Borgentreich und Niederkrüchten. Die eine hat Deutschlands einziges Orgelmuseum. Die andere war 2007 Ausrichtungsort der Europameisterschaft im Kamelle-Zielwerfen - beide Städte haben einen überraschenden Bezug zu Unna.

Unna

, 12.08.2019, 14:13 Uhr / Lesedauer: 3 min

Niederkrüchten. Zugegeben, das klingt nicht gerade nach großer Weltstadt. Und doch sind 2017 fast genauso viele Unnaer in die Gemeinde im Kreis Viersen gezogen wie in Unnas relative Nachbarstadt Menden. Vielleicht mag das am Karneval liegen. Aber der Reihe nach.

Das Statistische Landesamt IT NRW hat für alle Städte und Gemeinden neue Kommunalprofile vorgelegt. Darin steht, neben Einwohnerzahlen (die in Unna ja durchaus auch nicht unstrittig sind) und allgemeinen Daten zur Größe und Lage der Stadt, auch, woher Menschen in die jeweilige Stadt ziehen und wohin die Stadtbewohner ziehen, wenn sie ihre Heimat verlassen.

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Und da taucht in der Liste der „Fortwanderungen“ aus Unna eben Niederkrüchten auf. Gut, nach Hamm sind 1173 Menschen gezogen im Jahr 2017 und an den Möhnesee und nach Rüthen auch 678 beziehungsweise 354 Unnaer - und damit deutlich mehr als die 33 Menschen, die Unna 2017 den Rücken kehrten und in Niederkrüchten ihr Domizil wählten.

Aber während sich die Präferenz für Hamm mit den dortigen Unternehmen erklären ließe und der Möhnesee und auch Rüthen mit der Nähe zum Sauerland ein bevorzugter Wohnort gerade im Alter sein können, stellt sich die Frage: Was zieht die Unnaer nach Niederkrüchten?

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Auf den ersten Blick wirkt Niederkrüchten vor allem eins: deutlich kleiner als Unna. 15.336 Einwohner hat die Gemeinde am Niederrhein Ende 2018 gehabt. 33 von ihnen waren Unnaer. Ist es die Nähe zu den Niederlanden, die die Unnaer an Niederkrüchten reizt? Möglicherweise.

Das Gemeindegebiet grenzt direkt an die Niederlande - gerade mal 13 Kilometer sind es von der Ortsmitte bis zur Landesgrenze. Direkt dahinter liegt Roermond - bei vielen Nordrhein-Westfalen beliebt wegen des dortigen Outlet-Einkaufscenters. Vielleicht ist auch das ein Grund, wieso die Unnaer dort gerne hinziehen.

Beim Blick auf die Infrastruktur Niederkrüchtens hat Unna allerdings eindeutig die Nase vorn: zwei Grundschulen und eine Realschule, eine Gemeindebibliothek, ein Hallenbad und mehrere Reitanlagen befinden sich in der kleinen Gemeinde; ein Krankenhaus gibt es nicht. Massener, die nach Niederkrüchten ziehen, dürften ein Déjà-vu erleben: Das Freibad Niederkrüchten ist seit dem Sommer 2018 geschlossen, der Grund: Die Kosten für den Renovierungsbedarf sind zu hoch. Seitdem wird in Politik und Verwaltung diskutiert, was mit dem Bad passieren soll.

Trotzdem scheint Niederkrüchten bei Touristen ein beliebtes Ausflugsziel zu sein: Es gibt mehrere Hotels und Ferienwohnungen und diverse Camping- und Zeltplätze.

Das hat Unna mit Kamelle-Zielwerfen und einem Orgelmuseum zu tun

Kamelle! Niederkrüchten liegt am Niederrhein, klar, dass dort der Karneval eine große Rolle spielt. Mehrfach fanden in dem Ort schon Meisterschaften im „Kamelle-Zielwerfen“ statt. © picture alliance/dpa

Und dann findet sich noch das: Niederkrüchten war schon mehrmals Ausrichtungsort der Europameisterschaft im Kamelle-Zielwerfen. Ja, richtig gelesen. Beim Kamelle-Zielwerfen müssen amtierende Karnevalsmajestäten die Karnevals-Süßigkeiten in einen Eimer werfen. Jeweils elf Sekunden haben die Prinzen oder Prinzessinen Zeit, die Kamelle, die ihr Partner wirft, mit einem Eimer aufzufangen.

Ist das der Grund, wieso so viele Unnaer nach Niederkrüchten ziehen? Denkbar wäre es. Schließlich ist Unna dank Helmut Scherer nach wie vor die Stadt mit dem kleinsten Karnevalsumzug der Welt - das jecke Gen ist also eindeutig vorhanden.

Zuwanderung aus Borgentreich

Ob es der Karnevalsumzug ist, der die Menschen aus Borgentreich nach Unna ziehen lässt, verrät die Statistik leider nicht, wohl aber, dass aus dieser ostwestfälischen Kleinstadt 2017 mehr Menschen nach Unna gezogen sind als beispielsweise aus Selm oder Wickede. Die 9000-Einwohner- Gemeinde in der Nähe von Paderborn fällt in der „Zuwanderung“-Liste auf. Dass aus Dortmund, Kamen und Holzwickede die meisten Menschen nach Unna zogen, scheint allein aufgrund der geografischen Nähe logisch. Aber Borgentreich?

Das hat Unna mit Kamelle-Zielwerfen und einem Orgelmuseum zu tun

In der Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Borgentreich steht die größte Barockorgel Westfalens - logisch, dass es in dem Ort in Ostwestfalen Deutschlands erstes Orgelmuseum gibt. © picture alliance / dpa

Die kleine Gemeinde wirkt mit sechs Naturschutzgebieten im Stadtgebiet geradezu idyllisch- und hat dabei sogar eine einzigartige Sehenswürdigkeit zu bieten: Seit fast 40 Jahren befindet sich im ehemaligen Rathaus von Borgentreich Deutschlands erstes Orgelmuseum. Die größte Barockorgel Westfalens befindet sich in der St. Johannes Baptist Kirche in Borgentreich. Bilder von ihrer Restaurierung vor neun Jahren erinnern stark an die Reinigung der Orgel in Unnas Stadtkirche nach dem Gewölbeschaden im Januar 2018.

Wer aus Borgentreich nach Unna zieht, muss sich zumindest in einer Sache nicht groß umgewöhnen: Jedes Jahr am zweiten Septemberwochenende feiert Borgentreich Stadtfest - Unna jährlich eine Woche früher. Das dürfte auch die Unnaer freuen, die nach Borgentreich ziehen. Denn auch das gibt es laut der offiziellen Statistik von IT NRW: 2017 zogen 19 Unnaer nach Borgentreich.

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