Streit über künftige Finanzierung: 50.000 Euro teures Gutachten zur Werkstatt-Zukunft

dzWerkstatt im Kreis Unna

Die Werkstatt im Kreis Unna erreicht jedes Jahr 6000 Menschen mit Bildungs- und Beschäftigungsangeboten. Doch die Finanzierung ist umstritten, eine Lösung nicht in Sicht. Dafür aber ein 50.000 Euro teures Gutachten.

Unna

, 03.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Stadt Unna sieht sich bei der Finanzierung der Einrichtung, die in allen kreisangehörigen Städten und Gemeinden außer Werne aktiv ist, seit Langem benachteiligt. Ende Januar hatte die Unnaer SPD deshalb zum wiederholten Male einen Vorstoß unternommen, um die kommunalen Zuschüsse der Werkstatt-Angebote aus ihrer Sicht künftig gerechter zu verteilen. Der Vorschlag: Ein externer Gutachter möge prüfen, ob sich zumindest Teile der Werkstatt in die Trägerschaft des Kreises überführen lassen. Eine damit einhergehende Finanzierung über die Kreisumlage würde bedeuten, dass alle zehn Städte und Gemeinden daran beteiligt wären. Die Stadt Unna, die mit bisher 500.000 Euro im Jahr den größten kommunalen Zuschuss leistet, könnte entlastet werden, andere Städte, die bisher deutlich weniger oder im Falle der Stadt Werne gar nichts zuschießen, würden hingegen belastet.

Streit über künftige Finanzierung: 50.000 Euro teures Gutachten zur Werkstatt-Zukunft

Die Karte zeigt die Verteilung der insgesamt 18 Standorte der Werkstatt in der Region. Neben der Aus- und Weiterbildung in 20 Berufsfeldern gehört die Kooperation mit 32 Schulen im Kreis und die Zusammenarbeit mit 1200 Betrieben zum Angebotsspektrum. © Grafik: Leonie Sauerland

Dass dieses Szenario beispielsweise im Werner Rathaus auf wenig Gegenliebe stößt, kann nicht überraschen – schließlich gibt es dort weder einen Werkstatt-Standort noch Teilnehmer an Bildungsangeboten. Insofern zeichnete sich bereits vor dem Kreistag am Dienstag Widerstand gegen die Pläne aus Unna ab. Mit der CDU sprach sich die zweitgrößte Fraktion im Kreistag in einer Pressemitteilung klar dagegen aus, die Werkstatt-Angebote in die Finanzverantwortung des Kreises zu überführen. „Wir erkennen an“, sagt Fraktionschef Wilhelm Jasperneite darin zwar, „dass die Werkstatt Unna eine gute Arbeit macht. Wir erkennen auch an, dass die Kreisstadt Unna überproportional zur Finanzierung der Einrichtung beiträgt.“ Aber der Kreistag sei nun einmal für die Wahrung der Interessen aller zehn kreisangehörigen Städte und Gemeinden verantwortlich.

„Mit einer Verlagerung auf den Kreis wird das Problem nicht gelöst, sondern eine Ungerechtigkeit durch eine andere Ungerechtigkeit ersetzt.“
Gerhard Meyer, CDU

„Mit einer Verlagerung auf den Kreis wird das Problem nicht gelöst, sondern eine Ungerechtigkeit durch eine andere Ungerechtigkeit ersetzt“, wird Gerhard Meyer, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der CDU im Kreistag, in der Mitteilung zitiert. Es sei nicht einsichtig, dass Kommunen, die gar keine Leistungen der Werkstatt Unna in Anspruch nähmen, über die Kreisumlage zu deren Finanzierung herangezogen würden. Stattdessen schlug die CDU vor, dass die Kommunen, die Leistungen der Werkstatt in Anspruch nehmen, sich untereinander auf eine gerechte Finanzierung einigen. Der Kreis sei außen vor, ein 50.000 Euro teures Gutachten entbehrlich.

Genau das wurde allerdings nun im Kreistag beschlossen, der damit mit großer Mehrheit dem Wunsch aus dem Unnaer Stadtrat entsprach. Brigitte Cziehso, SPD-Fraktionschefin im Kreistag, betonte, dass es sich bei dem Gutachten um eine ergebnisoffene Prüfung handeln werde. Der Gutachter soll also klären, ob es überhaupt möglich ist, die Werkstatt zumindest in Teilen in die Trägerschaft des Kreises zu überführen. Die Kosten für das Gutachten werden Stadt und Kreis sich teilen.

500 Mitarbeiter in fünf Gesellschaften

Die Werkstatt im Kreis Unna beschäftigt 500 Mitarbeiter in fünf Gesellschaften und erreicht jährlich über 6000 Menschen. Die Kernangebotsfelder sind:

  • in der Schule (als präventive Angebote): Schulsozialarbeit, Potenzialanalyse, Berufsorientierung, Bewerbungstraining, Elternarbeit
  • nach der Schule (Übergang Schule-Ausbildung): assistierte Ausbildung, Jugendwerkstatt, Produktionsschule, Berufsausbildung, Schulsoziarbeit in Berufskollegs
  • nach der Ausbildung (Übergang in Arbeit): Umschulung, Nachqualifizierung, Trainings, Gesundheitsförderung, Beschäftigungsförderung

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