Wenn am Freitagabend Jini Meyer auf der Bühne am Rathaus steht, dann werden die wenigsten Besucher wohl wissen, dass das Stadtfest Unna viel kleiner anfing. Nämlich mit genau einem Fass Altbier.

Unna

, 06.09.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es war ein Fass Bier, Altbier. Unter den Arkaden, dort, wo sich heute das Café Extrablatt befindet, wurde es geleert. Der Anlass: Der Abschluss eines erfolgreichen Kultursommers in Unna, Ende der 1970er-Jahre. Die Anwesenden: Kulturschaffende aus Unna. Unter ihnen: Wilhelm Dördelmann, von 1984 bis 1999 Unnas Bürgermeister. Er erinnert sich: „Das hieß damals noch nicht Stadtfest, aber im Grunde genommen fing damit alles an.“

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Es begann mit einem übrig gebliebenen Fass Altbier

Ein paar Tische, ein paar Bänke, ein bisschen Straßenmusik - und eben ein „übrig gebliebenes“ Fass Altbier: Das waren Ende der 1970er-Jahre die Startvoraussetzungen für das, was mittlerweile jedes Jahr Anfang September Tausende Besucher nach Unna strömen lässt.

Es ist das 39. Stadtfest, das in diesem Jahr stattfindet. Seine heutige Form mit acht Bühnen und drei Tagen Musikprogramm hat sich erst im Laufe der Jahre entwickelt. Am Anfang ging es eigentlich nur darum, ein bisschen auf den ausklingenden Sommer anzustoßen.

Denn nach dem Stadtfest war der Sommer vorbei, das war irgendwie immer so, wie eine Unnaerin feststellt: „Danach konnte man immer gehen: Nach dem Stadtfest musste man die Jacken wieder rausholen.“

Wie aus einem Altbierabend mit einem Fass das Stadtfest in Unna wurde

Die ganze Innenstadt mit Fähnchen und Wimpeln geschmückt: So herausgeputzt präsentierte sich Unna zum Stadtfest in den 1980er-Jahren. © Archiv HA

Ab 1981 jährlich

Ob mit Jacken oder ohne: Aus dem gemütlichen Beisammensein unter den Arkaden wurde schon bald ein größeres Treffen auf dem Marktplatz, Anfang der 1980er-Jahre schon mit mehreren Bierständen. „Wir sind davon überwältigt worden, wie die Reaktionen waren“, erinnert sich Wilhelm Dördelmann. Ganz offensichtlich wollten die Unnaer feiern - und schon entstand das Stadtfest. Verkehrsverein und Stadtrat beschlossen 1981, von nun an jährlich ein großes Fest für die ganze Stadt zu feiern.

Bunt dekorierte Stadt

Bilder aus den Anfängen zeugen von einer fröhlichen und vor allem bunten Stimmung in der Innenstadt: Fähnchen und Wimpel sind über die Straßen gespannt, Schaufenster dekoriert und einmal zierte sogar ein nachgebautes Burgtor den Eingang zur Fußgängerzone.

Wie aus einem Altbierabend mit einem Fass das Stadtfest in Unna wurde

In den 1980er-Jahren war ein Äffchen der Hingucker für die jungen Besucher des Stadtfestes. Ein „Programmpunkt“, den es heute natürlich nicht mehr gibt. © Archiv HA

Dass angekettete Äffchen die Kinder belustigten, wie es Bilder aus den 1980er-Jahren zeigen, ist heute zum Glück nicht mehr der Fall. Ein anderer Programmpunkt für die jüngsten Besucher hat sich aber etabliert: Der Kindertrödelmarkt findet traditionell am Stadtfest-Sonntag in der Innenstadt statt.

Wie aus einem Altbierabend mit einem Fass das Stadtfest in Unna wurde

Verkaufen dürfen hier nur die Jüngsten, das galt auf dem Stadtfest schon immer: Der Kindertrödelmarkt am Sonntagvormittag hat längst Tradition. © Archiv HA

Show-Talent für den Fassanstich

Wilhelm Dördelmann kann sich noch an viele Anekdoten rund ums Stadtfest erinnern. Als Bürgermeister ab 1984 war er zu Beginn des Festes am Freitag stets gefragt: „Bei dem Fassanstich, da müssen Sie schon ein bisschen Show-Talent haben. Da erwartet ja niemand einen Roboter, der da, zack, den Zapfen einschlägt, und das Bier läuft sofort. Dabei war der immer schon so weit eingeschlagen, dass das ohne Probleme möglich gewesen wäre“, erinnert sich der heute 75-Jährige.

Wie aus einem Altbierabend mit einem Fass das Stadtfest in Unna wurde

„Ein bisschen Show-Talent brauchen Sie da schon.“ Wilhelm Dördelmann beim Fassanstich. © Archiv HA

Gäste aus Partnerstädten sind auch mal durstig

Schnell entwickelte sich das Stadtfest auch zu der Veranstaltung, zu der Gäste aus Unnas Partnerstädten eingeladen wurden und man auf diese Weise die Verbindungen zueinander stärkte.

Wie aus einem Altbierabend mit einem Fass das Stadtfest in Unna wurde

„Hoheiten“ aus der Partnerstadt Enkirch an der Mosel kommen auch heute noch zu Besuch: Die Weinkönigin und Prinzessin stoßen beim Stadtfest auf dem Kirchplatz vor der Stadtkirche an. © Archiv HA

In einem Jahr führte das allerdings dazu, dass die Besucher vor der Bühne beim Fassanstich fast kein Freibier mehr bekamen: Der mit einer Delegation seines Stadtrates angereiste Bürgermeister aus Palaiseau wurde von Wilhelm Dördelmann zum Anstich mit auf die Bühne gebeten - und nahm seinen kompletten Stadtrat gleich mit. „Bis ich da die ersten Freibiere an die Besucher runterreichen konnte, hat es ganz schön gedauert“, erinnert sich Dördelmann schmunzelnd.

Wie aus einem Altbierabend mit einem Fass das Stadtfest in Unna wurde

Freibier für die ersten Besucher vor der Bühne. Hier verteilt der damalige Bürgermeister Wilhelm Dördelmann die ersten Gläser nach dem Fassanstich. Die Aufnahme stammt aus den 80er-Jahren. © Archiv HA

Immer größer, aber immer noch privat

Für ihn hat das Stadtfest bis heute einen ganz besonderen Charakter. „Das Fest selbst ist zwar immer größer geworden, aber ich weiß noch immer ganz genau, wo ich welche Gruppen finde. Es gab und gibt immer noch feste Anlaufstellen für einzelne Freundeskreise. Man weiß einfach, wo man sich trifft“, sagt der ehemalige Bürgermeister.

Wie aus einem Altbierabend mit einem Fass das Stadtfest in Unna wurde

Bürgermeister Wilhelm Dördelmann lässt sich auf dem Stadtfest in Käse aufwiegen. Foto von Anfang der 80er-Jahre. © Archiv HA

Den legendären 100-Kilometer-Lauf gibt es zwar nicht mehr und der heutige Bürgermeister muss sich auch nicht mehr in Käse aufwiegen lassen, wie es Wilhelm Dördelmann noch über sich ergehen lassen musste. Geblieben ist das Altbier, auch wenn seit Anfang der 2000er-Jahre auch weitere Biersorten hinzugekommen sind, um den Besuchern eine größere Auswahl zu ermöglichen. Nur die Menge an Bier, die hat sich verändert: Heute ist es definitiv mehr als ein Fass.

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