Strafe nach Gewalt im Unnaer Katharinen-Hospital

dzGewalt im Krankenhaus

Alkoholisiert zeigte sich ein Unnaer (21) im Katharinen-Hospital von seiner schlechtesten Seite. Er attackierte einen Pfleger und beschimpfte ihn. Nun stand er deshalb vor Gericht.

von Sylvia Mönnig

Unna

, 12.11.2019, 11:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der tiefe Blick ins Glas machte einen 21-jährigen Mann aus Unna in der Nacht auf den 7. April offenbar aggressiv. Zunächst schlug er im Frust mit der Hand gegen eine Wand, verletzte sich dabei und suchte danach Hilfe in der Notfall-Ambulanz des Katharinen-Hospitals.

Ein Pfleger begleitete ihn in einen Behandlungsraum. Dort sollte der Unnaer auf den Arzt warten. Doch dazu kam es nicht. Schnell tönte Lärm aus dem Raum, er randalierte. Der Pfleger sah nach, rief ihn zur Ordnung und wurde dafür beleidigt. Die Lage spitzte sich zu und der tobende junge Mann nahm Anlauf, um dem Pfleger einen Kopfstoß zu versetzen. Der konnte zum Teil noch ausweichen.

Das Geschehen verlagerte sich auf den Boden, dort versuchte der 21-Jährige noch, den Klinikmitarbeiter zu beißen, flüchtete letztlich und traf im Foyer auf die Polizei. Und auch für die Beamten fand er wenig freundliche Worte: „Ihr Hurensöhne habt mir auch noch gefehlt.“

Angeklagter gesteht Taten

Körperverletzung und Beleidigung in zwei Fällen wurden dem jungen Unnaer nun im Prozess zur Last gelegt. Er zeigte sich im Wesentlichen geständig, fühlte sich von dem Pfleger aber ebenfalls beleidigt, berief sich ansonsten auf Erinnerungslücken und machte den Alkohol für die Geschehnisse in der Nacht verantwortlich. „Ich war extrem besoffen. An manches kann ich mich gar nicht erinnern. Ich weiß, dass das scheiße war.“

Er habe daraus gelernt und es tue ihm leid. Eigentlich hasse er Gewalt und sei auch nicht der Typ, der sich schlage. Er sei in dem Moment einfach nicht mehr Herr seiner Sinne gewesen. Und: „Seitdem trinke ich nicht mehr so wirklich.“

„Wie die Axt im Walde“

Der Vertreter der Anklage fand in seinem Plädoyer schließlich deutliche Worte: „Was Sie da veranstaltet haben, das muss ich Ihnen sagen, war nicht von schlechten Eltern.“ Der Unnaer habe sich „wie die Axt im Walde“ benommen und es könne einfach nicht sein, dass Menschen, die nur helfen wollten, angegriffen würden. „Das ist nicht hinzunehmen“, betonte der Ankläger und fügte hinzu: „Ich würde Ihnen wirklich raten, in Zukunft etwas respektvoller mit anderen Menschen umzugehen.“

Urteil: 100 Sozialstunden

Der Jugendrichter sah das ganz ähnlich und redete ebenfalls Tacheles: „Das war nicht der Alkohol, das waren Sie.“ Er verurteilte den 21-Jährigen nach Jugendrecht zur Ableistung von 100 Sozialstunden binnen drei Monaten. Der akzeptierte die Strafe. Das Urteil wurde sofort rechtskräftig.

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