Der CDU gehen erneut die Ratsleute von der Fahne. Mit einem der Abtrünnigen rechnet Fraktionschef Rudolf Fröhlich nun öffentlich ab. Die Reaktion: Eine Rücktrittsforderung an Fröhlich.

Unna

, 10.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Die Erklärung, die Vize-Bürgemeister Frank-Holger Weber für seinen Austritt aus der CDU-Ratsfraktion geliefert hat, bot Anfang Juni Grund für ein Stirnrunzeln. Angeblich sei in der Fraktion behauptet worden, Weber wolle Geschäftsführer der WBU werden und sei dafür sogar bereit, in die SPD einzutreten – so habe man es ihm zumindest zugetragen.

Derlei Gerüchte wirken regelrecht albern; im Umlauf waren sie aber wohl tatsächlich. Und befeuert wurden sie von keinem Geringeren als Fraktionschef Rudolf Fröhlich. Als Beleg dafür gilt eine E-Mail, deren Existenz er selbst einräumt.

Schreiben von Fröhlich zieht weite Kreise

Geschrieben hat Fröhlich sie an Bürgermeister Werner Kolter. Geschickt hat er sie aber auch an einige andere Adressaten – was sich rückblickend als ungeschickt erwies, da der Text schließlich weite Kreise zog und ein an sich nicht-öffentliches Thema in den öffentlichen Raum geriet.

In der Mail lässt sich Fröhlich unter anderem darüber aus, dass Weber, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der WBU ist, das Büro der bisherigen WBU-Prokuristin Ines Brüggemann benutze, wenn diese nicht da ist. Da sind die Parallelen zu den Gerüchten über Webers vermeintliche Ambitionen leicht ersichtlich.

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Streitpunkt: 141.000 Euro für WBU-Chefposten

Eigentliches Thema der Mail war ein Streit um die Bestellung Brüggemanns als neue Geschäftsführerin der WBU. Für eine Funktion, die zuvor vom Ersten Beigeordneten Karl-Gustav Mölle für eine Zulage von 6.000 Euro jährlich mit besetzt wurde, setzte die Gesellschafterversammlung nun eine Doppelspitze aus Brüggemann und Mölles Nachfolger in der Stadtkämmerei, Achim Thomae, ein. Brüggemann sollte für ihre Beförderung Jahresbezüge von 141.000 Euro plus Dienstwagen bekommen. So hoch ist nicht einmal das Fixum von Stadtmarketing-Chef Horst Bresan.

Weber und Dreisbusch in einen Topf gesteckt

Dann aber muss es nach Fröhlichs Darstellung Probleme gegeben haben: WBU-Aufsichtsratschef Weber und sein Stellvertreter Bernd Dreisbusch (SPD) hätten den Vertragstext für Brüggemann anders gestaltet als aufgetragen. Das wertete Fröhlich als eigenmächtige Blockade durch das Duo Weber/Dreisbusch. Womit auch Gerüchte über einen Parteienwechsel Webers erklärbar werden.

Vorwurf: Fröhlich bricht die Nicht-Öffentlichkeit

Wichtiger als der Streit um die Bezüge der WBU-Chefin wurde in den folgenden Tagen die Art, wie er ausgefochten wurde. Schon im Stadtrat bekam Rudolf Fröhlich kritische Worte von Bernd Dreisbusch zu hören, der zurzeit auch kommissarisch die Ratsfraktion der SPD leitet: Fröhlich habe „mindestens billigend in Kauf genommen“, dass seine Mail und damit auch die Vorwürfe an Weber und Dreisbusch in Umlauf geraten. Und damit habe er die Nicht-Öffentlichkeit des Vorganges aufgelöst.

Fröhlich stritt dies ab, obwohl es nicht das erste Mal ist, dass er schlechte Erfahrung mit der Weiterleitung seiner Schriftstücke gemacht hat. Der einzige Vorwurf, der ihm zu machen sei, sei wohl dieser, dass er naiv genug gewesen sei, auf einen vertraulichen Umgang mit der Mail im Kreis der Empfänger zu setzen, hielt Fröhlich der Kritik Dreisbuschs entgegen. Schuld sei aber eben derjenige, der auf die Schaltfläche „Weiterleiten an“ geklickt hat.

Nun allerdings widerspricht sich Fröhlich selbst. In einer Stellungnahme auf der Internetseite der CDU in Unna setzt sich Fröhlich mit den jüngsten Austritten aus der Ratsfraktion auseinander. Zudem kommentiert er die Geschehnisse rund um die WBU. Im Wesentlichen wiederholt er seine Kritik an Frank-Holger Weber, nur eben diesmal öffentlich. Begründung: Sie seien jetzt ohnehin bekannt.

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Weber fordert nun Fröhlichs Rücktritt

Weber reagierte entrüstet darauf, wirft seinem bisherigen Fraktionsvorsitzenden Lügen vor. Was genau an der Darstellung Fröhlichs falsch ist, muss Weber indes offen lassen, wie er gegenüber unserer Redaktion erläuterte: An den Grundsatz, dass Vertragsangelegenheiten aus Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung der WBU nicht-öffentlich sind, fühle er sich weiterhin gebunden – anders offenbar als Rudolf Fröhlich. „Ich bin wirklich entsetzt darüber, was der Fröhlich da macht und habe keine Vorstellung, warum er es macht“, sagt Weber. „Da muss er sich jetzt öffentlich entschuldigen, finde ich. Und am besten gleich zurücktreten.“

Parteichef Meyer hält noch zu Fröhlich

Damit steht ein Szenario im Raum, das die CDU zuletzt noch zu vermeiden suchte. Der Stadtverbandsvorsitzende Gerhard Meyer erklärte die Austritte aus der Ratsfraktion zuletzt mit persönlichen Motiven, die nicht auf grundsätzliche Probleme innerhalb der Fraktion schließen ließen. Für Kritik an Rudolf Fröhlich sah Meyer dabei keinen Anlass: „Was seine Fraktionsführung angeht, sehe ich keinen Handlungsbedarf“, erklärte Meyer im Gespräch mit unserer Redaktion, einen Tag vor Fröhlichs eigener Stellungnahme.

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