Auf den Parkplätzen der offiziellen Raststätten wird es zum Abend hin schnell voll. Viele Fernfahrer übernachten inzwischen abseits der Autobahn. Aber auch Transporter aus dem „Ortsverkehr“ sind bisweilen in Wohngebieten geparkt. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Verkehr

Städtische Maut für Transporter und Lastwagen in Unna

Unna gilt als Logistikstadt, zieht damit aber auch Transporter und Lastwagen an. Sie belasten Straßen und Abstellflächen. Dafür sollten die Firmen zahlen, meint die Fraktion Linke-Plus.

Die Wirtschaft wird transportintensiver, und Unna als starker Logistikstandort nahe des Kamener Kreuzes merkt das ganz besonders. Die Branche gilt als wichtiger Arbeitgeber, bringt aber auch Probleme mit sich: Lastwagen und Transporter nutzen in einem stärkeren Maße die Straßen ab. Und manche dieser Fahrzeuge stehen außerhalb der Betriebszeiten im öffentlichen Verkehrsraum.

Die Ratsfraktion Linke-Plus greift diese Problematik nun mit zwei Anträgen auf, die eine große inhaltliche Schnittmenge haben: Für Lastwagen und Transportfahrzeuge sollen künftig zusätzliche Abgaben erhoben werden. Sie würden quasi als pauschale Park- und Abnutzungsgebühr von den Firmen in der Stadt verlangt.

Zwei Ziele könnten damit erreicht werden, erklärt die Fraktionsvorsitzende Petra Weber: Firmen könnte ein Anreiz geboten werden, Fahrzeuge nachts und an Wochenenden auf dem Betriebsgelände abzustellen – oder müssten eben einen finanziellen Beitrag zum Unterhalt der Straßen leisten.

Details der Ausgestaltung sind noch offen und sollten von der Stadtverwaltung erarbeitet werden, so Weber. Ganz besonders gelte dies für die Höhe der Abgaben. Vorschläge macht die Linke-Plus-Fraktion für die Frage, ab wann ein Betrieb zur Zahlung herangezogen werden soll. Die „Verkehrsflächennutzungsabgabe“ könnte etwa für Lastwagen ab 7,5 Tonnen anfallen, wenn ein Unternehmen in Unna mehr als zehn An- und Abfahrten verursacht. Für das Parken im öffentlichen Verkehrsraum würde die Fraktion ein Zeitfenster von vier Stunden gebührenfrei dulden.

Wohin mit all den Lieferfahrzeugen?

Den Antrag zu bewerten, ist nun Sache des Unnaer Stadtrates. Petra Weber räumt ein, dass diese Initiative nur ein „erster Aufschlag“ sei, dieses Thema zu behandeln. „Tatsächlich ist es sehr viel komplexer“, sagt sie. Mit einer neuen lokalen Abgabe könne man zwar die ansässigen Betriebe erreichen, aber keine Lieferanten von auswärts, die eine Lieferung nach Unna bringen oder dort abholen.

Über die Belastung der Straßen und die Auslastung von freiem Parkraum an den Straßenrändern hinaus bringt die Logistik auch soziale Fragen und mithin Ordnungsprobleme mit sich. Lastwagenfahrer, die von gesetzlichen Ruhezeiten oder tatsächlicher Erschöpfung zur Pause gezwungen werden, haben es zunehmend schwer, Parkplätze an ausgewiesenen Raststätten zu finden. Oft retten sie sich in Siedlungsbereiche hinter den Abfahrten oder sie suchen sich Stellplätze im Umfeld der Betriebe, die sie anfahren.

Über den Autor
Redaktion Unna
Verwurzelt und gewachsen in der Hellwegbörde. Ab 1976 Kindheit am Hellweg in Rünthe. Seit 2003 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Hat in Unna schon Kasernen bewacht und grüne Lastwagen gelenkt. Aktuell beäugt er das politische Geschehen dort und fährt lieber Fahrrad, natürlich auch auf dem Hellweg.
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Sebastian Smulka

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