Klüting: Stammgäste kämpfen für ihre Gaststätte in der Corona-Krise

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Ein neues Virus der Hilfsbereitschaft verbreitet sich in Unna: Kegler, Sänger und Wanderfreunde spannen einen Rettungsschirm für den Erhalt ihrer Stammgaststätte Klüting auf.

von Werner Wiggermann

Unna

, 09.04.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gibt es eine Unnaer Normalität nach „Corona“? Was zum Beispiel wird übrig bleiben von unserer Kneipen-Kultur, wenn die Krise noch länger dauert? Immer mehr Stammgäste machen sich Sorgen um wichtige Begegnungsorte in der Stadt – und immer mehr von ihnen kämpfen auch.

Es geht ums wirtschaftliche Überleben

Gaststätten sind Begegnungsorte, in denen man Versammlungen abhalten, Familienfeiern begehen, sich zu Chorstunden oder zu Kegelabenden treffen kann. Orte wie zum Beispiel die traditionsreiche Gaststätte Klüting an der Gerhart-Hauptmann-Straße. In einer fast ebenso traditionsreichen Kegelgesellschaft, die vor über 50 Jahren von Pädagogen des Geschwister-Scholl-Gymnasiums gegründet worden war, entwickelte sich am 26. März eine eher traurige Mail-Kommunikation. „Liebe Kegelschwestern und -brüder“, schrieb der aktuelle Kassenwart Wolfgang Howanietz, „das Covid-19-Virus hindert uns leider daran, am morgigen Freitag zu kegeln – und wann wir wieder kegeln können, lässt sich momentan überhaupt nicht absehen. Ich kann nur hoffen, dass unsere Kegelbahn die Krise wirtschaftlich überlebt!“

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Was Howanietz in seiner Mitteilung eigentlich schon angedacht hatte, griffen einige der angesprochenen Kegelgeschwister gleich auf: Wenn das wirtschaftliche Überleben fraglich scheint, dann sicher durch wegbrechende Einnahmen – und wenn die eigene Kegelkasse recht gut gefüllt ist, dann könnte man mit einer mindestens mittelprächtigen Spende den entgangenen Umsatz doch zumindest etwas kompensieren.

Steuerfreie Schenkungen

Schnell wurde der Vorschlag zum einstimmig beschlossenen Plan. Ein hübsches Sümmchen - gerade noch „klein“ genug, um beim Finanzamt als steuerfreie Schenkung durchzugehen - wurde in einen Umschlag gepackt und bei Manuela und Martin Klüting abgeliefert. „Das hilft wirklich, wir sind total gerührt“, beteuert der Wirt. Gerade in der umsatzstärksten Zeit des Jahres habe die durch das Virus ausgelöste Krise den Geschäftsbetrieb zum Erliegen gebracht. Versammlungen, Sitzungen, Familienfeiern - alles musste abgesagt werden. Von Kegel-Abenden, bei denen die notwendigen Abstandsregeln absurd wären, ganz zu schweigen.

Heimatlosigkeit droht

Was natürlich auch für die Chorabende gilt, deren Protagonisten ohne den Begegnungsraum Klüting mindestens vorerst heimatlos wären. Absolut naheliegend ist es also für die verschiedenen Vereine, über eigene Rettungsbeiträge nachzudenken. Der MGV Frohsinn etwa führte schnell einen entsprechenden Vorstandsbeschluss herbei - und auch beim SGV Unna verständigte man sich auf hilfreiche private Beiträge zum Erhalt des gemeinsamen Begegnungsraums.

Hoffnung und Dankbarkeit

Ob es am Ende ausreicht, um die schwierigste Zeit zu überbrücken? Martin Klüting zumindest glaubt daran, dass sich vielleicht ab Anfang Mai auch für die lokale Gastronomie wieder ein paar Sonnenstrahlen zeigen könnten. Und er ist voller Dankbarkeit gegenüber den Behörden, die die Anträge auf Kurzarbeitergeld und Soforthilfe so schnell, so unbürokratisch bearbeiteten. Ganz ausdrücklich lobt der Wirt aber auch alle Finanzminister, die in den zurückliegenden Jahren den Boden für die jetzt fruchtenden Hilfsmaßnahmen bereitet haben.

So wird sich vielleicht demnächst sagen lassen, dass die Covid-19-Zeit „für uns alle ein richtig blaues Auge“ bedeuten wird, wie Martin Klüting es formuliert; aber es könnte ein blaues Auge sein, mit dem man davongekommen ist - einfach, weil man in Unna zusammengehalten hat.

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