Sich via Internet auszutauschen, ist inzwischen für viele Menschen Alltag. Auch der Austausch zu geplanten Bauprojekten sollte auf diesem Weg möglich sein. © picture alliance/dpa/Westend61
Meinung

Stadt Unna: Öffentlichkeit von vornherein digital herstellen

Corona macht Bürgerversammlungen schwieriger denn je. Eine Übertragung via Internet von vornherein mitplanen: Das müsste längst selbstverständlich sein, meint unser Autor.

Die Nachfrage im Vorfeld der Bürgerversammlung zum Einzelhandelsprojekt Massen ist riesig. Das überrascht nicht angesichts der streitbehafteten Vorgeschichte und der Tragweite des Vorhabens. Öffentlichkeit herzustellen, wird aber jetzt schon schwierig, weil das Massener Bürgerhaus nicht mehr als 70 Besucher coronakonform zulässt. Die Stadt Unna sollte solche Veranstaltungen von vornherein online planen oder mindestens mit einer Internet-Komponente.

Eine Besprechung muss nicht mehr gemeinsam am Tisch erfolgen. In den meisten Unternehmen sind digitale Formen der Kommunikation spätestens mit den Notwendigkeiten der Coronapandemie eingeführt oder ausgebaut worden. Sich über Online-Plattformen auszutauschen, ist Alltag. Und es geht nicht nur ums modernere Telefonieren. Die Bildübertragung in Videokonferenzen ermöglicht auch das Zeigen und Erörtern von Tabellen, Zeichnungen, Präsentationen und mehr.

Digital kann sogar besser sein

Auch die Dinge, die zu einem großen Bauvorhaben gehören, können über diese Wege präsentiert und diskutiert werden. Es kann sogar besser funktionieren als in einem Versammlungsraum mit womöglich mittelmäßiger Akustik oder einem Beamer auf einem wackeligen Stehtisch. Und: Zuschauer könnten von zu Hause aus zugeschaltet werden, Kommentare abgeben, Fragen stellen oder sich über die Chat-Funktion an Diskussionen beteiligen. Möglichkeiten gibt es genug, sie müssen nur genutzt werden. Klar, das bedeutet Aufwand. Aber er lohnt sich.

Ältere Leute können und müssen auch teilnehmen: richtig. Das können sie aber auch. Viele Senioren sind digital bestens aufgestellt, nutzen Smartphones, Tablets und Computer selbstverständlich als Helfer im Alltag oder weil sie Lust darauf haben. Das ist also gar keine Frage des Alters. Und wer mit „diesem Internet“ bisher wirklich nichts zu tun hatte, der wird sicher einen Weg suchen und finden, wenn er wirklich an einer solchen Veranstaltung teilnehmen möchte.

Keine Frage des Alters

Hybrid ist auch eine gute Lösung: Wer nicht online teilnehmen kann oder will, meldet sich eben doch zur Präsenzveranstaltung an. Viele andere werden es schätzen, persönlich daheim bleiben zu können, gerade jetzt in Coronazeiten. Dadurch werden im Versammlungsraum von ganz allein Plätze frei. Die Stadt selbst hat schon einmal halb digital eine Tagung zu einem wichtigen Thema abgehalten: Im Juni dieses Jahres war ein Teil einer Ratssitzung zur Eishalle über das Internet gestreamt worden.

Sollte es bei Bürgerversammlungen rechtliche Hürden geben, um die die Stadt freilich nicht herum käme, dann müssten diese Regelungen vom Gesetzgeber geändert werden – dringend.

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Redaktion Unna
Jahrgang 1979, stammt aus dem Grenzgebiet Ruhr-Sauerland-Börde. Verheiratet und vierfacher Vater. Mag am Lokaljournalismus die Vielfalt der Themen und Begegnung mit Menschen. Liest immer noch gerne Zeitung auf Papier.
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Thomas Raulf

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