wie üblich zum Monatsende, schätzt Pressesprecher Andreas Schlüter, seien aufgrund des Stromfalls in die Hauptstelle geströmt. Eine halbe Stunde später war aber auch das schon wieder Geschichte.

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