Unnas größtes Gebäude ist auch ein großes Sorgenkind: Die Sanierung des Turms der Stadtkirche kostet Millionen, und ohne Zuschuss aus dem Rathaus ist das Projekt nicht zu finanzieren. © Marcel Drawe
Sanierungszuschuss

Stadtkirche: 100.000-Euro-Votum im Rat geheim – und noch knapper

100.000 Euro für die Sanierung der Evangelischen Stadtkirche: Im Stadtrat kam es jetzt zum Schwur. Erneut wurde eine geheime Abstimmung durchgesetzt.

Nach dem Bauauschuss in der vergangenen Woche hatte an diesem Donnerstag der Stadtrat die Aufgabe, über den Sanierungszuschuss für die Evangelische Stadtkirche zu entscheiden. Vor dem Beschluss gab es eine langwierige Diskussion, vor allem über die Art des Beschlusses.

Votum noch knapper als im Ausschuss

Die gute Nachricht für die Stadtkirche vorweg: Sie erhält die beantragten 100.000 Euro von der Stadt Unna, damit die Sanierung des Turms abgeschlossen werden kann. Der Beschluss fiel allerdings noch knapper als seinerzeit im Ausschuss: 24 Ja- und 17 Nein-Stimmen. Im Bauausschuss hatte es noch doppelt so viele Befürworter wie Gegner gegeben.

Und erneut stimmte die Politik nun geheim ab. Zuvor gab es eine Diskussion vor allem zwischen den Fraktionschefs von FLU und CDU, Klaus Göldner und Rudolf Fröhlich. Fröhlich hatte sogar erklärt, dieses Mal von einer geheimen Abstimmung abzusehen, die seine Fraktion wie berichtet im Bauausschuss beantragt hatte. Dafür forderte dieses Mal Klaus Koppenberg (Bündnis 90/Die Grünen) die Geheimhaltung. Da er diesen Antrag nicht stellvertretend für seine Fraktion stellte, sondern als einzelnes Ratsmitglied, musste erst einmal wiederum darüber abgestimmt werden. Ein knappes Fünftel der Ratsmitglieder war dafür, also wurde wieder nicht offen abgestimmt, sondern nacheinander in einer Wahlkabine.

Zuschuss trotz „stattlichen Vermögens“

Die Evangelische Stadtkirche ist für viele Menschen das Wahrzeichen der Stadt. Sie ist neben einem Sakralbau auch das größte Baudenkmal, ein Ort der Kultur und Begegnung, eine Landmarke in der Region und an vielen Stellen auch ein Werbeträger. So genießt sie auch den Rückhalt vieler Politiker. Dennoch kann ein Sanierungszuschuss in diesem Umfang diskussionswürdig sein, wie Sandro Wiggerich (Grüne) wohl auch stellvertretend für andere Kritiker erklärte. Da mit Bund und Land die öffentliche Hand das Fünf-Millionen-Projekt bereits mit 1,5 Millionen Euro unterstützt hat, zweifle er, ob die 100.000 Euro zur Beschleunigung der Sanierung noch zusätzlich sein müssten. Die Evangelische Kirche von Westfalen habe ein „stattliches Vermögen“, so Wiggerich. Und die Stadt Unna selbst habe auch noch wichtige Baudenkmäler, die saniert werden müssten. Im Rat wurden einmal mehr das Hellweg-Museum und das Friedrichsborn-Gebäude genannt.

Müssen es eigentlich 100.000 Euro sein oder würde die Hälfte auch helfen? Diese Frage warf im Rat noch Petra Weber (Die Linke plus) auf. Vergebens: Ihrem Kompromissvorschlag, die Sanierung mit 50.000 zu bezuschussen, folgte niemand.

Über den Autor
Redaktion Unna
Jahrgang 1979, stammt aus dem Grenzgebiet Ruhr-Sauerland-Börde. Verheiratet und vierfacher Vater. Mag am Lokaljournalismus die Vielfalt der Themen und Begegnung mit Menschen. Liest immer noch gerne Zeitung auf Papier.
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Thomas Raulf

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