200 überdachte Parkplätze sollte das geplante Parkhaus am Bahnhof bringen. Jetzt stellt die WBU das Projekt zurück – und die Stadtverwaltung sieht keinerlei Auswirkungen auf die Verkehrspolitik in Unna. Das überrascht.

Unna

, 10.07.2018, 15:19 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nach dem Aus für ein neues Parkhaus am Bahnhof fehlt im künftigen Parkplatzangebot in der Innenstadt ein Baustein. Dass die Stadt diesen Verlust als eher unbedeutend einstuft, mag überraschen. Zuvor wurde der Neubau auch gegenüber Kritikern als dringend erforderlich beschrieben.

Der Bau eines weiteren Bürogebäudes und eines Parkhauses am Busbahnhof und Bahnhof waren von Anfang an umstritten. Baukosten von über 15 Millionen Euro hatte WBU-Chef Karl-Gustav Mölle bereits bei der Projektvorstellung vor über zwei Jahren beschrieben. Einige Ratsfraktionen, aber auch Interessensgruppen wie der ADFC stellten den Sinn dieser Investition infrage. Doch mit einer politischen Mehrheit und dem Aufsichtsrat im Rücken hielt die WBU an dem Vorhaben fest – bis vor kurzem eine Kostensteigerung von 25 Prozent auftauchte und die WBU-Kontrolleure auf die Bremse traten. Das Projekt solle vorerst nicht realisiert werden.

Parkraumbewirtschaftungskonzept kommt nach dem Sommer

Eine Frage, die sich an diese Entscheidung anschließt ist die nach den Auswirkungen für die Verkehrspolitik in der Innenstadt. Unna arbeitet derzeit an einem Parkraumbewirtschaftungskonzept, das nach dem Sommer vorgestellt werden soll. Darum geht es im Wesentlichen darum, welche Parkmöglichkeiten in Unna künftig mit Parkscheibe und Parkscheinen zu nutzen sind und wie teuer das Parken werden soll. Vorerst jedoch sehe man im Rathaus keine Auswirkungen durch den Projektstopp für das geplante WBU-Parkhaus an der AOK, gibt Behördensprecher Oliver Böer die Einschätzung der entsprechenden Fachabteilung wieder.

Diese Einschätzung überrascht. Zu Beginn der Planungen für ein neues Parkhaus war von einem dringenden Bedarf die Rede. Die bestehende Tiefgarage unter dem Busbahnhof, mit 520 Stellplätzen die größte Garage der Stadt, sei an ihrer Kapazitätsgrenze angekommen, hieß es seinerzeit. Im Durchschnitt sei sie zu 80 Prozent belegt, in Spitzenzeiten aber regelmäßig voll und dann keine zuverlässige Anlaufstelle für Autofahrer auf Parkplatzsuche mehr.

Zeitgleich mit der Diskussion um den Sinn eines neuen Parkhauses am Bahnhof waren vor gut zwei Jahren ein anderes Phänomen aufgetreten: Tagesgäste, ob sie nun zum Arbeiten oder zum Einkaufen in die Stadt kommen, entdeckten immer weiter vom eigentlichen Stadtkern entdeckte Wohngebiete, um ihre Autos abzustellen. Ob dies ein Beleg für zählbaren Parkplatzmangel in der Innenstadt ist oder den laufbereiten Autofahrern schlicht die Gebühren zu hoch sind, lässt sich ohne Umfrage nicht klären. Sehr wohl zu vernehmen war der Ärger von Anwohnern, die sich nun an den Autos auswärtiger Besucher vorbei rangieren mussten.

Das Parkraum-Bewirtschaftungskonzept war auch eine Reaktion auf dieses Problem. Dass Unna künftig seine Gebühreneinnahmen steigern will, gilt zwar als sicher, da ein entsprechender Vorschlag zu den Ideen der Haushaltssicherungskommission gehört, gegen die sich bislang noch kein Protest formiert hat. Und doch kann man der Stadt abnehmen, dass das Konzept nicht nur Einnahmen erzeugen soll, sondern auch Ordnung schaffen, in dem es die parkenden Autos verträglicher in der Stadt verteilt. Laut Haushaltsplan kassiert die Stadt übrigens jährlich 500.000 Euro an Parkgebühren für ihre Freiluftstellplätze. Die Gebühren in den vier Großgaragen erhebt die WBU, deren Verkehrsbereich dennoch als defizitär gilt.

Parkplätze in Unnas Innenstadt:

Ob Unna nun wirklich einen Mangel an Parkplätzen hat oder ob die Art der Bewirtschaftung das Problem ist, lässt sich nur schwer aufklären. Händler des City-Werberings etwa hörten früher regelmäßig Klagen von ihren Kunden, dass man in Unna nirgends seinen Wagen lassen könne. Derlei Beschwerden verstummten allerdings sehr schnell, nachdem 2010 das neue Parkleitsystem aufgebaut wurde. Es zeigte sich: Es gab sehr wohl genügend Stellflächen, nur waren sie nicht leicht genug zu entdecken.

