Mittendrin statt am Rand: Die Nachwuchsmusiker von Ton e.V. haben eine neue Bühne auf dem Stadtfest bekommen. Und die steht nicht mehr am Bahnhof.

Unna

, 21.08.2019, 17:46 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Die machen doch nur diese laute Schrei-Musik“ - Dieses Vorurteil über die Bands, die auf dem Stadtfest auf der Jugendbühne am Bahnhof spielen, hält sich hartnäckig. Dabei beinhaltet das Konzept der Jugendbühne, die vom Verein „Ton e.V.“ betreut wird, längst nicht mehr „nur“ die Heavy-Metal-Bands, die vor allem von älteren Stadtfestbesuchern oft als „laut und böse“ wahrgenommen werden. Wie sehr sich die Nachwuchsmusiker-Szene in Unna entwickelt hat, wird in diesem Jahr auf dem Stadtfest besonders deutlich: Mit einem neuen Standort, einem neuen Namen und einem aufwendigen Nachbarschaftskonzept wollen die Musiker von „Ton e.V.“ neue Wege beschreiten.

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Diese Bands treten beim Stadtfest auf der "Ton-Bühne" am Parkplatz an der Schulstraße auf

Insgesamt 14 Bands treten Freitag und Samstag auf der "Ton-Bühne" am neuen Standort an der Schulstraße auf.
21.08.2019
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Bad Dreams© Ton e.V.
GCP Pure Music© Ton e.V.
Katastrophen-Kommando© Ton e.V.
Left For Autopsy© Ton e.V.
Mission Intuition© Ton e.V.
Phili© Ton e.V.
Sound System© Ton e.V.
Woodship© Ton e.V.
Futurephobia© Ton e.V.
Break In Silence© Ton e.V.
Demonpalm© Ton e.V.
Counters Out Of Time© Ton e.V.
Brain Kebab© Ton e.V.

Erstmals werden die jungen Musiker in diesem Jahr nicht mehr auf ihrer schon angestammten Bühne am Bahnhof spielen. Stattdessen beziehen sie einen neuen Standort: Auf dem Parkplatz an der Schulstraße steht während des Stadtfestes die „Ton-Bühne“. Ganz bewusst heißt sie auch nicht mehr „Jugendbühne“, wie Tobias Koch erklärt: „Wir möchten einen Imagewechsel hinbekommen, deswegen haben wir auch den Namen der Bühne ganz offiziell geändert“, sagt der Vorsitzende von Ton e.V.

„Wir möchten einen Imagewechsel hinbekommen, deswegen haben wir auch den Namen der Bühne ganz offiziell geändert.“
Tobias Koch, Vorsitzender von Ton e.V.

„Die Bühne am Bahnhof hatte ja durchaus Vorteile: Viele Menschen reisen zum Stadtfest mit dem Zug an und kamen dann natürlich als Erstes bei uns vorbei. Das erste Bier wurde dann oft bei uns getrunken. Auch auf dem Rückweg waren viele bei uns, das Pfand der Gläser landete dann auch bei uns“, sagt Koch.

Doch die Lage am Bahnhof war eben nicht nur ideal. Vor allem die Nähe zum Königsborner Tor erwies sich in den vergangenen Jahren zunehmend als Problem. „Es gab immer wieder Stress, weil in dem Bereich sehr günstig Alkohol verkauft wird und ein entsprechends Publikum sich dort aufhält“, sagt Tobias Koch. Regelmäßig sei es zu Schlägereien gekommen - kein schönes Ambiente für junge Musiker, die auf der Jugendbühne oftmals ihren ersten großen Live-Auftritt erlebten.

