Streit um die Bahnlinie S4: Eurobahn-Firma Keolis droht dem VRR mit Klage

dzBahnverkehr

Die Eurobahn-Betreiberfirma Keolis wehrt sich gegen die überraschende Vertragskündigung für die S-Bahnlinien 1 und 4. Das Unternehmen erwägt, gegen den Verkehrsverbund VRR vor Gericht zu ziehen.

Unna

, 19.09.2019, 11:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Verkehrsverbund VRR, zuständig für den Regionalbahnverkehr unter anderem im östlichen Ruhrgebiet, hatte am Mittwoch öffentlich mitgeteilt, dass die S-Bahnlinien 1 und 4 nicht wie geplant mit Eurobahn-Zügen befahren werden sollen. Eigentlich war vorgesehen, dass ab Mitte Dezember die Eurobahn diese Linien übernimmt. Ein entsprechender Vertrag wurde nun kurzfristig vom VRR gekündigt. Der Verbund erklärte seine Sorge, dass die Eurobahn-Firma Keolis zu wenig Lokführer zur Verfügung habe, um ihre Aufgaben zu erfüllen.

Bahnfirma prüft rechtliche Schritte

Keolis hatte den Vorwurf am Mittwochnachmittag zurückgewiesen und legte nun mit einer Pressemitteilung nach. Es würden rechtliche Schritte geprüft, erklärte das Unternehmen. Es steht also eine Klage im Raum. Über die Entscheidung des VRR sei man „sehr überrascht und tief enttäuscht“, so lässt sich Magali Euverte, Vorsitzende der Keolis-Geschäftsführung, zitieren. Die Überraschung rührt offenbar vor allem daher, dass es am Montagnachmittag noch ein gemeinsames Statusmeeting gegeben habe.

Keolis kritisiert, „dass der VRR fest eingeplante Betriebsleistungen ad-hoc weiter an die DB Regio AG vergibt“. Die Deutsche-Bahn-Tochter soll laut VRR im Rahmen einer „Notvergabe“ den Betrieb auf den betroffenen Strecken weiterführen. Parallel sollen die Linien europaweit neu ausgeschrieben werden.

„Mobilisierung“ seit 2016

Seit 2016 liefen laut Keolis die Vorbereitungen für den Betrieb der S-Bahnlinien 1 und 4. Man habe sich unter anderem um Personalrekrutierung, Fahrgastinformation, Disposition und Kooperationsverträge sowie die Jahresplanungen für Personal oder Fahrzeugabstellungen gekümmert.

Herausforderung Fachkräftemangel

Ein Hauptproblem, das der VRR sieht, ist die Besetzung von Lokführerstellen. Fachkräftemangel in dieser Branche ist schon länger bekannt und betrifft nicht nur Keolis. Vor Kurzem erst hatte der DB-Konzern bestätigt, dass Personalmangel auf einer Regionalbahnlinie zwischen Unna und Menden für Probleme sorgt. Dort fährt die DB Regio. Jeder fünfte Zug ist in den vergangenen Wochen ausgefallen.

Der Herausforderung Fachkräftemangel habe sich Keolis bereits früh angenommen und aktiv mit allen Beteiligten im Schulterschluss zusammengearbeitet. „Gerade weil wir innerhalb der Branche mit allen Partnern intensiv zusammenarbeiten und Lösungen zugunsten unserer Fahrgäste erarbeiten, verstehen wir diese Entscheidung noch viel weniger“, ergänzt Keolis-Chefin Euverte.

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