„Weil‘s Spaß macht“: Standesbeamter Jürgen Tietz kehrt aus dem Ruhestand zurück

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Wer ihm gegenüber sitzt, hat in aller Regel gute Laune: Jürgen Tietz traut Menschen im Unnaer Standesamt. Und das, obwohl er eigentlich seit drei Jahren im Ruhestand ist.

Unna

, 27.12.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Krawatte sitzt, das Sakko passt auch noch: Jürgen Tietz sieht festlich aus, so, als ob es etwas zu feiern gäbe. Gibt es auch: Allein an diesem Tag wird er vier Trauungen vornehmen. Standesbeamter ist der Unnaer mit Leib und Seele – und deswegen fiel es ihm auch nicht schwer, aus seinem Ruhestand zurückzukommen.

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Im Unnaer Standesamt herrscht akuter Personalmangel. Da lag es für Inga Detambel nahe, Jürgen Tietz zu fragen, ob er nicht für einige Zeit wieder ins Standesamt zurückkehren wolle. Die Leiterin des Bürgerservice stieß damit auf offene Ohren bei dem 68-Jährigen. „Es macht mir einfach Spaß“, sagt Jürgen Tietz, wieso er für drei Monate wieder ins Sakko schlüpft und aus Paaren rechtmäßig verbundene Eheleute macht.

Zunächst bis Ende März ist Tietz wieder an seiner alten Wirkungsstätte aktiv – ausschließlich für Eheschließungen. Bis dahin wird eine neue Kollegin eingearbeitet. „Und auch so haben die Kollegen mehr als genug zu tun: Das Standesamt macht Beurkundungen für Trauungen, Sterbefälle und Geburten. Da muss sehr genau gearbeitet werden. Das Ausstellen einer Urkunde kann eine halbe Stunde in Anspruch nehmen“, erklärt Tietz die zeitintensive Arbeit, die im Hintergrund passiert.

„Ich arbeite gerne mit Menschen zusammen. Das Rechnungsprüfungsamt wäre vermutlich nichts für mich gewesen.“
Jürgen Tietz

Damit heiratswillige Unnaer während dieser Übergangszeit trotzdem zu ihrem Eheschluss kommen, arbeitet Jürgen Tietz nun wieder an dem Ort, an dem er bis zum 30. September 2016 zwischen 3000 und 4000 Menschen verheiratet hat. Seit 1990 ist er Standesbeamter, zuvor arbeitete er unter anderem im Bürgerservice und Sozialamt. Dass er Standesbeamter wurde, habe sich so ergeben, sagt er

„Aber ich arbeite gerne mit Menschen zusammen. Das Rechnungsprüfungsamt wäre vermutlich nichts für mich gewesen“, sagt er und schmunzelt. Seine Trauungen versucht er stets, humorvoll zu gestalten – und auf Wunsch auch kurz. „Ich kann das auch flott, wenn es gewünscht wird“, sagt der 68-Jährige. Seine gute Menschenkenntnis hilft ihm, sehr schnell zu erkennen, ob seine humorvolle Art angebracht ist.

„Alles Gute für Ihre Ehe wünscht Ihnen Ihr lediger Standesbeamter.“
Jürgen Tietz hat nie geheiratet

Dann kommt am Ende der Trauzeremonie auch sein Standard-Spruch, den viele zunächst für einen Scherz halten: „Alles Gute für Ihre Ehe wünscht Ihnen Ihr lediger Standesbeamter.“ Tatsache: Jürgen Tietz hat nie geheiratet. „Ich muss hier ja auch keine Eheberatung machen. Wer hier sitzt, hat sich in aller Regel gut überlegt, was er da tut.“

Jürgen Tietz auch: Er freut sich, noch ein bisschen weiter arbeiten zu können. Und aus langjähriger Erfahrung weiß er: In Stress wird sein Kurzeinsatz nicht ausarten. „Januar, Februar und März sind eher ruhig, was Heiraten angeht.“

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