15 Prozent Aufschlag bei der Grundsteuer B – dieser Vorschlag der Stadt würde Bürger direkt treffen und löst dementsprechend Ablehnung aus. Teurer als andere Orte ist Unna schon jetzt.

Unna

, 05.11.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Zahl allein ist stattlich, wenn sie ins Verhältnis zur übrigen Preisentwicklung oder der der Gehälter gesetzt wird: 15 Prozent Aufschlag in einem Jahr wünscht sich der Verbraucher sicherlich nicht für alle Kosten seines Lebens. Die Stadt Unna aber plant genau so einen Aufschlag bei der Grundsteuer B, die für bebaute oder bebaubare Grundstücke gezahlt werden muss. Sie trifft jeden, der in Unna eine Immobilie besitzt. Vermieter können sie auf ihre Mieter umlegen. Im Grunde ist sie eine Art Wohnsteuer für die Stadt.

Wie sich das Szenario für die Bürger Unnas auswirken könnte, hat die Stadt anhand von Musterfällen vorgerechnet. Für ein freistehendes Einfamilienhaus müssten demnach künftig 651,21 Euro im Jahr bezahlt werden. Eine Doppelhaushälfte würde mit 567,27 Euro besteuert. In einem Reihenhaus hätten die Bewohner jährlich 473,85 Euro an die Stadt zu entrichten. Die Bemessung der Grundsteuer für Wohnungen in Mehrfamilienhäusern lässt sich schwieriger verallgemeinern. Die Stadt gibt für zwei Modelle Durchschnittswerte an: In einem Vier-Familien-Haus rechnet sie 469,81 Euro vor, in einem Haus mit 17 Parteien ergeben sich 366,12 Euro. Von der „13. Miete“ zu sprechen, erscheint nicht allzu abwegig.

Jetzt lesen

Das war nicht immer so. Denn der 15-Prozent-Aufschlag, den der Vorschlag des Kämmerers für einen neuen Haushaltsplan beinhaltet, wäre nicht die erste Anhebung. Seit 2012 geht es in Sachen Grundsteuern bergauf in Unna.

Bis dahin lag der sogenannte „Hebesatz“ bei 475 Punkten. Mit dem Haushaltsbeschluss für 2013 setzte Unna ihn dann auf 769 Punkte hoch – ein Aufschlag von 62 Prozent. Für das kommende Jahr setzt Unna 878 Hebesatzpunkte an. Seit 2012 wären die Grundsteuern somit um 84,8 Prozent gestiegen.

Der „Hebesatz“ macht die Steuersituation in Unna mit der in anderen Städten vergleichbar. Und im Vergleich zur Nachbarschaft erweist sich Unna schon jetzt als teures Pflaster. Fröndenberg etwa hebelt die Messbeträge der Grundstücke dort auf 695 Prozent, Kamen auf 690 und Bergkamen auf 670 Prozent. Am günstigsten lebt es sich hinsichtlich der Grundsteuer B in Holzwickede: Die Emschergemeinde hat einen Hebesatz von 560 Prozent.

Die Abwehrmöglichkeiten der Bewohner sind begrenzt. Haus und Hof zu verkaufen, wäre eine Möglichkeit. Gemessen an dem Nutzen wäre der Umzug allerdings eine aufwendige Lösung. Die meisten Bürger dürften den Steuerbescheid zähneknirschend hinnehmen. Nach der 2013er Anhebung gab es eine Reihe von Klagen am Verwaltungsgericht, die aber durchweg abgewiesen wurden. Begründung: Die Grundsteuer habe keine erdrosselnde Wirkung.

Und so darf die Stadt sich tatsächlich an den Bürgern bedienen, wie es ihr beliebt – sofern der ebenfalls vom Bürger gewählte Stadtrat es mitträgt. Tatsächlich sind die Einnahmen der Stadt in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Im Jahr 2012 nahm die Stadt mit ihrer „Bewohnersteuer“ 9,5 Millionen Euro ein. In diesem Jahr dürften es 16,6 Millionen Euro werden. Und mit einer geplanten Anhebung werden daraus schließlich 19,3 Millionen Euro.

Jetzt lesen

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Städtepartnerschaft

Klassenunterschied zwischen Künstlern und Rathaus-Delegation: Das sind die Gründe

Hellweger Anzeiger Einbruch

Schrott-Container an der Viktoriastraße in Unna durchwühlt: Polizei fasst Täter vor Ort

Meistgelesen