Stressfrei durch den Alltag: Redakteurin testet Achtsamkeitskurs in Unna

dzErfahrungsbericht

Stress und ständige Ablenkung sind für viele Menschen Teil des Alltags. Redakteurin Vivien Nogaj hat gelernt, was Achtsamkeit bedeutet und festgestellt: Bewusst im Moment zu leben ist erstaunlich schwierig.

Unna

, 15.01.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn die Schlange an der Supermarktkasse lang ist und die Wartezeit überbrückt werden muss, geht der erste Griff oft automatisch zum Smartphone. Das Gefühl, die ungenutzte Zeit füllen zu müssen, nimmt Überhand, nur selten schafft man es, den Moment des Nichtstuns auszuhalten. Warum es gut sein kann, das Hier und Jetzt auch mal bewusst wahrzunehmen, statt sich abzulenken, hat Redakteurin Vivien Nogaj sich von Achtsamkeitstrainerin Ilse Schabsky erklären lassen.

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Die Mutter von zwei Kindern und Beraterin für betriebliches Gesundheitsmanagement gibt in Unna Achtsamkeitskurse, die das Leben der Teilnehmer positiv verändern sollen. Aber wie kann das gelingen? Und was bedeutet Achtsamkeit überhaupt? „Achtsam sein heißt, im Moment präsent zu sein, ohne die Gedanken auf Erlebnisse in der Vergangenheit oder Aufgaben in der Zukunft zu richten“, erklärt Schabsky. Dieser Zustand könne durch entspannende Übungen und Meditation erlernt werden, auch, wenn das den meisten Menschen zu Beginn nicht leicht falle: „Viele meiner Kursteilnehmer sagen mir, dass sie es nicht schaffen, an nichts zu denken. Man denkt ja immer irgendetwas.“

Meditation für bewusstes Wahrnehmen

Und auch ich merke bei einer Übung, die Schabsky mir zeigt, wie schwer es ist, sich einfach nur auf den Atem zu konzentrieren. Schnell schweifen die Gedanken ab: Ich überlege schon während der Meditation, wie ich das Erlebte am besten verschriftlichen kann und was ich sonst noch alles erledigen muss. Schabsky lenkt mich währenddessen mit ruhiger Stimme immer wieder auf den Moment zurück: „Wenn die Gedanken kreisen, konzentriere dich wieder auf deinen Atem“, leitet sie mich an.

Stressfrei durch den Alltag: Redakteurin testet Achtsamkeitskurs in Unna

Auch in der Natur könne man gezielt Ruhe finden. Ilse Schabsky bietet daher auch Kurse zum „Waldbaden“ an. © Marcel Drawe

„Meist sind wir in einer Art Autopilotmodus und funktionieren einfach. Wenn wir etwa mit dem Auto unterwegs sind, wissen wir oft gar nicht, wie wir ans Ziel gekommen sind.“
Achtsamkeitstrainerin Ilse Schabsky

Durch die Übung wird mir bewusst, wie wenig Zeit wir uns im Alltag nehmen, einen bestimmten Moment mit allen Sinnen wahrzunehmen: Beim Frühstück wird schon die Zeitung gelesen, beim Spaziergang Musik gehört und bei der Hausarbeit der Fernseher eingeschaltet. Selten ist uns dabei bewusst, was genau wir tun. Das kann Schabsky bestätigen: „Meist sind wir in einer Art Autopilotmodus und funktionieren einfach. Wenn wir etwa mit dem Auto unterwegs sind, wissen wir oft gar nicht, wie wir ans Ziel gekommen sind.“

Automatismen unterbrechen ohne Verbote

Automatismen wie diese machen den Alltag auf der einen Seite zwar leichter, weil wir nicht jede Handlung hinterfragen müssen, nehmen uns auf der anderen Seite aber auch den Spielraum, bewusst eine Entscheidung zu treffen. Etwa dann, wenn wir an der Kassenschlange mal wieder wie fremdgesteuert zum Smartphone greifen, ohne darüber nachzudenken. Die Achtsamkeit soll lehren, solche Automatismen zu unterbrechen, jedoch immer, ohne Verbote auszusprechen: „Es geht ja nicht darum, das Handy nicht mehr zu benutzen, sondern lediglich darum, sich im Klaren zu sein, ob man das gerade wirklich will.“ So könne man beispielsweise tief durchatmen, bevor man in die Tasche greift, oder sich dafür entscheiden, einfach mal die Umgebung zu beobachten.

Infos und Kontakt

Achtsamkeitstrainerin Ilse Schabsky

Ilse Schabsky bietet verschiedene Kurse wie Stressbewältigung, Waldbaden und Grundlagen der Achtsamkeit an. Bei Interesse ist sie unter der Mailadresse info@wegderachtsamkeit.de oder der Telefonnummer 02301 / 94 41 48 zu erreichen.

Schafft man sich immer öfter solche bewusste Auszeiten, gelinge es laut Schabsky nach einiger Zeit, auch stressige Situationen besser auszuhalten und sich auf die guten Dinge im Leben zu fokussieren. Das sei letztlich auch das Ziel der Achtsamkeit. „Der Mensch ist von Natur aus darauf ausgerichtet, das Negative im Fokus zu haben. Die Achtsamkeit hingegen lehrt, den Fokus auf das Positive im Moment zu lenken“, sagt Schabsky.

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