Historisches Vorrecht für Bauern? Streit um Straße in Lünern geht nach Eilentscheid weiter

dzVor dem Holz

Der Streit um das Bauern-Durchfahrtverbot im ländlichen Nordlünern ist noch lange nicht vorbei. Die Gegner der aktuellen Regelung sehen ihre Befürchtungen bestätigt: mehr Verkehr im Dorf.

Unna

, 17.11.2020, 08:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Auseinandersetzung um einen Wirtschaftsweg im Norden von Lünern geht weiter. Anfang Oktober hatte das Verwaltungsgericht im Eilverfahren einem Anwohner Recht gegeben. Die Stadt Unna hat daraufhin die Beschilderung geändert. Geht es nach den örtlichen Landwirten, dann soll dies aber nicht so bleiben.

Die Straße Vor dem Holz darf mit Fahrzeugen über 2,8 Tonnen nicht befahren werden. Für landwirtschaftlichen Verkehr galt eine Ausnahme, eben diese aber hat das Gericht gekippt. Nun gilt nur noch „Anlieger frei“. Hintergrund: Der klagende Anwohner sieht sich durch die schweren Fahrzeuge belastet. Ein Problem ist dabei offenbar auch der Verkehr, der zu einer Biogasanlage in Bönen gehört.

Kilometerlange Umwege

Ein landwirtschaftlicher Kollege von ihm wolle gegen das Durchfahrtverbot Einspruch erheben, berichtet Werner Clodt, CDU-Ratsherr und designierter Ortsvorsteher von Lünern-Stockum. Es gehe einerseits darum, dass die Landwirte sich dies „nicht gefallen lassen“ könnten, so Clodt. Teils müssten Bauern mehrere Kilometer Umweg fahren, um zu ihren Feldern zu gelangen.

Hier rollt jetzt ein Teil des landwirtschaftlichen Verkehrs durch, der „Vor dem Holz“ nicht mehr passieren darf. Die Kuhstraße werde belastet, berichtet der designierte Ortsvorsteher Werner Clodt.

Hier rollt jetzt ein Teil des landwirtschaftlichen Verkehrs durch, der „Vor dem Holz“ nicht mehr passieren darf. Die Kuhstraße werde belastet, berichtet der designierte Ortsvorsteher Werner Clodt. © Marcel Drawe

Mehr Verkehr in Lünern

Andererseits steige nun die Verkehrsbelastung in Lünern. Als Ausweichstrecke würden die Landwirte mit ihren Gespannen unter anderem die Kuhstraße nutzen. „Das ist das, was wir immer verhindern wollten“, so Clodt. Die teils enge Kuhstraße werde auch viel von Fußgängern genutzt, darunter auch Kindern.

Straße „schon immer“ für die Bauern

Nach Clodts Einschätzung wurde die Straße Vor dem Holz schon seit Jahrzehnten von den Bauern genutzt. Er berichtet von Gesprächen mit alten Lünernern, wonach die Strecke stets für den landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben gewesen sei. Die Straße sei sogar ursprünglich für die Bauern in ihrer heutigen Form angelegt worden. Nach Clodts Recherchen sei der Wirtschaftsweg Anfang der 1960er-Jahre angelegt worden, finanziert nach dem „Grünen Plan“. Dieser war ein Förderprogramm, mit dem die Landwirtschaft in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg neu strukturiert wurde. Um die Nahrungsmittelversorgung zu sichern, sollten Agrarflächen so zugeschnitten werden, dass sie möglichst leicht zu bewirtschaften sind - also auch möglichst leicht zu erreichen.

Auch Stadt prüft Sachlage erneut

Wie die endgültige Lösung für die Straße aussieht, ist weiterhin offen. Das Hauptverfahren am Verwaltungsgericht läuft noch. Im Unnaer Rathaus werde nicht bloß eine Gerichtsentscheidung abgewartet, berichtete Stadtsprecher Christoph Ueberfeld. Die Sachlage werde auch in der Verwaltung derzeit neu geprüft.

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