Parkplätze auch an der Mühle Bremme denkbar

Ob dies auch im Jahr 2018 noch gilt, soll das Parkraumbewirtschaftungskonzept irgendwann in der zweite Jahreshälfte zeigen. Das Faltblatt „City-Parken in Unna“ spricht von mehr als 4000 Stellplätzen. Der Zugewinn durch ein neues WBU-Parkhaus am Bahnhof wäre im Vergleich dazu tatsächlich überschaubar gewesen. Zuletzt war von mindestens 200 Stellplätzen darin die Rede gewesen: Aber 160 bis 180 davon wären schon erforderlich gewesen, um die Auswirkungen der beiden neuen Gebäude auszugleichen. Für den Bau des Parkhauses wären zunächst einmal 80 bis 90 Stellflächen des heutigen Park-and-Ride-Parkplatzes weggefallen. Und mit dem neuen Bürogebäude wären Berufstätige in den Bereich gelockt worden, die zum Teil sicherlich mit dem Wagen angereist wären.

Mögliche Entlastung allerdings kommt der Stadt ebenfalls durch eine „aktuelle Entwicklung“ entgegen. Die Mühle Bremme hat nach Jahrzehnten des Stillstandes einen neuen Eigentümer, der dort ein Einkaufszentrum errichten will. Ungeachtet der noch offenen Fragen zur Verkehrsanbindung an den Ring werden dort auch Parkplätze entstehen. Eigentlich sind sie für die Kunden gedacht. Aber so etwas lässt sich in der Praxis nicht gut kontrollieren.

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Parkplätze in Unnas Innenstadt

10.07.2018
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Der Parkplatz am Ostring/Ecke Morgenstraße ist erst seit Kurzem wieder hergestellt. Über mehrere Monate führte hier während der Bauarbeiten für den Kortelbach-Umbau die Umleitung in die Innenstadt entlang. Der Parkplatz wird jedoch in den nächsten Jahren erneut verändert: Im Zuge der Umgestaltung des Platzes am Morgentor soll die Hälfte der Stellplätze wegfallen.© Udo Hennes
Der Parkplatz des Aldi-Marktes an der Weberstraße wurde bisher auch als öffentlicher Parkplatz genutzt. Doch Beschwerden von Anwohnern über nächtlichen Lärm, weil der Parkplatz als Treffpunkt genutzt wurde, bereiteten dem kürzlich ein Ende. Nun soll eine Schranke abends den Parkplatz sperren.© Udo Hennes
Die Idee, in der Tiefgarage am Neumarkt die Öffnungszeiten auszuweiten, stieß im Frühjahr auf wenig Gegenliebe bei der Verwaltung. Entstanden war die Diskussion wegen der Park- und Verkehrssituation am Südwall. Dort versuchte die Stadt mit umstrittenen „Leitboys“ Ordnung zu schaffen. Ausgeschilderte Parkverbote waren zuvor oft ignoriert worden. So war die Straße oft zugeparkt, und Anwohner beklagten Lärm durch das Zuschlagen von Autotüren zu später Stunde. Verlängerte Öffnungszeiten in der angrenzenden Tiefgarage am Neumarkt könnten dieses Problem beheben, so die Idee. Doch die Tiefgarage soll keine zusätzlichen Öffnungszeiten am Sonntag anbieten. Aus Sicht der Wirtschaftsbetriebe (WBU) sei dies unwirtschaftlich.© Marcel Drawe
Die Zukunft des Parkplatzes an der Schulstraße trieb im Sommer 2017 die Parteien um. Sozialwohnungen, eine grüne Freifläche oder weiterhin ein Parkplatz? Bisher ist nichts entschieden.© Marcel Drawe
Hinter dem Kreishaus entsteht derzeit der neue "Bildungscampus Königsborn". Mit dem Förderzentrum Unna, dem Weiterbildungskolleg, einer Kindertagesstätte und einer Mensa wird auch mit mehr Verkehr gerechnet. Wie dieser geleitet werden soll und wo die Fahrzeuge parken können, soll ein Mobilitätsgutachten klären. Die SPD-Fraktion im Rat der Stadt Unna preschte im Oktober 2017 schon vor und schlug ein Parkhaus nördlich des Kreisgesundheitsamtes vor.© Udo Hennes
Parken verhindern sollen die Poller an der Morgenstraße vor dem Pestalozzi-Gymnasium seit August 2017. Bis dato parkten dort immer wieder Autos - eine Gefährdung für die Radfahrer, so die Meinung der Schule und der Stadtverwaltung. Immer wieder sei es zu Beinahe-Unfällen gekommen, wenn die Türen der dort haltenden Autos geöffnet würden und Radfahrer auf dem parallel verlaufenden Radweg vor dem Schulgelände unterwegs waren. Fest steht: Wirklich an die Poller gewöhnt haben sich die Autofahrer noch nicht. Seit der Aufstellung der Poller wurden sie bereits mehrmals umgefahren.© Marcel Drawe

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