Nach Realschul-Wende: Stadt weist Verschwendungsvorwurf zurück

dzHellweg-Realschule

Nachdem die Stadt Unna von ihren Plänen, die neue Realschule auf dem Freizeitbadgelände zu errichten, abgerückt ist, herrscht in der Politik große Einigkeit. Es wird aber auch Kritik laut.

Unna

, 21.11.2019, 15:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Nachricht, die Jens Toschläger am Mittwochabend im Schulausschuss verkündete, schlug ein wie eine Bombe. Das zeigen auch die Reaktionen der politischen Gruppierungen. Im Tenor begrüßen sie, dass die Realschule an ihrem jetzigen Standort neu errichtet werden soll. Doch es gibt auch großen Unmut.

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FLU-Fraktionschef Klaus Göldner kritisiert das Vorgehen insgesamt. Im Zuge der Schließung der Anne-Frank-Realschule sei beschlossen worden, die Hellweg-Realschule an ihrem Standort umfassend zu sanieren. „Es gab Pläne, Zeichnungen. Da ist ein großer Euro-Betrag aufgewendet worden“, blickt er zurück.

„Das ist eine Ehrenrunde, die viel Geld gekostet hat.“
FLU-Fraktionschef Klaus Göldner

Dann habe es „aus heiterem Himmel“ ein Pressegespräch gegeben, in dem die zuständige Beigeordnete Kerstin Heidler und der Technische Beigeordnete Ralf Kampmann die Pläne für das Freizeitbadgelände vorgestellt hätten. Davon habe die Politik nichts gewusst. Und jetzt kehre die Verwaltung zu den ursprünglichen Plänen zurück. „Dafür fehlt mir jedes Verständnis. Das ist eine Ehrenrunde, die viel Geld gekostet hat.“

Stadt weist Vorwürfe zurück

Die Stadt Unna weist das auf Anfrage zurück. Planungskosten seien bisher nur für das pädagogische Konzept „Phase 0“ und die Ermittlung der damit verbundenen Bedarfe angefallen, erklärt Stadtsprecher Christoph Ueberfeld.

Unnas Erster Beigeordneter Jens Toschläger hatte schon im Schulausschuss betont, dass auch der Neubau an alter Stelle so erfolgen solle, dass das Konzept wie geplant umgesetzt werden könne.

Göldner macht ungeachtet dessen aber auch klar, dass er die Entscheidung, am jetzigen Standort festzuhalten, für richtig hält. Ähnlich sieht das der fraktionslose Christoph Tetzner. Er erklärt zudem, mit dem neuen Regionalplan sei eine Schule in der Einflugschneise gar nicht genehmigungsfähig gewesen sei.

FDP zeigt sich verwundert

Kritik äußert auch der Stadtverbandsvorsitzende und Flughafenbeauftragte der FDP Sven Albert: „Wir sind verwundert, wie schnell gültige Ratsbeschlüsse plötzlich ihre Mehrheit verlieren. Mittlerweile scheint es opportun zu sein, seine politische Meinung und Ausrichtung ständig nach dem Wind zu drehen.“ Die Freien Demokraten hätten sich bereits vor über einem Jahr festgelegt. Albert: „Wir waren und sind gegen den Neubau der Hellweg-Realschule auf dem Gelände des ehemaligen Freizeitbades.“

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Zustimmung für die Neuausrichtung in Sachen Realschule kommt nun auch von der SPD, die einst selbst für den Neubau auf dem Freizeitbadgelände gestimmt hatte. „Neue Köpfe bringen neue Ideen, über die bisher nicht nachgedacht worden ist“, kommentiert der schulpolitische Sprecher Sebastian Laaser das Geschehen.

Lob hat die SPD auch für das Vorhaben, die neue Schule in einzelnen Bauabschnitten und in Modulbauweise auf den vorhandenen Freiflächen hinter dem jetzigen Schulgebäude zu errichten und die Schülerinnen und Schüler jahrgangsweise in das neue Gebäude umziehen zu lassen. „Das ist eine richtig gute Idee und bringt am wenigsten Unruhe für den laufenden Unterricht“, so Laaser.

Bestätigt fühlen sich die Fraktionen von Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke. Sie hatten immer wieder gefordert, die Planungen für das Freizeitbadgelände aufzugeben. „Wir haben immer gesagt, dass das kein Standort für eine Schule ist“, begrüßt die Linke-Fraktionschefin Petra Weber den Sinneswandel.

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