Streit um den Erhalt eines der ältesten Gebäude in Unnas Stadtkern

dzDenkmalschutz

Eines der ältesten Gebäude in der Innenstadt steht vor dem Verfall. Doch zwischen Stadt und Eigentümer besteht Uneinigkeit in der Frage, was zu tun ist. Das Verwaltungsgericht soll es klären.

Unna

, 13.09.2019, 17:01 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die offizielle Adresse am Markt 2/3 steht für die prominente Lage des Wohn- und Geschäftsgebäudes aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Doch in einer über Jahrhunderte gewachsenen und verschachtelten Altstadt zeigt das Haus den Passanten drei unterschiedliche Gesichter.

Besucher des Marktes sehen eine verputzte Fassade, hinter der die Bäckerei Vielhaber und Tedi ihren Geschäften nachgehen. Vom Kirchplatz aus erkennt man das unverkleidete Fachwerk, das zum malerischen Charakter dieser Ruheinsel in der Innenstadt beiträgt. Und auch vom Krummfuß aus gibt es einen Blick auf das Gebäude. Dieser aber ist reichlich trostlos und lässt am ehesten ahnen, wie es um das Haus bestellt ist.

Streit um den Erhalt eines der ältesten Gebäude in Unnas Stadtkern

Die „namensgebende“ Seite des Hauses am Markt 2/3 fügt sich mit einer verputzten Fassade in die Bebauung ein. Dass dahinter ein Fachwerkgebäude steckt, verrät die Gebäuderückseite am Kirchplatz. © UDO HENNES

Die Dachkonstruktion des Gebäudes ist beschädigt und verlangt nach einem Eingreifen. Eine provisorische Absicherung will Eigentümer Jörn Gurlitt schon nach dem Kauf der Liegenschaft im Jahr 2012 in Auftrag gegeben haben. Doch auch ihre Tragfähigkeit schien zuletzt infrage zu stehen. Die Stadt Unna intervenierte danach, indem sie auf eigene Rechnung eine Notsicherung einbauen ließ.

Zwischen der Stadt und Eigentümer Gurlitt gibt es Uneinigkeit in der Frage, wie dieses Gebäude in tauglicher und vom Aufwand vertretbarer Weise zu sichern sei. Der Fall liegt zurzeit beim Verwaltungsgericht Gelsenkirchen. Dessen zuständiger Richter will nun einen Ortstermin anberaumen, um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen.

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Jörn Gurlitt ist ein erfahrener Immobilieninvestor. In der Unnaer Innenstadt gehören ihm mehrere Gebäude, so etwa das von Douglas wenige Schritte weiter bergab an der Bahnhofstraße und das von C&A auf der gegenüberliegenden Seite des Alten Marktes. Dort bewies er sensiblen Umgang mit historischen Gebäuden. Allerdings gehört ihm auch das Grundstück an der Massener Straße 13, das nach dem Abriss eines einst denkmalgeschützten Fachwerkhauses im Jahr 2012 brach liegt.

Gurlitt meint, dass die Dachkonstruktion des Gebäudes nicht mit vertretbarem Aufwand zu retten sei. Schon im vergangenen Jahr hatte er bei der Stadt eine Abrissgenehmigung für das Dachgeschoss beantragt – begründet als Maßnahme zur Gefahrenabwehr. Gurlitt schlug darüber hinaus einen Neuaufbau des Daches vor, der sich allerdings ein wenig von der heutigen Dachform unterschieden hätte.

Angst vor Abriss mit Salami-Taktik

Die Stadt lehnte ab, weil sie der Argumentation des Eigentümers in mehreren Punkten nicht zu folgen vermochte. So habe man dem Eigentümer Fördermöglichkeiten aufgezeigt, bei denen bis zu 70 Prozent der Kosten von der öffentlichen Hand getragen worden wären. Auch Nutzungskonzepte für die Immobilie vermag die Verwaltung zu skizzieren. Offenkundig überzeugt dies wiederum nicht den Eigentümer. Und so müssen halt die Richter entscheiden.

Hinter dem Streit ums Dach mögen noch weitere Ziele beziehungsweise Sorgen stehen. Gurlitt verweist darauf, dass sich die Unterschutzstellung der Immobilie auf eine überschaubare Zahl von Gebäudeteilen stützt. Auffällig ist: Die meisten finden sich in Dach- und Deckenkonstruktion. Aus Sicht des Denkmalschutzes wird das Haus nach oben hin immer wertvoller. Würde man Gurlitt den Abriss der Dachkonstruktion gestatten, könnte das eine Tür zum Abriss des gesamten Gebäudes öffnen. Das will die Stadt mit allen Mitteln verhindern, weil der Schutz historischer Gebäude gerade in der Innenstadt ein sehr hohes Gut in Unna ist.

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