Schlaglöcher müssen warten: Stadt Unna saniert Viktoriastraße und verschiebt andere Projekte

dzNach Gerichtsurteil

Das Urteil zur Viktoriastraße bringt die Planung von Straßenbaumaßnahmen in Unna durcheinander. Aus Angst vor Strafen saniert die Stadt die Straße schnellstmöglich. Andere marode Straßen müssen deswegen warten.

Unna

, 05.11.2019, 17:32 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fußgänger stolpern über den Bürgersteig an der Bergischen Straße. Autos schaukeln durch die Schlaglöcher der Dorotheenstraße und anderer maroder Asphaltflächen in Unna. Die geplanten Sanierungen dieser Straße aber müssen jetzt erst einmal warten. Die Stadt räumt der Viktoriastraße Vorrang ein. Sie soll nun früher als geplant saniert werden. Auch dies ist eine Folge des Gerichtsurteils.

Gericht bestätigt Erschütterungen durch Straßenzustand

Ein Anwohner der Viktoriastraße hatte die Stadt Unna erfolgreich verklagt. Das Verwaltungsgericht in Gelsenkirchen gab dem Kläger Recht und stellte fest, dass die Stadt umgehend handeln muss. Erschütterungen durch Fahrzeuge, die Schlaglöcher und Unebenheiten in der Fahrbahn überrollen, überschreiten nach Ansicht des Gerichts das erträgliche Maß.

Als erste Maßnahme hatte die Stadt nun ein für Unna ungewöhnliches Tempolimit von 20 Stundenkilometern eingerichtet - gültig nachts zwischen 22 und 6 Uhr für Fahrzeuge ab 7,5 Tonnen Gewicht. Die Stadt hatte bereits angekündigt, dass dies keine Dauerlösung ist. Nun veröffentlicht das Rathaus seinen Plan, wie mit der Viktoriastraße umgegangen werden soll.

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Stadt will weitere Sanktionen vermeiden

Die Straße soll grundhaft erneuert werden. Das war laut einer Drucksache aus der Verwaltung eigentlich für später geplant gewesen: Die Planung hätte erst 2023 erfolgen sollen, die Sanierung danach. Aufgrund des Gerichtsurteils sei es nun nötig, den Ausbau der Viktoriastraße vorzuziehen, „um weitere Sanktionen gegen die Stadt Unna zu vermeiden“. Man fürchtet also, dass Strafmaßnahmen verhängt werden, womöglich kostspielige. Näheres konnte die Stadt am Dienstag auf Anfrage unserer Redaktion nicht erklären. Warum eine Sanierung nun dringend ist, obwohl die Tempolimit-Maßnahme erst einmal umgesetzt ist, ließ die Stadt auch offen.

Schlaglöcher müssen warten: Stadt Unna saniert Viktoriastraße und verschiebt andere Projekte

Der Zustand der Viktoriastraße erscheint im Vergleich zu anderen Straßen in Unna noch passabel. © Udo Hennes

Sechs Straßenbauprojekte werden verschoben

Fest steht, dass der Stadtrat sich nun mit der vorgezogenen Straßensanierung beschäftigen muss. Sie soll 1,39 Millionen Euro kosten. Um das Projekt finanzieren zu können, sollen nun andere Straßenbauprojekte verschoben werden. Die Stadt veröffentlicht eine Liste von sechs Straßen, die laut ursprünglichem Plan in den Jahren 2020 bis 2023 erneuert werden sollten:

  • Märkische Straße, Saarbrücker Straße und Bergische Straße in Unna,
  • Wilhelminenstraße in Königsborn,
  • Massener Dorfstraße in Massen und
  • Buschstraße in Billmerich.

Diese Straßen zeigen teils einen erheblichen Sanierungsbedarf. Dagegen erscheint der Zustand der Viktoriastraße sogar noch passabel. Autoreifen rumpeln stellenweise geradezu durch ausgefahrene Schlaglöcher. An der Saarbrücker Straße zwischen dem Aluwerk und der Gelsenwasser-Zentrale warnt bereits ein Schild vor Straßenschäden.

Schlaglöcher müssen warten: Stadt Unna saniert Viktoriastraße und verschiebt andere Projekte

Ein Schild warnt an der Saarbrücker Straße bereits vor Straßenschäden. © Raulf

Bürgersteig mit hoher Stolpergefahr

Wenn eine Straßensanierung auch den Gehweg einbezieht, dann wäre eine Baumaßnahme an der Bergischen Straße besonders dringend. Baumwurzeln drücken dort Kantensteine hoch. „Das ist so gefährlich hier“, sagt eine Passantin. Sie sei schon mehrmals fast gefallen. Gerade in der Dunkelheit sei der Weg für Fußgänger eine Gefahr.

Für wie lange diese sechs Sanierungsprojekte nun aufgeschoben werden sollen, ist ebenfalls bisher unklar. In der Drucksache zum Thema ist von einem „späteren Zeitpunkt“ die Rede.

Schlaglöcher müssen warten: Stadt Unna saniert Viktoriastraße und verschiebt andere Projekte

Baumwurzeln drücken Asphaltflicken und Kantensteine hoch und sorgen so für gefährliche Stolperfallen: So sieht es an der Bergischen Straße aus. © Raulf

Neubau der Viktoriastraße ab 2021

An der Viktoriastraße sollen die Bauarbeiten im Jahr 2021 beginnen. Die Stadt will im kommenden Jahr 65.000 Euro für die Planung ausgeben, im Jahr darauf 670.000 Euro für den Bau, weitere 655.000 Euro im Jahr 2022. In Summe wären das 1,39 Millionen Euro. 570.000 Euro sollen im Jahr 2023 zurückfließen: von Anliegern. Die Stadt lässt sich einen Teil der Kosten gemäß dem Kommunalabgabengesetz (KAG) erstatten.

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