Beigeordneter Toschläger zur Stadthalle: „Das ist kriminell, was da passiert ist.“

dzStadthalle Unna

Klarer hätten die Worte von Unnas Beigeordnetem Jens Toschläger kaum sein können. Was beim Bau der Stadthalle Unna passiert sei, sei kriminell. Die Stadt will Regressansprüche prüfen.

Unna

, 27.02.2020, 16:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die jüngst bekannt gewordenen Mängel an der Stadthalle Unna sind nur die Spitze dessen, was beim Bau des Gebäudes falsch gelaufen zu sein scheint. Zahlreiche Brandschutzmängel werfen ein ungutes Licht auf die Unternehmen, die mit dem Bau beauftragt waren.

„Da gab es eklatante Mängel. Brandschutzwände sind nicht bis ganz unter die Decke gezogen worden, es gab Spalten von 20 Zentimetern“, berichtete Unnas Beigeordneter Jens Toschläger im Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehrsplanung.

Angesichts seiner Schilderung erscheint der Wasserschaden unter dem Dach der Seitenfoyers fast schon lapidar. Offensichtlich wurden aber auch hier beim Bau Fehler gemacht. Die fielen bislang nicht auf, weil sie hinter einer eingezogenen Decke versteckt waren. Die Dacherneuerung soll 180.000 Euro kosten.

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Angesichts von 5,655 Millionen Euro, die schon in die Brandschutzsanierung der Stadthalle geflossen sind, erscheint der Betrag eher gering. Fakt aber ist offenbar: Zumindest ein Teil der Kosten hätte der Stadt erspart bleiben können.

Bei der Überprüfung der Lüftungsanlage der Stadthalle Unna wurde im Zuge der Brandschutzsanierung auch ein Rauchtest durchgeführt.

Bei der Überprüfung der Lüftungsanlage der Stadthalle Unna wurde im Zuge der Brandschutzsanierung auch ein Rauchtest durchgeführt. © Marcel Drawe

Nun musste das Geld investiert werden, um die Stadthalle überhaupt betriebsbereit zu halten. „Wir dürfen nicht vergessen, dass sie immer noch auch die Aula von zwei Schulen ist“, erinnerte Toschläger die Politik an die Bedeutung des Gebäudes.

„Das ist nicht mehr nur Pfusch am Bau. Da muss man leider schon sagen: Das ist kriminell, was da passiert ist.“
Jens Toschläger zu den Brandschutzmängeln an der Stadthalle

Eine Schließung der Stadthalle und der dann erforderliche Neubau einer Schulaula kam auch deshalb nicht in Frage, weil die Kosten ähnlich hoch gewesen wären. Toschläger: „So haben wir dann eine Stadthalle, die auch wirklich voll nutzbar ist.“

Angesichts der inzwischen behobenen Brandschutzmängel sprach Toschläger Klartext: „Das ist nicht mehr nur Pfusch am Bau. Da muss man leider schon sagen: Das ist kriminell, was da passiert ist.“

Die Frage von Grünen-Ratsherr Carsten Morgenthal, ob die Stadt Regressansprüche prüfe, bejahte der Beigeordnete. Unklar ist allerdings, ob es die verantwortlichen Firmen allesamt noch gibt. Toschläger erklärte, alle vorgefundenen Schäden seien dokumentiert worden.

Begutachtung der städtischen Gebäude

Toschläger hat sich das Monitoring aller städtischen Gebäude auf die Fahnen geschrieben. Dabei treten auch an anderen Gebäude Mängel zutage – etwa am Rathaus und an der Lindenbrauerei. FLU-Ratsherr Klaus Göldner warnte vor den finanziellen Folgen. Unna müsse nicht nur 2020 einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen: „Wir müssen doch auch die Folgejahre im Blick haben.

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