Streit um Unnas Platanenallee: Radfahrer auf dem Bürgersteig wurden gar nicht gezählt

dzFahrradstraße

Wie viele Fahrradfahrer sind denn nun unterwegs an der umstrittenen Platanenallee? Sicher weiß das auch die Stadtverwaltung nicht. Denn wer nicht korrekt radelt, wird auch nicht gezählt.

Königsborn

, 31.10.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit einer Klarstellung und einer erneuten Zählung will die Stadtverwaltung den umstrittenen Beschluss gegen die Einrichtung einer Fahrradstraße an der Platanenallee absichern. Kritiker aber überzeugt das Rathaus damit nicht. Sie zweifeln auch die neue Zählung an – und haben recht.

Radfahrer auf dem Bürgersteig

Der Anteil der Fahrradfahrer am Verkehrsaufkommen an der Platanenallee liegt bei maximal zwölf Prozent. Eine Zählung der Stadt im Sommer hat das ergeben, eine weitere im Oktober hat es bestätigt. Wie viele Radfahrer bei diesen Zählungen nicht berücksichtigt wurden, ist aber unbekannt. „Es sind auch viele Fahrradfahrer auf dem Bürgersteig unterwegs“, sagt ein Anwohner. Er verweist insbesondere auf den Schülerverkehr morgens und mittags. Die städtische Zählung vermittle einen falschen Eindruck, meint er.

Zählung nur für die Fahrbahn

Die Verwaltung bestätigt: Die Zählkästen, die an zwei Stellen je eine Woche lang Fahrzeuge registriert haben, erfassten nur den Verkehr auf der Fahrbahn. Radfahrer auf dem Bürgersteig fuhren ungezählt daran vorbei. Diese Radler sind eben offiziell nicht Teil des Straßenverkehrs: Das Radfahren auf dem Bürgersteig sei nicht erlaubt, teilte die Pressestelle der Verwaltung dazu mit.

Streit um Unnas Platanenallee: Radfahrer auf dem Bürgersteig wurden gar nicht gezählt

Dieses Bild aus den städtischen Unterlagen zum Thema Platanenallee zeigt einen der Zählkästen. Er registrierte nur Verkehr auf der Fahrbahn. © Stadt Unna

Rathaus: keine hundertprozentige Erfassung möglich

Eine vernünftige Zählung sei das nicht, meint Helmut Papenberg vom ADFC. Etliche Radfahrer nutzten gerade zu Stoßzeiten lieber den Bürgersteig als die stark mit Autoverkehr belastete Straße. Zudem seien viele Radfahrer auf dieser Achse an anderen Stellen an den Zähleinrichtungen vorbeigefahren. Auch das wird im Rathaus nicht bestritten. „Eine hundertprozentige Erfassung gibt es nicht“, sagte Verwaltungssprecher Christoph Ueberfeld. Es gebe auch Radverkehr durch den Kurpark. Und denkbar sei auch, dass Radfahrer die Zählkästen gezielt umfuhren oder mehrmals passierten, um die Zählung zu verfälschen. Ausschlaggebend für die Grundaussage ist das aber nach Einschätzung der Verwaltung nicht. Selbst wenn alle Radler hinzugezählt würden, die nicht ordnungsgemäß über die Fahrbahn fahren, würde das das Ergebnis nicht maßgeblich verändern, so Ueberfeld.

ADFC: Straße sicherer machen

Letztlich muss also eher von einer Schätzung als einer Zählung gesprochen werden. Dass der Autoverkehr an der Platanenallee überwiegt, bestreiten allerdings auch Fahrradlobbyisten nicht. „Das ist ja selbstverständlich“, sagt Papenberg, weil 60 Jahre lang alles für Autofahrer gebaut wurde.“ Nun müsse daran gearbeitet werden, die Straße für Fahrradfahrer sicherer zu machen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Zeitzeugenbericht
Geschichtsunterricht mal anders: Holocaust-Überlebende besucht die Hellweg-Realschule in Massen