Stadtkirche Unna: Am Kreuz verborgen ist ein Schatz aus der Vergangenheit

dzKirchturm

Mit Spannung wird der Abbau des Kreuzes vom Turm der Stadtkirche in den kommenden Wochen erwartet. Wer die Kugel am Kreuz öffnet, wird in die Geschichte zurückblicken.

Unna

, 12.11.2019, 12:43 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn Gebäude errichtet werden, wird in vielen Fällen eine Zeitkapsel eingebaut. Enthalten sind dann Zeugnisse aus der Zeit, in der das Haus gebaut wurde. Auch an der Stadtkirche ist eine solche Zeitkapsel verborgen, allerdings ganz weit oben: in einer Kugel auf der Kirchturmspitze.

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Die umfangreiche Sanierung des Kirchturms an der Evangelischen Stadtkirche ist nicht die erste in seiner langen Geschichte. Seit dem Mittelalter prägt das Gebäude das Stadtbild, und immer wieder mussten Schäden behoben werden, die der Zahn der Zeit mit Wind und Wetter, Kriegsereignisse oder Unglücke in Friedenszeiten hinterlassen hatten. 1860 passierte ein solches Unglück. Am 27. März schlug bei einem Unwetter ein Blitz in den Turm ein und löste ein Feuer aus. In seinem „Hellweger Anzeiger und Boten“ veröffentlichte Zeitungsverlagsgründer Friedrich Wilhelm Rubens seinerzeit einen mitreißenden Bericht über diesen „Schreckenstag“ für seine Heimatstadt Unna.

„Der Glocken eigenes Grabgeläute“

Offenbar wurde das Feuer zu spät bemerkt. Rubens schreibt: „Bald zwei Stunden nachher bemerkten Leute zu rasch verbreitetem größtem Schrecken ein kleines Feuerfleckchen, ungefähr wie ein Lampenflämmchen in der südlichen Turmspitze und nun erst wurde, diesmal leider der Glocken eigenes Grabgeläute geläutet und dadurch eine Menge Menschen und Spritzen herbeigezogen.“

Zeitkapsel in der großen Hohlkugel

Das Feuer zerstörte große Teile des Turms. Und auf die Zerstörung folgte damals wie heute der Wiederaufbau. Drei Jahre später hatte die Stadtkirche einen neuen Turm bekommen. Seitdem hatte er seine typische, das Stadtbild prägende Form. Und seitdem ruhten Zeugnisse dieser Ereignisse an einer bestimmten Stelle des Turms. Eine Zeitkapsel wurde in der großen Hohlkugel zwischen der Turmspitze und dem Wetterhahn verborgen. Darin enthalten waren unter anderem die Zeitungsberichte über die Ereignisse von 1860.

Stadtkirche Unna: Am Kreuz verborgen ist ein Schatz aus der Vergangenheit

Es war das Ereignis für die Stadtgesellschaft und die Medien im April 1959: Ein Armee-Hubschrauber setzt das Kreuz auf den sanierten Turm der Stadtkirche. © Archiv

Später wurden diese Dokumente ergänzt. Auch im 20. Jahrhundert erlebten die Unnaer Turmsanierungen, eine große in den 1950er Jahren. Als diese abgeschlossen war, wurden die alten Zeitungen 1959 auch wieder in der Kreuzkuppel zur Ruhe gelegt. Die Verantwortlichen ergänzten die Zeitkapsel um neue Dokumente. Darunter war eine Urkunde zur Geschichte und zum damals aktuellen Stand der Evangelischen Kirche in Unna, unterschrieben von allen Mitgliedern des Presbyteriums, wie dem Privatarchiv von Presbyter Wolfgang Frenser zu entnehmen ist.

Stadtkirche Unna: Am Kreuz verborgen ist ein Schatz aus der Vergangenheit

Der Wetterhahn hatte seit 1959 auf der Kirchturmspitze gethront. Vor Kurzem wurde er abgenommen. © Marcel Drawe

Man hofft auf wenig Schäden an Dokumenten

Und diese stummen Zeugen der Geschichte hoffen die heutigen Verantwortlichen bald wieder zu finden. In Unnas höchsten Punkt sind in den vergangenen Jahrzehnten diverse Blitze eingeschlagen. Der Wetterhahn trägt diese Spuren, wie nun gut zu erkennen war, nachdem die Gerüstbauer ihn zu Boden geholt hatten. Nicht auszuschließen ist, dass Umwelteinflüsse Schäden angerichtet haben. „Wir hoffen, dass wir nicht nur Asche finden“, sagt Dietrich Schneider vom Evangelischen Kirchenkreis. Frenser hingegen geht nicht davon aus. Allenfalls Feuchtigkeit könnte den Dokumenten in den vergangenen 60 Jahren zugesetzt haben, vermutet er.

Stadtkirche Unna: Am Kreuz verborgen ist ein Schatz aus der Vergangenheit

Das Gerüst hüllt inzwischen den Turm bis zur Spitze des Kreuzes ein. Zuvor war die Hohlkugel unter dem Kreuz noch besser zu sehen. Darin liegen die Dokumente. © Raulf

Dachdecker entfernen Kupfer

Das über mehrere Wochen eingerüstete Dach wird als nächstes von Dachdeckern bearbeitet. Sie entfernen in den kommenden Wochen die marode Kupferverkleidung. Ist sie unterhalb der Spitze entfernt, können Kreuz und Kugel abgenommen werden. Dazu wird aller Voraussicht nach wieder ein Kran eingesetzt werden müssen.

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