„Das wirft ja letzten Endes auch ein schlechtes Licht auf uns, wenn so etwas in der Nähe unserer Bühne stattfindet“, sagt Tobias Koch, „davon wollen wir uns bewusst abgrenzen und das gelingt uns mit dem Standortwechsel hoffentlich.“ Der Wunsch, den Standort zu wechseln, keimte bereits beim vergangenen Stadtfest, als sich zunächst abzeichnete, dass der Platz am Museum möglicherweise frei werden könne. „Damals ging das Gerücht, dass das Reso- und Slidegitarrenfestival möglicherweise zum letzten Mal stattfindet und dass dann der Museumsplatz vielleicht als Bühnenstandort frei werden würde.“

Ton e.V. jetzt an der Schulstraße: Neue Bühne für Unnas Nachwuchsmusiker beim Stadtfest

Der Parkplatz an der Schulstraße wird beim Stadtfest 2019 zum neuen Standort der „Ton e.V."-Bühne. © Thomas Raulf

Auch als klar war, dass das Festival weiterhin stattfindet, suchte Ton e.V. das Gespräch mit den Verantwortlichen vom Stadtmarketing und bat um die Prüfung eines möglichen neuen Standortes. Und der war schneller gefunden als gedacht: „Der Parkplatz an der Schulstraße war tatsächlich schonmal als alternativer Bühnenstandort beim Stadtfest im Gespräch und zwar, als die Bühne am Morgentor wegen der Kortelbach-Bauarbeiten dort nicht stehen konnte“, erzählt Koch. Der Plan kam zwar letztlich nicht zum Tragen, aber der Parkplatz ist seitdem komplett vermessen und Pläne zur Bühneninfrastruktur liegen vor - ideale Voraussetzungen für die „Ton-Bühne.“

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Tobias Koch ist richtig glücklich über den neuen Standort. „Wir sind im Herzen des Stadtfestes und durch die Baulücke an der Massener Straße sind wir auch gut für alle sichtbar, die dort entlang gehen.“ Die Bühne wird im hinteren Bereich des Parkplatzes Richtung Klosterstraße aufgebaut werden; unter den Bäumen werden ein Bierwagen und ein Bratwurststand stehen. „Das ist auch klasse, weil die Leute dann gar nicht von uns wegmüssen, wenn sie etwas essen wollen.“

Parkplätze

Anwohner bleiben mobil

  • Der Bühnenstandort auf dem Parkplatz bringt es naturgemäß mit sich, dass während des Stadtfestes Parkplätze wegfallen werden. Doch die Anwohner, die in einem abgegrenzten Bereich des Schulstraßenparkplatzes feste Anwohner-Parkplätze haben, müssen sich keine Sorgen um ihre Autos oder ihre Mobilität machen.
  • „Sie können ihr Autos dort wie gewohnt abstellen“, sagt Tobias Koch, „die Autos werden dann mit einem Zaun vom Stadtfestgelände abgegrenzt.“ Wer sein Auto an dme Wochenende bewegen muss, bekommt für die Zeit des Satdtfestes einen Alternatib-Parkplatz in der Nähe zugewiesen.

Doch „Ton e.V.“ ist sich auch bewusst, dass die Lage „mittendrin“ auch viel Verantwortung mit sich bringt. „Da sind wir natürlich deutlich näher an viel mehr Anwohnern dran, als es am Bahnhof der Fall war“, sagt Tobias Koch, „das berücksichtigen wir in unseren Planungen.“ Und das beinhaltet gleich eine ganze Reihe von Maßnahmen, die den Anwohnern zeigen sollen, dass „Ton e.V.“ eben mehr ist als „nur“ laute Schreimusik. „Wir werden an alle Anwohner im Vorfeld Flyer verteilen, auf denen wir unseren Verein vorstellen. Außerdem haben wir einige technische Kniffe, um die Lärmbelastung runterzuschrauben. Ab 22 Uhr wird die Musik massenkompatibler, die lauten Bands sind dann durch. Und wir sind um 24 Uhr an beiden Abenden definitiv fertig.“

Anders als auf den anderen Bühnen zum Stadtfest, wird auf der „Ton-Bühne“ nur am Freitag und Samstag gespielt. Dabei wäre durchaus Potenzial für noch einen Tag da, wie Tobias Koch verrät: „Wir bekommen mittlerweile unglaublich viele Bewerbungen. Es scheint sich rumzusprechen, dass wir jungen Musikern aus der Region ihre erste große Bühne bieten können.“

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