Streit um Fahrradstraße: Stadt Unna zählt im Herbst noch weniger Radler auf Platanenallee

dzRadverkehr

Die Stadt Unna will den Beschluss gegen die Platanenallee als Fahrradstraße niet- und nagelfest machen. Sie hat eine weitere Verkehrszählung ausgewertet und will die Fahrradlobby auch mit dem Duden überzeugen.

Unna

, 27.10.2019, 14:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Streit um die Einrichtung einer Fahrradstraße auf der Platanenallee legt die Stadtverwaltung weiteres Beweismaterial vor, das den derzeit noch geltenden Beschluss untermauern soll: Eine weitere Verkehrszählung belegt, dass Autos und nicht Fahrräder auf dem Straßenabschnitt vorherrschen. Und auch das deutsche Wörterbuch soll Kritiker zum Einlenken bewegen.

Der Ausschuss für Feuerschutz, Sicherheit und Ordnung (FSO) hatte im September mit knapper Mehrheit beschlossen, dass die Platanenallee nicht zu einer Fahrradstraße werden soll. Vier Ausschussmitglieder hatten nach der Sitzung Einspruch eingelegt. Sie hatten Fehler in der Datentabelle ausgemacht, mit der die Stadtverwaltung den Radverkehrsanteil auf der Straße dargestellt hatte.

Stadtrat soll am Donnerstag entscheiden

Ob der Einspruch gegen den Ausschussbeschluss gültig ist, muss nun der Stadtrat entscheiden. Vor dessen Sitzung am 31. Oktober veröffentlichte die Verwaltung nun ein neues Dokument zu dem Thema. Es soll offiziell erst im nächsten FSO im November auf die Tagesordnung kommen, offenbar für den Fall, dass der Rat das Thema tatsächlich noch einmal diesem Gremium zur Entscheidung vorlegt. Das Papier wäre aber auch geeignet, die Mitglieder des Rates an diesem Donnerstag zu überzeugen, wenn sie die Darstellung akzeptieren. In der neuen Drucksache räumt die Verwaltung ein, eine Tabelle für den FSO im September sei nicht korrekt dargestellt gewesen. Richtig dargestellt komme man aber zur selben zentralen Aussage: Der Anteil der Radfahrer am gesamten Verkehrsaufkommen liege unter zwölf Prozent.

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Herbstzählung bestätigt geringe Fahrradquote

Neue Zahlen sollen das untermauern: Im Oktober ließ die Stadt erneut die Verkehrslage auswerten: Zwei Fahrräder zwischen 12 und 13 Uhr, vier zwischen 13 und 14 Uhr, in der Stunde darauf noch einmal drei. Insgesamt 43 Fahrräder wurden beispielsweise am 5. Oktober auf der Platanenallee zwischen Hubert-Biernat- und Döbelner Straße gezählt. Im selben Zeitraum registrierte der Zählkasten, den die Stadt eingesetzt hatte, 461 Autos, also mehr als das Zehnfache. Insgesamt liegt laut der Oktoberzählung der Radverkehrsanteil bei 10,2 Prozent. Selbst zur Zeit des morgendlichen Schulbeginns werde noch nicht einmal eine Verdoppelung der Fahrradquote erreicht.

Duden aufschlussreicher als Rechtsprechung

Kritisch diskutiert wurde in den politischen Sitzungen allerdings auch die Frage, welche juristischen Auswirkungen ein geringerer Radverkehrsanteil überhaupt hat. So kann laut Gesetz dem Radverkehr Vorrang eingeräumt werden, wenn er überwiegt oder dies „alsbald zu erwarten“ ist. Der Begriff „alsbald“ wird im Rathaus und in der Politik unterschiedlich interpretiert. Befürworter einer Fahrradstraße rechnen mit einer deutlichen Zunahme des Radverkehrs, unter anderem durch den Bau des Radschnellwegs RS1, der durch Unna führen soll und für den die Platanenallee eine wichtige Zubringerstrecke wäre. Aber wann? „Alsbald“? Es sei richtig, dass durch die Rechtsprechung dieser Begriff bisher nicht ausgelegt worden sei, heißt es in der aktuellen Vorlage aus dem Rathaus.„Hilfsweise kann hier aber auf den Duden zurückgegriffen werden.“ Und im zentralen Deutsch-Wörterbuch fanden die Verwaltungsfachleute unter dem Stichwort „alsbald“ nun die Bedeutungen „sogleich und kurz danach“ sowie Synonyme wie „augenblicklich, gleich, kurzfristig, nächstens, prompt, schnellstens“ und weitere. Der RS1 in Unna werde aber nicht vor 2025 realisiert.

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